Elefant vor klimafreundlicher Wand: Der Zoo ist bekannt für die vertikale Begrünung des Elefantenhauses. | Foto: Deible

Karlsruher Zoo als Beispiel

Vertikale Begrünung als biologische Klimaanlage

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Knapp 40 Grad im Juli 2019. Vor allem in Städten steht die heiße Luft in den Straßen, aber auch in den Wohnungen ihrer schwitzenden Bewohner. Sind die Ventilatoren dann ausverkauft, ist guter Rat teuer. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zu den Elefanten im Zoo. Am dortigen Elefantenhaus findet sich eine vertikal begrünte Wand, die das Kleinklima verbessern soll. Was für die Dickhäuter vor allem ein optischer Effekt ist, kann für hitzegeplagte Menschen in ihren Wohnungen einen konkreten Nutzen bringen, nämlich Abkühlung.

Von Alina Kenzler, Janina Vettel, Eva Pflästerer und Lilly Schindler

Seit 2013 besteht der vertikale Garten am Elefantenhaus. Dort zeigt sich, wie die Pflege des Systems im Alltag funktioniert: „Viele Pflanzen kamen nicht zurecht und mussten ausgetauscht werden. Andere wachsen auch aus den Pflanzlöchern heraus, bekommen dann auf Dauer zu wenig Feuchtigkeit und gehen ein“, berichtet Martina Wieland-Dürr vom Gartenbauamt, das für das Projekt zuständig ist. Im Jahr kämen so Unterhaltskosten von etwa 5 000 Euro zusammen, die zwar auch durch den hohen Personalaufwand begründet sind, jedoch trotzdem zeigen, dass solche Lösungen für Privatleute noch schwer umsetzbar sind.

KIT forscht an Auswirkungen

An den Auswirkungen der vertikalen Begrünung forscht das KIT. Laut einer Studie führt die Fassadenaufheizung an heißen Tagen zu einem nächtlichen Temperaturunterschied zwischen Innenstadt und Umland von bis zu sieben Grad. Diesem Hitzestau wirken durch das natürliche Reflexionsvermögen der Blätter auch klassische Kletterpflanzen wie Efeu entgegen. Im Gegensatz zu einer Klimaanlage tut die Begrünung auch noch etwas für die Insekten-Population, was sie doppelt attraktiv macht.

Hilfe vom Gartenbauamt

Wer mehr Individualität an seiner Fassade möchte, als einfache Kletterpflanzen bieten und bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, für den bieten sich verschiedene Lösungen an. Durch die Nutzung bepflanzbarer Einzeltöpfe, die in Fassadenelementen organisiert sind, wird eine größere Auswahl von Pflanzen möglich, die sich nach eigenem Geschmack zusammenstellen lassen. Alltagstauglicher sind aber die klassischen Rankhilfen, wie sie etwa für Efeu oder Wilden Wein benutzt werden.
Dies sieht auch das Gartenbauamt so und fördert Rankhilfen und Begrünung innerhalb des „Förderprogramms zur Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden“ mit bis zu 4 000 Euro pro Anwesen.

Seit über 30 Jahren werden in den dicht besiedelten Gebieten der Innenstadt, Mühlburgs, der Oststadt, der Südstadt, der Südweststadt und des Durlacher Ortskerns nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter bei der Begrünung unterstützt. Bezuschusst werden außerdem Hof- und Dachbegrünungen.

Hinterhofwettbewerb seit 1977

Für Interessierte bietet das Gartenbauamt eine kostenlose Erstberatung an, bei der finanzielle Fragen individuell geklärt werden können. Zusätzlich findet seit 1977 jeweils in den geraden Kalenderjahren der „Hinterhofwettbewerb“ statt, bei dem besonders schön begrünte Höfe und Dächer prämiert werden.

Bürgermeisterin Bettina Lisbach verwies kürzlich bei einer Verannstaltung zum Thema Fassadengrün darauf, dass Dachbegrünung bereits im Bebauungsplan der Stadt Karlsruhe verankert ist. Bei der vertikalen Begrünung gäbe es jedoch „noch Luft nach oben“, so die Bürgermeisterin.

Vorreiter der Trendbewegung ist der französische Gartenarchitekt Patrick Blanc, der Paris zu einem globalen Vorbild in der Umsetzung von Pflanzenwänden gemacht hat.

Vertikale Begrünung
• Wo wird gefördert? In eng bebauten Gebieten: Innenstadt, Mühlburg, Oststadt, Südstadt, Südweststadt und im Ortskern von Durlach.
• Was wird gefördert? Hofbefestigungen, Rasenflächen, (Baum-) Pflanzungen, Rankhilfen, extensive und intensive Dachbegrünungen
• Beantragung: Kostenlose Beratung gibt es beim Gartenbauamt, dort ist auch das Antragsformular erhältlich. https://www.karlsruhe.de/b3/freizeit/gruenflaechen/hdf.de.