Macht gerne Prognosen und gibt Empfehlungen: Lucas Pedretti analysiert, welche Kunden mehr kaufen und welche abwandern könnten. | Foto: Fabry

Digitaler Kopf Lucas Pedretti

Vom Pub-Musiker zum Gründer

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Jederzeit wieder würde Lucas Pedretti in Elternzeit gehen. Der Gründer und Geschäftsführer des Softwareunternehmens Qymatix hat diese in seiner Heimat Argentinien verbracht. Nach einem Elektroingenieurwesen-Studium in Buenos Aires und Masterabschlüssen Bradford und Belgien hat es ihn 2011 nach Deutschland gezogen, wo er für große Konzerne wie das Automatisierungsunternehmen Festo im Vertrieb gearbeitet hat.

Man hat in Karlsruhe alles, was man benötigt.

Sowohl Karlsruhe als auch Buenos Aires bezeichnet der Analyst als schöne Städte. „Man hat in Karlsruhe alles, was man benötigt. Die Stadt ist familienfreundlich und mitten im Wald“, so Pedretti, der sich selbst als glücklich beschreibt. Seine Familie kommt ursprünglich aus Italien. Seine Frau, mit der er eine achtmonatige Tochter hat, hat er beim Klettern kennengelernt. Früher hat er in seiner Freizeit auch Rugby, Football, Fußball und Handball gespielt. Heute bleibt für ihn als Gründer, Geschäftsführer und Familienvater eher wenig Zeit dafür.

2013 hat der Ingenieur Qymatix gegründet, das in der Karlsruher Technologiefabrik seinen Sitz hat. Zwischen fünf und zehn Mitarbeiter arbeiten dort – je nach Projekt.

„Entrecôte für Entrepreneure“

Mit anderen Unternehmern trifft sich der Argentinier alle zwei Wochen bei „Entrecôte für Entrepreneure“ zum Mittagessen. Diese Treffen und die Angebote des Cyberforums besucht der Gründer regelmäßig.

Privat ist Pedretti sehr vorsichtig, was Daten betrifft. Soziale Netzwerke nutzt er vor allem, um Kontakt mit der alten Heimat zu haben. Wenn er Zeit findet, spielt er einmal pro Woche Gitarre und singt. Früher hat er in Pubs gespielt und sich so sein Studium in Bradford finanziert.

Und heute? Was macht er bei Qymatix? Das Unternehmen beschäftigt sich mit Predictive Sales Analytics, entwickelt zum einen ein Customer Relationship-Management-Programm für kleine Unternehmen und zum anderen ein Vertriebsanalysetool.

Lehraufträge in Stuttgart und Offenburg

Mit diesem sind Prognosen möglich, welcher Kunde mehr kaufen und wer eventuell abwandern könnte. In Deutschland würden die Unternehmen noch zu wenig mit den vorhandenen Daten machen. Außerdem sind Experten im Analytics-Bereich rar. „Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich Lehraufträge in Offenburg und in Stuttgart habe“, sagt der bescheidene Ingenieur. Auffällig in Deutschland sei, dass die Menschen zurückhaltend gegenüber Neuem seien. Aus Investorensicht sei das schwierig. „Man benötigt fünf bis zehn Projekte, um zu überzeugen“, erklärt der Geschäftsführer. „Die Kunden trauen sich oft zu wenig zu.“ Auch das Internet sei sehr langsam hier – und das selbst in Karlsruhe, wo die erste E-Mail ankam. Er möchte nicht wissen, wie das erst auf dem Land ist.

Qymatix-Geschäftsführer Lucas Pedretti: Die Kunden trauen sich oft zu wenig zu. | Foto: Fabry

Großbritannien ist viel innovativer

Pedretti hat lange im Vertrieb gearbeitet, oft mit veralteten Technologien. „Man kann so viel Neues machen. Großbritannien ist viel innovativer“, sagt der Unternehmer, der gerne analytisch denkt und Spaß an der Arbeit hat. Seine Firma bezeichnet er noch immer als Start-up, da er und sein Geschäftspartner weiterhin auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell sind. „Wir haben einige Fragen beantwortet, aber vieles ist noch offen“, gibt er zu.

Contentmarketing und Mundpropaganda

Manchmal mangle es ihm an Ressourcen. Hätte er mehr davon, könnte sich sein Unternehmen schneller bewegen. Ein Marketingbudget hat Pedretti nicht. Er setzt alles auf Contentmarketing und Mundpropaganda. Das passt zu ihm, denn er ist ein Macher. „Besser man macht etwas und lernt aus seinen Fehlern, als wenn man nichts tut“, lautet seine Devise. Dokumentiert wird alles in einem Lerntagebuch. Lernen ist etwas, das er sehr gerne tut und das nie vorbei ist – auch privat. Erst vor drei Jahren hat er beispielsweise mit Skifahren begonnen. Etwas Zeit für Sport bleibt also dennoch.