Leihgabe: Das von Carl Spitzweg geschaffene Ölbild "Dorfpfarrers Morgenspaziergang" geht als Leihgabe in den Besitz der Staatlichen Kunsthalle über. Eigentümer ist Hans Amolsch.
Leihgabe: Das von Carl Spitzweg geschaffene Ölbild "Dorfpfarrers Morgenspaziergang" geht als Leihgabe in den Besitz der Staatlichen Kunsthalle über. Eigentümer ist Hans Amolsch. | Foto: Lempertz/Saša Fuis Photographie

Meisterwerke werden vererbt

Von Spitzweg bis Baselitz: Museen in Karlsruhe stellen auch private Leihgaben aus

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Die öffentlichen Kunstmuseen in Karlsruhe beherbergen bedeutende Werke, die private Leihgeber den staatlichen oder städtischen Sammlungen zur Verfügung gestellt haben. Die Museen werden damit juristisch zu Besitzern, Eigentümer bleiben jedoch die privaten Leihgeber. Viele der Kunstwerke jedoch gehen nach dem Tod der privaten Sammler ins Eigentum der Museen über.

Das Bild ist die große Liebe von Hans Amolsch. Als „Dorfpfarrers Morgenspaziergang“ ist es in die Kunstgeschichte eingegangen. Öl auf Holz, 21 mal 29 Zentimeter. Kein Geringerer als Carl Spitzweg hat es geschaffen, irgendwann um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Bild war einst Bestandteil der fürstlichen Sammlungen von Liechtenstein, später hing es unter anderem im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. Jetzt gehört es dem Kunstfreund Amolsch. Er hat es jüngst ersteigert. Das Bild repräsentiert einen Marktwert in sechsstelliger Höhe.

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Doch Amolsch, der selbst Maler ist, will das Kunst-Kleinod weder an die heimische Wohnzimmerwand hängen, noch will er es in einem Banktresor verschwinden lassen. Es soll als Leihgabe der Staatlichen Kunsthalle einverleibt werden – diese wird im juristischen Sinn also Besitzerin, Amolsch bleibt aber zunächst Eigentümer.

Ich bin glücklich, dass nicht nur die Asche von mir übrig bleibt.

Kunstfreund Hans Amolsch über den Grund seines Engagements

Warum macht das jemand? Man könnte pauschal von bürgerschaftlichem Engagement sprechen. Amolsch, der künftige Leihgeber des Spitzweg, bringt es auf einen ungleich konkreteren Nenner: „Ich bin glücklich, dass nicht nur die Asche von mir übrig bleibt.“

Womit er seine Entscheidung anspricht, wonach der Spitzweg später tatsächlich ins Eigentum der Staatlichen Kunsthalle übergeht. Die vertraglichen Rahmenbedingungen für Leihgaben seien im Einzelfall zu betrachten, sagt Kunsthallen-Sprecher Florian Trott.

Kunsthalle Karlsruhe nimmt nur Leihgaben auf, für die es eine Bleibe-Perspektive gibt

Grundsätzlich ist also auch der Fall denkbar, dass eine Leihgabe das Haus wieder verlassen muss. Doch das ist eher Theorie. „Die Kunsthalle nimmt in der Regel nur private Leihgaben in ihre Sammlung auf, wenn es für das Haus eine reelle Perspektive gibt, dass die Werke dauerhaft in der Sammlung verbleiben können“, verdeutlicht Trott.

Der Sprecher des Hauses ergänzt mögliche Handlungsmotive privater Leihgeber: Ausschlaggebend sein kann demnach die „hervorragende konservatorische und restauratorische Betreuung“ im Museum. Oder auch der Umstand, dass sich ein privates Einzelwerk dort in den passenden Sammlungs-Zusammenhang einfügt.

Jenseits des aktuellen Neuzugangs, des Spitzweg-Werks von Amolsch, übt die Staatliche Kunsthalle die Besitzrechte auch über andere bedeutsame Leihgaben aus. Etwa über das „Bildnis des Grafen Georg I. zu Erbach“ von Hans Baldung Grien, das in der Großen Landesausstellung zu sehen war. Oder auch über das Bildnis von Johann Friedrich Reiffenstein der klassizistischen Malerin Angelika Kauffmann. Bedeutende Karlsruher Mäzene sind unter den Wohltätern; über Namen spricht man nicht.

Städtische Galerie stellt Leihgaben von Baselitz, Penck und Polke aus

Nicht bloß die Staatliche Kunsthalle beherbergt Leihgaben von Privat, auch die Städtische Galerie im Hallenbau in der Lorenzstraße sowie das benachbarte ZKM. Allein 120 Werke von Privatleuten sind in der Städtischen Galerie versammelt, wie Sprecherin Ursula Merkel berichtet – zuzüglich der Sammlung Garnatz, die seit 1996 als Dauerleihgabe Publikum anzieht.

Die Sammlung des Ehepaares Ute und Eberhard Garnatz ist von besonderem Gewicht: Mit Schwerpunkt auf deutscher Nachkriegskunst passt sie bestens ins Portfolio des Hauses. Beinhaltet sie doch etwa Werke von Baselitz, Penck und Polke.

Private Sammler beteiligen sich an Kosten für Lagerung und Ausstellung

Grundsätzlich sind immer mehr private Sammler bereit, die Sammlungs-Tätigkeit öffentlicher Museen zu unterstützen, sagt ZKM-Chef und Kunstexperte Peter Weibel. Solche Sammler geben im Übrigen nach Weibels Erfahrung nicht einfach nur Kunstwerke ab.

Sie beteiligten sich auch an den Kosten für Lagerung und Ausstellung – was namentlich bei Medienkunst deutlich ins Geld gehen kann.

Noch etwas ist hier anders als bei herkömmlichen Bildwerken. „Manche Kunstwerke sind schlichtweg zu groß für die eigenen Räumlichkeiten“, erklärt der Professor mit Blick auf Medienkunst. Andere wiederum bräuchten eine ständige technische Betreuung. Oft benötige ein solches Objekt auch gleich einen Ingenieur, „den der Privatsammler nicht hat, aber das Museum.“

Für das Spitzweg-Ölbild, dessen luftig grüne Sommerlandschaft seinen Eigentümer Hans Amolsch an den Kraichgau erinnert, gilt das zumindest nicht. Es fügt sich in Zukunft in ein Quartett bereits vorhandener Arbeiten des bayerischen Spätromantikers in der Kunsthalle ein.

Neben den Ölbildern „Das Kreuz im Walde“ und „die Scharwache“ gibt es noch zwei Bleistift-Studienblätter aus Spitzwegs Hand, die Figuren zeigen. Ein Original von Spitzweg zu besitzen, sei für ihn stets ein scheinbar unerfülbarer Wunschtraum gewesen, sagt Hans Amolsch. Jetzt hat er ihn doch wahr gemacht. So, dass von seinem Engagement möglichst viele Menschen profitieren.