Der Pavillon der Bundesgartenschau 1967 im Karlsruher Schlossgarten.
DER PAVILLON AM SEE war eine der große Attraktionen, die 1967 über sechs Millionen Menschen zur Bundesgartenschau in der Fächerstadt strömen ließen. Wie vor zwei Jahren beim Jubelsommer 2015 zum 300. Stadtgeburtstag war vor 50 Jahren der Schlossgarten einer der Hauptanziehungspunkte des damals deutschlandweit beachteten Blumenfestivals. | Foto: Stadtarchiv/Schlesiger

Jubiläen und Geburtstage 2017

Vor 50 Jahren blühte Karlsruhe auf

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Noch liegt 2017 rein wie eine Pulverschneedecke vor den Karlsruhern. Heute am vierten Tag der neuen Jahreszahl ist offen, was in den kommenden 361 Tagen ganz wichtig sein wird und was als historisches Ereignis in die Stadtgeschichte eingeht. Sicher aber ist, dass einige Jubiläen und herausragende Geburtstage begangen werden, die besonderen Geschehnissen und bedeutenden Persönlichkeiten der Karlsruher Geschichte gelten.
Auch heuer kann die Fächerstadt, mag sie auch noch so stolzer Veranstalter der Heimattage Baden-Württemberg 2017 sein, nicht an den Jubelsommer zum 300. Stadtgeburtstag von 2015 anknüpfen. Aber die  Bundesgartenschau vor 50 Jahren lässt doch einige festliche Erinnerungen wach werden.

Über sechs Millionen Besucher wollten die BUga 67 in Karlsruhe sehen.
ZUM STADTGARTEN strebten im Sommer 67 die Massen. Sie querten dabei die Hermann-Billing-Straße, dessen Namensgeber vor 150 Jahren im Dörfle geboren wurde. Der Stadtgarten wurde vor 50 Jahren für die Buga umgekrempelt. | Foto: Stadtrchiv/Schlesiger

6,3 Millionen Besucher vor 50 Jahren

Im Jahre 1967 erntete Karlsruhe mit der Blumen- und Parkschau bundesweite Aufmerksamkeit. Bundespräsident Heinrich Lübke kam zur Eröffnung. 6,3 Millionen Besucher wurden vom 14. April bis zum 23. Oktober 1967 gezählt – zwei Millionen mehr als erwartet. Der Buga 67 verdankt die Stadt auch die bis heute gültige Umgestaltung des Stadtgartens. Gondoletta und Seebühne sind Attraktionen der großen Gartenschau, die auch nach 50 Jahren viele Menschen begeistern. Dagegen ist im Schlossgarten nur die Betonterrasse am See geblieben. Der Buga-Pavillon, dessen Illumination auch den Wasserspiegel des Parkteichs im Buga-Sommer vor 50 Jahren erleuchtete, wurde ebenso abgebrochen wie der 100 Meter hohe Buga-Aussichtsturm auf dem Festplatz.

200 Jahre trocken gelegt

Etwas noch Einschneidenderes für Karlsruhes Entwicklung als die Bundesgartenschau 1967 liegt vier mal so lange zurück: Vor 200 Jahren wurde Karlsruhes Westen trocken geleg. Mit dem Durchstich der Knielinger Schlinge begann der Karlsruher Ingenieur Johann Gottfried Tulla sein Werk, das die Welt am Oberrhein verändert hat.
Die Zeiten, in welcher der mächtige und unberechenbare Rhein bei Hochwasser sein Bett verließ, sich das ganze Tiefgestade untertan machte und anschließend einen anderen Lauf nahm, sind dank Tulla vorbei. Im Jahre 1817 ist also Knielingen das Zentrum des Fortschritts. Mit der im 19. Jahrhundert vollendeten Begradigung der Natur wurde der zuvor wilde Dschungel der Auenlandschaft gebändigt, die Hochwassergefahr eingedämmt und mit der Binnenschifffahrt das nach 1850 zur Industrie- und ab 1900 zur Hafenstadt aufblühende Karlsruhe für Massen- und Schwertransporte mit dem Ruhrgebiet und der Nordsee verbunden.

Johann Tulla
Johann Gottfried Tulla | Foto: BNN-Archiv

Tullas Tat von 1817 haftet im Gedächtnis der Karlsruher. In der Oststadt tragen eine Schule, ein Platz und eine Straße seinen Namen. Und dann gibt es noch das Tulla-Denkmal draußen in Maxau am Rhein, das an die Rheinkorrektur erinnert.
Vielleicht lässt sich zumindest der rührige Knielinger Museumsverein etwas einfallen, wie dieser 200. Stichtag gebührend zu feiern ist. Immerhin widersetzten sich die Knielinger vor 200 Jahren zunächst dem Fortschritt, weil sie um ihre Fischgründe fürchten mussten. Ihren Widerstand lässt der Großherzog durch Soldaten brechen – und Tulla kann seinen Plan vom Rhein verwirklichen.

Baumeister starb vor 100 Jahren

Am 11. Dezember vor 100 Jahren stirbt der Stadtplaner Reinhard Baumeister. Der Hamburger war 1851 mit 18 Jahren als Student am Polytechnikum in Karlsruhe gelandet, später lehrte er als TH-Professor und gestaltete als Stadtplaner viele Projekte. Baumeister gilt als Pionier des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland.
Er war der Theoretiker der modernen Stadtplanung für die Stadterweiterung im Boom der Industrialisierung. Mit einer fratzenhaften Karikatur seines Gesichts ist der Karlsruher Ehrenmann als Wasserspucker im Ring über dem Stephanienbrunnen hinter der Postgalerie im Stadtbild verewigt.
Seinen Namen trägt zudem die Straße der Südstadt, die sich ab der Kreuzung mit der Ettlinger Straße in der Südweststadt als Hermann-Billing-Straße fortsetzt.

Billings Häuser im Stadtbild

Dabei ist 2017 überhaupt das Jahr von B & B, von Baumeister und Billing, das besondere Gedenkjahr dieser Zwillinge in der Karlsruher Baugeschichte: Ist doch 2017 der Architekt Hermann Billing vor 150 Jahren geboren – am 7. Februar in Karlsruhe. Billing gilt auch weit über Karlsruhe hinaus als herausragender Protagonist des Jugendstils in Südwestdeutschland.

Hermann Billing
Hermann Billing war der herausragende Jugenstilarchitket im Südwesten. | Foto: BNN-Archiv

Von Billing haben sich unter anderem Villen in der Jahnstraße, die Hofapotheke und sein Wohnhaus am Leopoldplatz im Stadtbild gehalten. Auch die ehemalige Oberpostdirektion, heute Haus der Volkswohnung, beim Ettlinger Tor ist seine Kreation, ebenso die Feuerwache oder die Jugendstilhäuser der Baischstraße am Kaiserplatz. Auch der Stephanienbrunnen auf dem Stephanplatz ist sein Entwurf. Dort grinst neben seinem Straßenzwilling Reinhard Baumeister und dessen Sohn Hermann Baumeister auch Hermann Billings eigene Fratze. Der Maler Hermann Baumeister wurde übrigens wie Hermann Billing vor 150 Jahren in Karlsruhe geboren.

25 Jahre in Städtefreundschaft

Zudem gibt es 2017 folgende hervorstechende Gedenktage: 21. Februar 50. Todestag Kunigunde Fischer, 15. April 25 Jahre Hochschule für Gestaltung, 22. April 25 Jahre Freundschaft mit Krasnodar, 10. Juli 150. Geburtstag Prinz Max von Baden, 19. August 25 Jahre Freundschaft mit Temeswar.