In der Karlsruher Weststadt haben am Montag Ehrenamtliche der Lukasgemeinde am Straßenrand abgelegtes Altpapier eingesammelt. Der Vertragspartner garantiert der Gemeinde den Abnahmepreis noch bis zum Jahresende.
In der Karlsruher Weststadt haben am Montag Ehrenamtliche der Lukasgemeinde am Straßenrand abgelegtes Altpapier eingesammelt. Der Vertragspartner garantiert der Gemeinde den Abnahmepreis noch bis zum Jahresende. | Foto: jodo

Knielingen hört auf

Viele Altpapiersammler in Karlsruhe machen weiter

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Am 11. Januar haben die Ehrenamtlichen des ASV Hagsfeld in ihrem Stadtteil mehrere Tonnen Altpapier eingesammelt. Geld haben sie damit nicht verdient. Ihr Vertragspartner Kühl hatte dem Verein einen Tag vor Weihnachten mitgeteilt, dass er im ersten Quartal aufgrund des gesunkenen Marktpreises nichts bezahlen könne.

„Wir wollten für die Menschen in Hagsfeld nicht mehr kurzfristig absagen“, sagt der ASV-Verantwortliche Jens Ambach. Weitergehen könne es so aber nicht. Die nächste Sammlung am 7. März steht auf der Kippe.

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Preisvereinbarungen verlieren Gültigkeit

Wie der ASV Hagsfeld bekamen Vereine und Kirchengemeinden unter anderem in Daxlanden, Grünwinkel und Knielingen eine E-Mail von Kühl, die den BNN vorliegt. Das Unternehmen teilte darin mit, dass alle Preisvereinbarungen zum 31. Dezember 2019 ihre Gültigkeit verlieren. Ende Februar wolle man sich wegen des zweiten Quartals melden. Gleich zweimal betont Kühl allerdings in der gleichen E-Mail, dass man den Vereinen als Alternative zehn Euro Prämie für eine firmeneigene Altpapiertonne anbiete, die sie an Haushalte vermitteln. Auf Rückfragen der BNN reagierte die Firma am Montag nicht.

Die Aufregung in Hagsfeld können die ehrenamtlichen Altpapiersammler auf der anderen Seite der A5 in Grötzingen einigermaßen entspannt verfolgen. Die Akkordeonfreunde und der VfB Grötzingen teilen sich dort die Straßensammlung. Ihr Vertragspartner Rosenburg und Neidhardt, der mit Vereinen und Kirchengemeinden in den meisten Stadtteilen zusammenarbeitet, hat die vereinbarten Abnahmepreise bis zum Ende des Jahres garantiert. „Erst im Spätsommer müssen wir neu verhandeln“, erklärt Rainer Daubenberger von den Akkordeonfreunden. Gut 5.000 Euro nehmen beide Vereine pro Jahr durch Kartons und alte Zeitungen ein. An Schwankungen im Altpapierpreis hat er sich längst gewöhnt. Im Jahr 1987 habe man einige Zeit sogar völlig umsonst gesammelt. Dann sei die Stadt eingesprungen und habe die Lücke durch Zuschüsse geschlossen, erinnert sich Daubenberger.

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Im August Verhandlungen für 2021

Dass sich in Grötzingen trotz der Erschütterungen im Altpapiermarkt vorerst nichts ändert, liegt an der Vertragspolitik von Rosenburg und Neidhardt. „Wir bekommen beim Altpapier-Verkauf derzeit mehr als andere, da wir unsere Preise immer längerfristig verhandeln. Das gibt uns allen Planungssicherheit“, erläutert Uwe Neidhardt. Dafür habe es auch Jahre gegeben, in denen das Unternehmen deutlich weniger für das Altpapier bekommen habe, als auf dem Markt bezahlt wurde. Bleibt der Preis niedrig, könnte die Entwicklung mit einiger Verzögerung allerdings auch bei Rosenburg und Neidhardt und seinen Karlsruher Vertragspartnern ankommen. Im August stehen Verhandlungen für das Jahr 2021 an. Doch noch profitiert das Unternehmen von der Entwicklung. Mit frustrierten Kühl-Vertragspartnern stehe er in Kontakt. „Drei bis vier könnten wir zeitnah annehmen. Aber nur für Sammeltermine unter der Woche“, so Neidhardt.

In der Katholischen jungen Gemeinde (KJG) St. Josef in Grünwinkel war der Schreck Anfang des neuen Jahres groß. Die E-Mail von Kühl war hier bei der Verwaltung eingelaufen – und die war bis zum 6. Januar nicht besetzt. Seitdem läuft bei Altpapier-Organisatorin Anne Haller der Telefonakku heiß. Über einen Wechsel denke man nach, stehe aber vor zwei großen Hindernissen, erklärt sie. Einerseits komme eine Sammlung unter der Woche eigentlich nicht in Frage. Andererseits könne Rosenburg und Neidhardt nicht so viele Fahrzeuge für die Sammlung anbieten wie Kühl. „Wir haben schon viele Möglichkeiten durchgespielt, auch den Abschied vom Altpapier und alternative Einnahmequellen“, sagt Haller.

Für den 25. Januar kommen all diese Überlegungen zu spät. Wie in Hagsfeld hat sich die KJG entschlossen, einmal auch ohne Einnahmen zu sammeln. „Wir wollen die Menschen in Grünwinkel nicht verärgern“, erklärt Haller.

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Zu wenig Ehrenamtliche in Knielingen

In Knielingen sieht die Situation hingegen anders aus. Die drei Kirchengemeinden und der Musikverein, die die Sammlung bisher gemeinsam übernommen haben, machen zumindest vorerst Schluss. Auch sie hatten kurz vor Weihnachten Post von Kühl bekommen, die letztlich den Ausschlag gab. „Wir hatten schon vorher zu wenige Ehrenamtliche. Aber so macht das keinen Sinn mehr“, sagt Ralf Pawlowitsch von der Neuapostolischen Kirche. 2.000 bis 3.000 Euro fehlen allen Beteiligten so für die Jugendarbeit – und den Knielingern die Möglichkeit, ihr Altpapier zur Straßensammlung zu stellen. In Hagsfeld hofft Jens Ambach noch auf eine Lösung, allerdings nicht mit dem bisherigen Partner Kühl. Ein Gesprächstermin mit Rosenburg und Neidhardt ist schon vereinbart. Auch eine Verschiebung der geplanten Samstagstermine unter die Woche kommt für ihn in Frage – Hauptsache es fließen noch ein paar Euro in die Jugendkasse