Kap und Nika im Zoo Karlsruhe
Kleine Raufereien gehören beim neuen Karlsruher Eisbären-Paar Kap und Nika zum Programm: Wenn Kap (links) Nika zu sehr auf den Pelz rückt, holt er sich eine Abfuhr - die ihn aber nicht entmutigt. | Foto: jodo

Kap liegt Nika zu Füßen

Vielversprechende Eisbären-Liaison im Zoo Karlsruhe

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In ihrer Jugendzeit waren sie Spielkameraden im Zoo Karlsruhe, nun sind sie dort wieder zusammen und sollen langfristig für kleine Eisbären sorgen: Kap und Nika sind das neue Karlsruher Eisbären-Paar. Vor Ostern kam der 16-jährige Kap vom Tierpark Neumünster zurück ins Badische , wo 2001 bis 2004 aufwuchs. Bislang ist die neue Eisbären-Liaison sehr vielversprechend: Die Tiere weichen einander kaum von der Seite und nähren so die Hoffnung auf baldigen Nachwuchs. Auch wenn Nika Kap gelegentlich seine Grenzen aufzeigt.

Die Eisbären haben andere Sachen im Kopf

„Niiiika! Kaaaap“, ruft Moritz Ehlers über die Eisbärenanlage und klopft an den Futtereimer. Karotten, Einbergsalat, Gurke und Fisch hat der Tierpfleger mitgebracht, den Lautsprecher gerichtet und das Headset aufgezogen. An den Scheiben des Eisbärengeheges und auf den großen Felsenstufen warten Besucher des Karlsruher Zoos, um die Eisbären bei der mittäglichen Fütterung zu beobachten. Wie Tierpfleger Ehlers schon vermutet hat, fällt diese aber weitgehend aus. „Wie erwartet haben die beiden Bären gerade andere Sachen im Kopf“, stellt er lapidar fest.

Intensives Kennenlernen

Kap und Nika, das neue Karlsruher Eisbären-Paar, ist nämlich mit Kennenlernen beschäftigt. Immer noch. Und sehr intensiv. An ihrem neuen Lieblingsplatz, wo das Schneeeulen-Gehege an die Eisbären-Anlage grenzt, hat Nika sich im Gras ausgestreckt. Eine Geländestufe tiefer liegt Kap im Sand – und Nika zu Füßen. Den Kopf hat er auf die dicken Pfoten gebettet, die Augen wachsam auf die Dame seines Herzens gerichtet.
Die hat sich nicht nur sofort seine Zuneigung, sondern auch seinen Respekt gesichert. „Am ersten Tag haben sie toll miteinander geschmust, am zweiten Tag hat man dann gemerkt, dass Kap Nika ein bisschen auf die Nerven ging – und am dritten Tag hat sie ihm eine geknallt“, erzählt Ehlers schmunzelnd.

Kein Bedarf an anderer Beschäftigung

Inzwischen ist der Pfleger vom künstlichen Felsen hinunter zu den Zoobesuchern gekommen. Er nutzt die Gelegenheit, sie im direkten Gespräch über die Eisbären zu informieren und Fragen zu beantworten. Etwa die, ob die Eisbären jetzt hungrig bleiben müssen. „Die Hauptmahlzeit bekommen sie am Nachmittag im Innengehege“, kann Moritz Ehlers diese Bedenken zerstreuen. Die Fütterung am Mittag dient vor allem der Beschäftigung. Aber da haben die Bären nun ja gerade keinen großen Bedarf.

Das große Schmusen

Kaps Interesse an Nika war von Anfang an groß. Durch die Scheibe sah er sie zunächst nur, brüllte aber immer wieder nach ihr. Oder versuchte, am Gitter ihren Duft aufzunehmen. Sehr schnell, nämlich am Dienstag nach Ostern, kam es dann zur direkten Begegnung. Und zum großen Schmusen. Es war ein Neustart für beide Tiere und damit ein idealer Zeitpunkt für die Vergesellschaftung, erklärt Ehlers. Schließlich sei Nika plötzlich ohne ihre langjährigen Gefährten Vitus und Larissa, die bekanntlich unfruchtbar sind und nach Neumünster abgegeben worden waren, auch in einer neuen Situation gewesen.

Nika verschaffte sich Respekt

Dass sie sich bei Kap Respekt verschaffte, wundert das Pflegerteam nicht. „Nika ist ja auch mit dem 600 Kilo schweren Vitus fertig geworden“, erinnert Ehlers. Und dass Kap nun seine Grenzen kenne, sei eine gute Basis. Die kleinen Raufereien, die sich das neue Eisbären-Paar immer wieder liefert, seien okay, und größere Auseinandersetzung nun eher nicht mehr zu erwarten. Und wenn Kap bald nicht mehr brunftig ist, werde es ohnehin wieder ein bisschen ruhiger.

Gute Situation für alle vier Eisbären

„Es ist super gelaufen“, findet auch Zoochef Matthias Reinschmidt. Mit der Untersuchung der Eisbären auf Fruchtbarkeit und dem Tausch der Tiere habe man ein großes Rad gedreht – mit Erfolg, wie es scheint: Nika und Kap können nun Erfahrungen machen, die ihnen bislang verwehrt blieben, und Vitus und Larissa seien nicht alleine, führt er aus. Die beiden leben sich bislang in Neumünster gut ein, weiß Reinschmidt aus mehreren Telefonaten mit seiner Direktoren-Kollegin. Klar seien Eisbären Einzelgänger, sagt Moritz Ehlers – aber eben vor allem, weil sie für die Nahrungssuche große Räume benötigen. Ist aber, wie im Zoo, genug Nahrung vorhanden, zeige sich durchaus ihr Sozialverhalten.

Nika hält Kap nicht immer auf Abstand

Bleibt die Frage, wie weit Nika Kap an sich heran lässt. „Es wird ihr zwar manchmal zu viel, aber sie ist durchaus interessiert“, sagt Ehlers. Sowohl Pfleger als auch Zoobesucher haben die Tiere schon beim Decken beobachtet. Zwar sei in diesem Winter wohl eher noch nicht mit Erfolg zu rechnen – langfristig sind die Aussichten auf kleine Eisbären im Karlsruher Zoo aber nicht schlecht.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Karlsruher Eisbären und zu den Tieren in Neumünster