Igel
„Der heiße und trockene Sommer hat auch für die Igel Konsequenzen gehabt“, erklärt Thomas Bücher, Veterinärmediziner und Igelexperte aus Karlsruhe. | Foto: Pleul/dpa (Archivfoto)

Auffangstationen überfüllt

Viele Igel nach trockenem Sommer in Not: der richtige Umgang mit den Tieren

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Die Igel-Auffangstationen im ganzen Land sind überfüllt. Ist das nun falsch verstandene Tierliebe oder haben die Igel tatsächlich ein ernsthaftes Problem? „Der heiße und trockene Sommer hat auch für die Igel Konsequenzen gehabt“, erklärt Thomas Bücher, Veterinärmediziner und Igelexperte aus Karlsruhe.

Das Nahrungsangebot sei wegen der Trockenheit reduziert gewesen und manchmal hätten die Igelmütter deswegen auch nicht genug Milch für die kleinen Igel gehabt, manche Würfe seien von den Müttern sogar verlassen worden. Als Konsequenz daraus würde man nun mancherorts vermehrt kleinere Igel finden. „Aber nicht jeder Igel muss auch eingesammelt werden“, betont Bücher, „nur wenn die Tiere sichtbar krank sind, sollte man sich an den Tierarzt oder die Igelstationen wenden, die übrigens keineswegs staatlich gefördert, sondern privat finanziert werden.“

Experte: Igel sind ortstreue Tiere

Ansonsten sei es immer vorzuziehen, die Igel im eigenen Garten zu belassen und dort zuzufüttern, zumal die Tiere auch sehr ortstreu seien. Handelsübliches Igelfutter kann mit Katzenfutter gemischt werden und sollte den Tieren dann aber in einem Igelhäuschen angeboten werden, um andere Tiere davon abzuhalten. „Die Bauanleitungen für solche Igelhäuser findet man beispielsweise auf der Homepage des Igelvereins. Auf diese Weise kann der Igel in der gewohnten Umgebung überwintern, dafür müssen allerdings dann im Garten auch die entsprechenden Strukturen vorhanden sein, ein steriler Garten zählt nicht dazu“, so Bücher.

Er selbst sei in Karlsruhe einmal zu einer Familie gerufen worden, die einen kleinen Igel gefunden habe. Man habe dann nach den Geschwistern gesucht und diese dann tatsächlich auch gefunden. Die Igelfamilie habe erfolgreich durch Zufüttern in ihrem vertrauten Revier überwintern können. Momentan wird in Fachkreisen darüber diskutiert, ob man nicht sogar die ganzjährige Zufütterung der Igel empfehlen sollte, da der Lebensraum der Tiere durch den Klimawandel, das Insektensterben und die zunehmende Bebauung immer mehr schwindet.

Das sieht Bücher mit gemischten Gefühlen, denn „man unterstützt damit zwar einerseits natürlich die Igel, das hilft ihnen aber nur bedingt, wenn zum Beispiel die Gärten immer mehr ,versteinern’ und naturnahe Strukturen und Totholz fehlen“.

Experte: Lebensbedingungen der Tiere müssen sich verbessern

Für den Experten ist klar, dass sich die Lebensbedingungen als Ganzes verbessern müssen. Und durch die strukturelle Verarmung der Landschaft und den Einsatz von Chemie in der Agrarlandschaft fehle es auch dort einfach an geeigneten Nischen wie Hecken, in denen der Igel Tagesschlafplätze findet und Winterquartiere anlegen kann. Deswegen würden die aktuellen Bestandszahlen der Igel zurückgehen, so Bücher.

Zur Hilfe bei Igelnotfällen kann man sich an den bundesweiten Igelnotruf unter Telefon (08 00) 7 23 57 50 wenden. Informationen rund um den Igel inklusive detaillierter Anweisungen: „Igel gefunden – Notfallplan“ gibt es im Internet unter www.igelverein.de.

von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt