Ausgefuchst: Tierschützer sagen, dass der Fuchs intensive Bejagung einfach durch mehr Nachwuchs in den Folgejahren ausgleicht.
Ausgefuchst: Tierschützer sagen, dass der Fuchs intensive Bejagung einfach durch mehr Nachwuchs in den Folgejahren ausgleicht. | Foto: Franz Lechner

Jagd auf Füchse beginnt bald

Völlig überflüssig oder sinnvoll?

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Von Franz Lechner
„Artenschutzwoche“, nennt die Bruchsaler Jägervereinigung ihre große revierübergreifende Bejagung von verschiedenen Beutegreifern zwischen dem 29. Januar und dem 4. Februar. Vor allem Füchse sind das Ziel dieser intensiven, fast in der gesamten Region von der Hegegemeinschaft 4 organisierten Jagdwoche.

Bei der Artenschutzwoche sind vor allem Füchse Ziel der Jäger

„Durch die koordinierte Bejagung der Füchse und durch andere Maßnahmen wie das Anlegen von Wildäckern und neuen Hecken wollen wir den Bestand des Niederwildes, also von Rebhuhn, Feldhase, Fasan, aber auch von Bodenbrütern wie der selten gewordenen Feldlerche, stabilisieren“, erklärt der stellvertretende Kreisjägermeister Thomas Eichkorn. Wie die meisten Jäger ist auch der Förster davon überzeugt, dass sich durch die intensive Bejagung von Meister Reinecke, wie der Fuchs in alten Tierfabeln genannt wird, der starke Rückgang dieser einst alltäglichen Feld- und Wiesenbewohner aufhalten lässt.

Kritiker sprechen von Tierquälerei

Das sehen Tierschützer naturgemäß ganz anders. „Die Bejagung dieser schönen und intelligenten Tiere ist völlig überflüssig und reine Tierquälerei“, meint etwa die Kraichtalerin Renate Reiff und beruft sich dabei auf den Deutschen Wildtierschutzbund. Ein Verein, dessen Vorsitzender im Gegensatz zu vielen Tierschützern das Töten von Tieren nicht grundsätzlich verurteilt, die Bejagung von Füchsen aber als „völlig sinnlos“ ablehnt. Dabei beruft sich Lovis Kauertz auf wissenschaftliche Studien, die seiner Meinung nach nachweisen, dass der Fuchs eine hohe Todesrate durch intensive Bejagung einfach durch mehr Nachwuchs in den folgenden Jahren ausgleicht. „Wenn Sie hundert Tiere in einer Region totschießen, dann werfen die Fuchsfähen in den nächsten Jahren deutlich mehr Junge, mit der Jagd können Sie deshalb die Fuchspopulation nicht dauerhaft beeinflussen“, präzisiert Kauertz und nennt Luxemburg als Beispiel. Dort sei die Jagd auf Füchse schon seit 2015 verboten, ohne dass deswegen die Population wesentlich gestiegen sei, sagt Kauertz.
Einig sind sich der Vorsitzende des Wildtierschutzbundes, der Stellvertretende Kreisjägermeister und der viele Jahre als amtlicher Naturschützer arbeitende Leiter der Karlsdorfer Greifvogelpflegestation Hans Jürgen Görze immerhin in einem Punkt: Nicht der Fuchs sei die Ursache für den Rückgang von Rebhuhn, Feldhase und Co, sondern der Mensch. „Die industrialisierte Landwirtschaft, der Landschaftsverbrauch und die starke Freizeitnutzung der Natur sind die eigentlichen Gründe für das Verschwinden vieler Feld- und Wiesenbewohner.“

Tollwutimpfung lässt Population der Füchse anwachsen

Allerdings argumentieren Jäger oft, dass die Fuchspopulation vor allem wegen der erfolgreichen Tollwutimpfung im vergangenen Jahrhundert deutlich gewachsen sei. „Wenn sie dann heute nur noch drei oder vier Hasen und wenige Rebhühner in einem Revier haben, kann Meister Reinecke sehr wohl dazu beitragen, dass auch noch die letzten Tiere dieser Art aus einer Region verschwinden“, argumentiert Eichkorn. Auch die Tatsache, dass Füchse inzwischen verstärkt in den Siedlungsraum eindringen und damit für Menschen die Gefahr einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm steigt, ist für den stellvertretenden Kreisjägermeister ein Grund, die Tiere zu bejagen. Für Naturschützer ist eher die Frage relevant, ob die Fuchsjagd tatsächlich die weitere Verarmung der Natur stoppen kann. Eine Frage, über die wohl auch in Zukunft zwischen Jägern und Naturschützern, aber auch unter Jägern und unter Naturschützern fleißig gestritten wird.