Besonders junge Männer zieht es in Shisha-Bars, wie hier in der Shisha-Lounge der XXL-Sportsbar in Karlsruhe-Neureut. Das schummrige Image vieler Bars ist dabei durchaus gewollt. | Foto: jodo

Shisha-Bars in Karlsruhe

Viel (Shisha-)Rauch um nichts?

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Für die einen gehört ein Besuch in ihnen zu einem geselligen Wochenende dazu, für die anderen bleiben sie obskur: Shisha-Bars erfreuen sich gerade bei den jüngeren Karlsruhern großer Beliebtheit. Gleichzeitig sind sie immer wieder Mittelpunkt von Negativ-Schlagzeilen.

Erst am vergangenen Wochenende machten Razzien gegen Clan-Kriminalität in Berliner Shisha-Bars Schlagzeilen. Man wirft ihnen vor, Treffpunkt der organisierten Kriminalität zu sein, die Gesundheit ihrer Gäste und Angestellten zu gefährden und ihren Tabak nicht richtig zu versteuern.

Wir sind hier doch nicht in Berlin, wir sind hier in Karlsruhe.

Hasan Khanafer betreibt die Smoker’s Lounge in der Innenstadt. Er kann die Vorurteile gegen Shisha-Bars nicht nachvollziehen. „Wir sind hier doch nicht in Berlin, wir sind hier in Karlsruhe.“ In seiner Bar treffen sich besonders Gäste unter 30 Jahren, aber auch der ein oder andere ältere Stammgast. Zutritt ist erst ab 18 Jahren, darauf legt der Betreiber wert.

Zu seinen Gästen zählen Nationalitäten aus ganz Europa und die wüssten mittlerweile sehr genau, was sie wollen. Die Auswahl des richtigen Geschmacks dauert da nicht lange. „Viele Gäste kommen gezielt und wissen oft besser als ich, was am Markt verfügbar ist. Die rauchen meistens auch selbst daheim“, so Khanafer. Schwarzmarkttabak kommt bei ihm nicht in die Shisha. Die Strafen seien empfindlich und wenn man erwischt werde, lohne es sich gar nicht mehr. Deshalb laufe bei ihm alles streng korrekt ab.

Versteuerung des Tabaks oft schwer nachvollziehbar

Die Art und Weise, wie der Tabak in Shisha-Bars an die Gäste abgegeben wird, ist nicht selten ein Anlass zu Streitigkeiten zwischen Betreibern und Behörden, weiß Stephanie Henig, Pressesprecherin des Hauptzollamts Karlsruhe. In bisher allen vom Zoll kontrollierten Shisha-Bars in Karlsruhe sei es gängige Praxis, den Kunden den Tabak direkt vorbereitet in der Wasserpfeife zu verkaufen, so Henig. Dazu werde der Tabak von den Betreibern aus den sogenannten Kleinverkaufspackungen (meist zwischen 150 und 1 000 Gramm) entnommen, gegebenenfalls mit anderen Aromen gemischt und in den Shisha-Kopf gefüllt. „Der Verkauf von Teilmengen ist jedoch unzulässig“, erklärt Henig, man spricht in diesem Zusammenhang vom Verpackungszwang nach § 16 Tabaksteuergesetz. Wird der Tabak nicht in einer Kleinverkaufspackung und nicht zu dessen Preis verkauft, entsteht ein erhöhter Steuersatz, der dem Hauptzollamt anzuzeigen wäre. Unterbleibt dies, liegt eine Steuerhinterziehung vor.

Vor diesem Hintergrund ist fraglich, inwiefern sich Shisha-Bars überhaupt steuerrechtlich konform betreiben lassen. Eine Kleine Anfrage unter anderem der FDP-Bundestagsfraktion im vergangenen Jahr ergab jedoch, dass die Bundesregierung hinsichtlich des Verpackungszwangs keinen Handlungsbedarf sieht. Durch die Abgabe von bereits aromatisiertem Tabak in Kleinverkausfpackungen sei ein steuerrechtlich konformes Betreiben von Shisha-Bars möglich, so die Antwort der Bundesregierung.

Kein erhöhtes Interesse von Seiten der Behörden

Von Seiten der Polizei gebe es in Karlsruhe kein erhöhtes Interesse an Shisha-Bars, so Polizeipressesprecher Florian Herr. In den vergangenen Wochen habe es lediglich in Pforzheim einige Auseinandersetzungen im näheren Umfeld von Shisha-Bars gegeben.

Auch Ute Donisi, Leiterin des Bereichs öffentliche Sicherheit beim Ordnungsamt, bestätigt, dass in Karlsruhe kein verstärktes Augenmerk auf den Shisha-Bars liege. Seit vielen Jahren gebe es entsprechende Mindestanforderungen an die Betreiber, so Donisi. So müssen Shisha-Bars etwa über je einen Kohlenmonoxid-Melder pro 25 Quadratmeter Gastraum verfügen, um Gesundheitsschäden für Gäste oder Angestellte zu vermeiden. Zusätzlich sind die Betreiber verpflichtet, bereits am Eingang entsprechende Warnschilder aufzuhängen. „Der Gaststättenbehörde ist in Karlsruhe jedoch keine Kohlenmonoxid-Überschreitung bekannt“, verrät Donisi. Auch Ruhestörung sei ein wenig verbreitetes Problem bei Shishabars – Anwohner würden sich eher über den Geruch beschweren. „Der Rauch der Shishas ist dicker als Zigarettenrauch, der Geruch bleibt länger in der Luft. Den mag man oder man mag ihn nicht – das ist sehr subjektiv“, so Donisi.

Die Kohle der Shishas stellt ein doppeltes Sicherheitsrisiko dar: Neben der Möglichkeit, sich zu verbrennen, ist die Kohle der Hauptproduzent des gefährlichen Kohlenmonoxids. | Foto: jodo

Barabara Koch vom Gesundheitsamt sieht das Shisha-Rauchen kritisch. Hygienemängel ergäben sich besonders dann, wenn das Mundstück von mehreren Personen verwendet werde. Auch sie weist auf die Wichtigkeit von Warnschildern und ausreichender Lüftung hin. „Die Besucher einer Shisha-Bar müssen sich der Gesundheitsgefahr bewusst sein. Für viele ist das ein Gesellschaftsevent, der süße Rauch wird teilweise verharmlost.“

Fruchtige Aromen sind besonders beliebt

In Karlsruhe gibt es derzeit etwa 25 Shisha-Bars. Bilal Bayrakoglu, Betriebsleiter der XXL-Sportsbar in Neureut, kennt beinahe alle, auch einen Kollegen, der seine Bar aufgrund von Anwohnerbeschwerden möglicherweise bald schließen muss. Seit etwa acht Jahren gibt es auch in der XXL-Sportsbar eine Shisha-Lounge. Etwa 15 Shishas verkauft Bayrakoglu unter der Woche pro Tag, am Wochenende sind es dann auch mal 25 oder mehr. Dabei seien die meisten Gäste bei ihm junge Männer, Frauen kämen eher selten und dann meist am Wochenende. Seine Stammgäste kennt Bayrakoglu inzwischen gut, darunter sind viele Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Fruchtige Aromen sind besonders beliebt, etwa Melone oder Traube-Minze. Zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden verbringen die Gäste durchschnittlich in der Shisha-Lounge, dabei fasst ein Shisha-Kopf zwischen acht und 16 Gramm Tabak. Das entspricht etwa der Wirkung von 20 Zigaretten. Aus diesem Grund empfiehlt Bayrakoglu nicht mehr als zwei Shishas pro Woche. Alkohol werde eher selten konsumiert, das gesellige Beisammensein stehe im Vordergrund. Warum gibt es dann aber so viele Vorurteile gegen Shisha-Bars? „Das ist eine gute Frage“, lacht Bayrakoglu. Einen Tipp hat der 29-Jährige dann aber doch: Möglicherweise liegt es auch am oftmals düster-schummrigen Interieur vieler Bars. Doch das mache ja gerade den Reiz aus, findet Bayrakoglu. „Wenn man in eine Shisha-Bar reingeht, sollte man sich wie zuhause fühlen. Daheim sitzt man doch auch nicht im grellen Licht.“