Der Gästeblock der KSC-Fans blieb wegen dem Ausschluss Hunderter Fans halb leer. | Foto: GES

Nach Ausschluss vor Derby

Viele KSC-Fans verlassen Gästeblock aus Solidarität zu den ausgesperrten Ultras vorzeitig

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Es hätte ein toller Derbynachmittag werden sollen und endete für mehrere Hundert Fans am Sonntag vor den Stadiontoren. Die Polizei sprach ihnen wegen des Abbrennens von Pyrotechnikauf dem Weg in die Mercedes-Benz-Arena einen Platzverweis aus. Sie mussten wieder abreisen und durften nicht ins Stadion. Fans, die bereits im Gästeblock waren, verließen daraufhin auch die Arena. Aus Solidarität mit den Ausgesperrten.

Und dabei war doch alles ganz anders geplant. Viele der Anhänger hatten blau-weiße Zipfelmützen auf, sie wollten geschlossen und friedlich im Kollektiv auftreten. Nachdem aber die Info im Gästeblock die Runde machte, dass mehrere Hundert Fans nicht ins Stadion dürfen, machte sich Unmut breit.

Viele verließen daraufhin aus Solidarität zu den Ultras den Gästeblock und verfolgten das Spiel vom Außenbereich des Stadions aus. Die Stimmung unter den Anhängen war gedämpft, verständlich. Was genau war passiert?

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Fans sehen keinen Grund für Einschreiten der Polizei

Martin aus Karlsruhe (31): „Es gab in dem Marsch zum Stadion keine große Provokation davor von den KSC-Fans. Kurz vor dem Stadion ist die Polizei dann reingeprescht und hat sehr viele KSC-Fans festgesetzt. Das Verhalten der Polizei war nicht nachvollziehbar. Das wirkte geplant von der Polizei.“

Ähnlich sieht es Andreas Ulrich von den Gaggenauer Löwen. „Ich war 1997 mit dem KSC bei einem Spiel in Moskau. Da war auch viel Polizei, aber das war lange nicht so schlimm wie hier heute.“

Tom Beck mit Michael Kunz (rechts) haben das Spiel – wie viele andere auch – vom Außenbereich des Stadions aus verfolgt. | Foto: tra

Eine aggressive Grundstimmung seitens der Polizei.

Und auch Michael Kunz hat kein gutes Wort für die Polizei übrig. „Fahren sie doch heim, sie sind hier nicht erwünscht“, hat er zu hören bekommen und musste sein Auto letztendlich auf dem Cannstatter Wasen parken, wo auch viele der VfB-Anhänger ihre Autos abstellen. Zudem seien Straßen mit Zufahrten zum Gäste-Parkhaus einfach gesperrt worden, obwohl diese noch hätten offen sein sollen. „Es war einfach eine aggressive Grundstimmung seitens der Polizei.“

Auch via Twitter wurde diskutiert. Auf dem Kanal der Polizei Stuttgart wurde „Willkür“ und „Polizeigewalt“ angeprangert. „Da fehlt die Verhältnismäßigkeit. Die Beweislage zum Aussperren von mehreren hundert Fans würde ich gerne kennen. Dass man Chaoten sanktioniert, ist absolut richtig. Die Kriminalisierung der Masse ist nicht in Ordnung“, kritisierte Peter Z.

Selbst von mutmaßlichen VfB-Fans kam Unterstützung. „Lächerlich, alles von Anfang an geplant! Ihr hattet nie vor die ins Stadion zu lassen“, schrieb ein Nutzer namens Cacau2511. Auch im Lager der Karlsruher wurde dieser Verdacht mehrfach geäußert. „Das war von der Polizei so geplant“,  ereiferte sich ein langjähriger Begleiter der Fanszene.

Block leerte sich

KSC-Fan Tom Beck ist im Vereinsrat und bleibt aus Solidarität ebenfalls dem Block fern. Er fuhr nach dem Spiel heim und schaute sich die Zusammenfassung des Derbys im Fernsehen an.

Damit ist er nicht allein. Dany und Thomas Lutz sowie Stefan Stoll haben auch den Block verlassen. Thomas Lutz regt sich auf und fragt sich, was das alles bringt. Das Trio beobachtet, wie die Fans vor dem Stadion einzeln abgeführt werden.

Von links: Dany Lutz, Stefan Stoll, und Thomas Lutz haben aus Solidarität zu den Ultras ebenfalls das Stadion verlassen. | Foto: tra

Die Polizei erklärt auf Nachfrage: Auf dem Fanmarsch von Untertürkheim zum Stadion sei „massiv Pyrotechnik abgebrannt worden“, außerdem seien Einsatzkräfte unter anderem mit Baustellen-Absperrmaterial und pyrotechnischen Gegenständen beworfen worden.

In der Benzstraße wurde die Gruppe daher angehalten. Die Fans wurden kontrolliert und es wurden Platzverweise ausgesprochen. Mehrere hundert Fans durften somit nicht zum Spiel.

Andreas Ulrich hat schon viel mit dem KSC erlebt, aber das war selbst den treuen KSC-Fan neu. | Foto: tra

Rolf Ulrich, Bereichsleiter Organisation für den Spielbetrieb beim KSC, war bei Vorabgesprächen in Stuttgart dabei.

Platzverweise für die Fans

Er sagt: „Ursprünglich war geplant, dass die Busse bis vor das Tor fahren. Das war dann nicht der Fall. Sie wurden etwa zwei Kilometer entfernt an einer Baustelle abgestellt. Ich habe dann mitbekommen, dass viele Fans deshalb verärgert waren und sich an der Baustelle mit Material versorgt haben. Ob das wahr ist, weiß ich nicht. Auf alle Fälle wurden diese Fans vor dem Stadion von der Polizei dann eingekesselt und wegen der Situation an der Baustelle mit einem Platzverweis versehen.“

Nach der Partie gibt die Polizei weitere Infos bekannt. So wurde das Sicherheitskonzept wegen eines Pyrotechnik-Fundes am Vortag kurzfristig geändert, weshalb auch die Busse nicht bis vors Stadion fuhren durften. Diese Maßnahme sei aber erfolgt, ohne mit dem Verein oder dem Fanprojekt zu sprechen, heißt es aus KSC-Kreisen.

Die Stimmung im KSC-Block litt jedenfalls unter dem Ausschluss. Über die ganzen 90 Minuten war quasi kaum was zu hören von den Karlsruher Anhängern, was auch dem KSC-Trainer Alois Schwartz auffiel. Bei der Pressekonferenz sagt er: „Das ist natürlich schade für die Fans und auch schade für die Mannschaft.“

Auch sportlich lief es nicht rund für den KSC

Das sportliche indes ist schnell erklärt. Der VfB Stuttgart hat mit einem Derbysieg gegen den Karlsruher SC den Abstand auf die direkten Aufstiegsplätze der 2. Fußball-Bundesliga verkürzt.

Die Schwaben setzten sich vor 57.483 Zuschauern mit 3:0 (0:0) durch und haben als Tabellendritter nun drei Punkte Rückstand auf den Hamburger SV und Arminia Bielefeld.

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Philipp Förster (60. Minute), Orel Mangala (75.) und Hamadi Al Ghaddioui (90.+2) schossen die Tore für den VfB – und lösten damit das Versprechen ihres Trainers Tim Walter ein, der einen Sieg ohne Gegentor angekündigt hatte. Der KSC dagegen kassierte die erste Niederlage nach zuvor sieben Remis und steckt im unteren Mittelfeld.

Die Fans traten betrübt die Heimreise an. Patrick aus Pforzheim sagt: „Es ist genauso passiert, wie gedacht. Stuttgart war spielerisch die bessere Mannschaft. Wir haben unsere eine Chance nicht genutzt.“