Können diese Beutel Böses tun?
Können diese Beutel Böses tun? | Foto: BNN/stock.adobe.com – MK studio

Julias Ökolumne

Von der richtigen Mülltrennung beim Teebeutel

Anzeige

Diese Umweltprediger wollen einem heutzutage ja echt alles verbieten: Erst Flugreisen und SUV-Fahrten, dann das Fleisch in der Kantine und nun auch noch den Beutel in der Teetasse. Wie bitte? Jawohl, aufgepasst: Neuesten Erkenntnissen zufolge gelangen aus Teebeuteln tausende Partikel Mikroplastik in jede Tasse. Eine Risikoanalyse in Julias Ökolumne.

Kochen Sie vor dem Lesen dieses Textes doch eine Kanne Wasser, kippen es über ein oder zwei Teebeutel und stellen Sie sich eine Sanduhr. Wenn Sie einer Gruppe von kanadischen Forschern Glauben schenken, können Sie dann dabei zusehen, wie Milliarden von Plastikpartikeln aus dem Teebeutel in Ihr Getränk wandern jedenfalls, falls Sie zufällig ein Röntgenphotoelektronenspektroskop zuhause haben. Und nordamerikanische Teebeutel.

Die nämlich, so lernt der geneigte Leser der Washington Post, bestehen häufig aus Materialien, aus denen Deutsche höchstens Einwegflaschen oder Damenstrumpfhosen fertigen würden. PET und Nylon kommen dem europäischen Teetrinker nicht in die Tasse. Sattdessen: Der Doppelkammerbeutel aus Filterpapier, ein Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst wurde er doch 1929 von Adolf Rambold erfunden und von der Dresdner Firma Teekanne auf den Markt gebracht.

Auf der Suche nach dem richtigen Mülleimer

In der Komplexität dieser Entwicklung lag aber auch immer schon ihr Problem: So bequem, wie der Brühvorgang geworden war, so umständlich gestaltete sich die Entsorgung von Teebeuteln. Der Inhalt aus Pflanzen, das Etikett aus Pappe, der Faden aus Garn, die Klammer aus Metall und der Beutel aus Was-auch-immer: Es soll schon Wohngemeinschaften gegeben haben, die sich über die Frage der korrekten Mülltrennung nach der Tea-Time unversöhnlich zerstritten haben. Der Großteil der Bevölkerung hingegen wirft das Gesamtprodukt schulterzuckend auf den Kompost oder in den Biomüll.

Auch interessant: Vom vergeblichen Versuch, die Wertstofftonne in Karlsruhe zu verstehen

Die richtige Entsorgung: Tipps von Olaf Backhaus, Amtsleiter der Karlsruher Abfallwirtschaft
Die klassischen Teebeutel, die aus Naturfasern bzw. nicht-synthetischem Papier bestehen, können problemlos über die Biotonne entsorgt werden. „Die kleine Metallklammer lässt sich nach den Informationen, die mir vorliegen, per Magnetabscheider, Windsichter oder Wirbelstromabscheider in der Vergärungsanlage relativ gut separieren“, so Amtsleiter Olaf Backhaus auf BNN-Anfrage. Dagegen sollten Teebeutel, die aus Kunststoff oder synthetischem Papier bestehen, nicht in die Biotonne gegeben werden. „Entweder macht man sich wirklich die Arbeit, trennt den Beutel vom Inhalt, gibt den Teerest in die Biotonne und den Beutel in die Wertstofftonne“, so Backhaus. „Ist einem diese Mühe zu aufwendig, bleibt nur die Komplettentsorgung über die Restmülltonne.“ Auch Teebeutel aus sogenannten „biologisch abbaubaren Werkstoffen“ sollen in Karlsruhe nicht in die Biotonne geworfen werden, denn auf der Vergärungsanlage haben sie nicht genug Zeit, sich zu zersetzen.

 

Die erwähnten kanadischen Forscher können das Wort „Teebeutelpackmaschine“ vermutlich nicht einmal buchstabieren. Müssen sie auch nicht: So ganz scheint sich der Doppelkammer-Papierbeutel weltweit nämlich nicht durchgesetzt zu haben.

Und so haben die Amis jetzt eben ihr Plastik im Pott, während wir Deutschen unsere Plörre aus puren Papierfasern verputzen? Nicht ganz.

Blogger aus Karlsruhe spüren den Herstellern nach

Zwei Blogger aus Karlsruhe haben sich Anfang des Jahres die Arbeit gemacht, zahlreiche bekannte Hersteller anzuschreiben und nach der genauen Zusammensetzung von deren Teebeuteln zu fragen. Für die komplette Lektüre der Ergebnisse benötigen Sie deutlich mehr Zeit als für eine Tasse Tee. Und vielleicht wollen Sie danach auch nie wieder eine trinken. Denn: Nur ein einziger Hersteller hat ehrlich empfohlen, seine Teebeutel nicht zu kompostieren, da wenige Prozent synthetischer Siegelfasern enthalten seien.

Auch interessant: Warum man nie im Internet über Kapselkaffee schreiben sollte

Andere namhafte Hersteller haben dieselbe Auskunft erst nach mehrmaligem Nachhaken der Blogger herausgerückt und trotzdem zur Kompostierung geraten. Nur, um einen Satz später zuzugeben, dass die in geringer Menge enthaltenen Siegelfasern biologisch nicht abbaubar sind und als kleine Teilchen im Boden zurückbleiben. Wieder andere Hersteller haben gar nicht genauer geantwortet müssen sie ja auch nicht.

Kein Plastik in der Tasse, dafür aber auf dem Komposthaufen

„Im falschen (und von einigen Herstellern auch noch propagierten) Glauben, dass diese Teebeutel auf den Kompost geworfen werden können, produzierst du leider Mikroplastik“, urteilen die Blogger. Denn obwohl manche Marken ihre Teebeutel komplett aus Naturmaterialien herstellen, greifen einige immer noch auf die synthetischen Zusätze zurück, ohne das auf der Verpackung oder ihrer Website kenntlich zu machen.

Wir Deutschen mögen also vielleicht kein Plastik in der Tasse schwimmen haben, auf unseren Komposthaufen haben wir es nach dem Teegenuss eventuell trotzdem. Und dann dauert es eben ein paar Hundert Jahre, bis sich der Kunststoff in der Umwelt zu winzigen Teilchen zersetzt hat.

Was man da noch tun kann? Richtig: Abwarten und Wasser trinken.

Julias Ökolumne
Umweltfreundlich leben wollen wir alle irgendwie – wenn das doch nur nicht immer so anstrengend wäre. In dieser Kolumne nimmt Julia Weller das Spannungsfeld zwischen der allseits erwünschten Nachhaltigkeit und unserer alltäglichen Bequemlichkeit auf die Schippe. Alle Folgen gibt es hier.