AM HAUPTEINGANG IM SÜDEN hat die Stadt den Service ausgebaut. Wer vom Bahnhofplatz aus in den Stadtgarten strebt, findet jetzt dort ein zweites Kassenhäuschen, den Container (links). Von dort ist allerdings der Weg zu den Elefanten oder zum Exotenhaus relativ weit. Laut Stadtverwaltung wurde aber der schon lange ganz geschlossene Eingang West auch bei großem Andrang nicht als Überlaufventil angenommen.
AM HAUPTEINGANG IM SÜDEN hat die Stadt den Service ausgebaut. Wer vom Bahnhofplatz aus in den Stadtgarten strebt, findet jetzt dort ein zweites Kassenhäuschen, den Container (links). Von dort ist allerdings der Weg zu den Elefanten oder zum Exotenhaus relativ weit. Laut Stadtverwaltung wurde aber der schon lange ganz geschlossene Eingang West auch bei großem Andrang nicht als Überlaufventil angenommen. | Foto: jodo

Eingänge des Stadtgartenzoos

„Vier minus zwei“ ist die strittige Zoo-Tor-Formel

Eigentlich gibt es vier, aber wirklich offen sind nur zwei Eingänge zur Pflanzen- und Tierwelt mitten in der Stadt. Warum ist das so? Und muss das so bleiben?

Diese Fragen stellt nicht nur Jürgen Sickinger, der Vorsitzende des Bürgervereins Südweststadt. Auch Martina Hillesheimer, Vorsitzende der Bürgergesellschaft Südstadt, kritisiert die dauerhafte Schließung des Osteingangs auf der Südstadtseite des Zoos.

Stadtgarten und Zoo in einem und das im Zentrum und nicht an der Peripherie bei Hagsfeld oder Maxau – diese über 150 Jahre bestehende Kombilösung gilt als Trumpf der Fächerstadt. Über eine Million Besucher passieren im Jahr die Kassenhäuschen beim Bahnhofplatz und beim Festplatz. Mancher Bürger kann nicht verstehen, wieso ausgerechnet der so beliebte Kombi-Publikumsmagnet mit riesigem Einzugsgebiet mit der etwas hölzernen Amtsbezeichnung „Zoologischer Stadtgarten“ den Karlsruhern die Hälfte seiner Türen verschließt.

Ineffiziente Kassen

Finanzielle Argumente hinsichtlich des allgemeinen Kostendrucks und einer Ineffizienz des Kassenbetriebs an den beiden Längsseiten des Stadtgartenzoos überzeugen die Kritiker nicht. Sie haben diesen Rückschnitt im städtischen Bürgerservice bis heute nicht akzeptiert. Dabei wird auch ins Feld geführt, dass der Stadtgartenzoo – während die zwei Tore geschlossen wurden – die Eintrittspreise kräftig erhöht habe. Beispielsweise nimmt die öffentliche Hand jetzt elf Euro für die Tageskarte, vor elf Jahren war es nur die Hälfte. Da reichten 5,50 Euro.

Befürworter einer Wiederöffnung der Eingänge Ost (Ettlinger Straße, neben der Zoobrücke) und West (Bahnhofstraße, bei der Seebühne) meinen, dass in der selbst ernannten „Smart City Karlsruhe“ doch eine intelligente Lösung in ihrem Sinne möglich sein müsse. Besonders viele Menschen in der Südweststadt und in der Südstadt würden sich über den direkten Zugang statt eines Umwegs von insgesamt 1,5 Kilometern sehr freuen.

Bis zu 1,5 Kilometer Umweg

Bürgermeister Michael Obert räumt ein, dass die Stadt den Osteingang tatsächlich wieder habe öffnen wollen. Dies sei aber gescheitert, weil man keine praktikable Lösung gefunden habe. „Der Westeingang war immer nur temporär offen“, stellt Obert klar.

Da er auch als Überlaufventil etwa bei einer langen Schlange vor der Kasse beim Bahnhof an Fronleichnam sehr schwach angenommen worden sei, habe man ihn – von Ausnahmetagen abgesehen – vor rund fünf Jahren geschlossen. „Es hat doch keinen Sinn, dass jemand im Kassenhäuschen sitzt und niemand kommt“, sagt der Zoo-Dezernent.

Dass der Zoostadtgarten an seinen kurzen Breitseiten im Süden und im Norden offene Eingänge behält, ist unstrittig. Durch diese Tore gelangt man direkt vom Hauptbahnhof beziehungsweise auf kürzestem Weg aus der Innenstadt in die Oase am Lauterberg.

 

Schild am Zoo
STILLGELEGT ist der Kassenbetrieb am Eingang Ost seit drei Jahren – eigentlich provisorisch. Mittlerweile will die Stadt den Zoo-Zugang in der Südstadt gar nicht mehr öffnen. | Foto: jodo

Da der Stadtgartenzoo indes ein schmales Handtuch im Häusermeer ist, sind seine Längsseiten im Osten und Westen mit jeweils rund 1,5 Kilometern etwa doppelt so lang wie die Breitseiten im Süden und Norden. Wenn also beispielsweise eine Familie mit Kindern aus der Südstadt direkt in ihren Zoo möchte, muss sie seit drei Jahren hin und zurück einen 1,5 Kilometer langen Umweg machen. Gleiches gilt etwa für eine Seniorin mit Gehhilfe, die aus der Südweststadt in den Rosengarten will.

Die Nähe der Wohnung zum Stadtgarten kann also nur vermeintlich von Vorteil sein. Gerade wegen seiner Funktion als Naherholungs- und Freizeitzone für den Städter hat der Stadtgartenzoo vor über 50 Jahren auch zwei Tore auf den Längsseiten bekommen.

Technische Probleme

Das Tor zur Südstadt wurde 2014 geschlossen, zunächst provisorisch und dann wenig später auf Dauer. Unter dem legendären Zoodirektor und „Eisbärenvater“ Anton Kohm – einem Kind der Südstadt, das praktisch am und im Zoo aufwuchs – wäre das undenkbar gewesen. Inzwischen wurde der Zoo-Ausgang zur Südstadt barrierefrei ausgebaut. Raus kommt man also an der Augartenstraße, aber rein in den Zoo wird es dort wie im Westen zumindest vorerst nicht gehen.

Geschlossener Zoo-Eingang
STILLGELEGT ist der Kassenbetrieb am Eingang Ost seit drei Jahren – eigentlich provisorisch. Mittlerweile will die Stadt den Zoo-Zugang in der Südstadt gar nicht mehr öffnen. | Foto: jodo

Obert erklärt: „Wir haben zwei Probleme: Wir könnten eine Technik, die mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung funktioniert, für Dauerkarten-Inhaber installieren. Aber das funktioniert nur im Trockenen.“ Außerdem müsse man dann auch den Eingang barrierefrei ausbauen. Dadurch aber würde das Tor zu groß, was dort Unberechtigten den Zutritt ermögliche. „Wir können auch einen Rentner als 450-Euro-Kraft für die Dauerkarten-Kontrolle einsetzen.“

Doch damit laufe man Gefahr, dass andere Zoo-Besucher, die dort nicht reinkommen, mit großem Unverständnis reagierten. Die Wiederbesetzung des Kassenhäuschens aber scheitere am Personalproblem. „Dann braucht der Zoo mehr Personal“, betont Obert. Dabei habe man bereits den Service an den beiden Haupteingängen ausgebaut.