Elefanten
Der Baggerlärm bringt die Elefanten im Karlsruher Zoo inzwischen nicht mehr aus der Ruhe. Die Arbeiten an der Erweiterung ihre Anlage gehen nun zügig voran. | Foto: jodo

Bauarbeiten im Zoo Karlsruhe

Waage, Dusche und ein Futterbaum: Die Elefantenanlage nimmt Konturen an

Anzeige

Rani ist tiefenentspannt. Kontinuierlich und völlig auf sich konzentriert schaufelt sie mit dem Rüssel Heu in ihren Rachen. Dass keine drei Meter von ihr entfernt auf der anderen Seite des Bauzauns der Baggermeißel tobt, ignoriert sie: Der Die Begrenzungsmauer des Geheges wird gerade pulverisiert. „Früher hätten unsere Elefanten bei dem Lärm keinen Fuß auf die Anlage gesetzt, aber inzwischen sind sie baustellenerprobt“, konstatiert Revierleiter Robert Scholz.

Nicht nur Elefanten müssen sich zu ihren Pfunden bekennen

An der Erweiterung der Außenanlage für Elefanten und Flusspferde für rund 1,29 Millionen Euro wird seit Anfang des Jahres gebaut, wenn auch mit Unterbrechungen. Nun sind viele Elemente der künftigen, auf 3000 Quadratmeter vergrößerten Freianlage erkennbar. So ist etwa der acht Meter lange Unterbau der Waage fertig, auf der künftig nicht nur Rani und Co sich zu ihren Pfunden bekennen müssen. Auch das Gewicht und damit der Allgemeinzustand vieler weiterer Großtiere kann dort in Zukunft überprüft werden. In einer Transportkiste können die Tiere aufs Gelände gefahren werden. Bis zu 7,5 Tonnen schafft die Waage, und was sie misst, wird auch von der Besuchertribüne erkennbar sein: Eine LED-Tafel macht dies möglich. Kabelröhren ragen aus dem Boden, Rahmen und Auflageflächen sind betoniert – eigentlich fehlt nur noch das riesige und daher mehrteilige Messgerät.

Der Futterbaum soll die Elefanten fordern

Verschwunden sind Graben, Gebüsch und Zaun, die einst die Besucher von den Elefanten trennten. Der Geländeabschnitt, über den die Elefanten künftig vom alten und in den neuen Gehegeteil laufen, ist eingeebnet. Für die Flusspferde, die nachts auf der neuen Anlage weiden werden, wird sich dort das neue Tor schließen. Schließlich ist das aktuelle Freigelände der Elefanten nicht für sie konzipiert. In den Novemberhimmel ragt auch schon das Skelett des künftigen Futterbaumes. Netze mit Heu können an den drei „Ästen“ platziert werden und etwa die agile Elefantenkuh Jenny fordern.

Training für die Flusspferde

Eine Tüftelarbeit war es, die erforderlichen Seilwinden zu installieren, schildert Zoo-Architektin Eva Kaltenbach. Grundsätzlich seien viele kleine Details mit dem Pflegerteam abzustimmen. Außer dem wechselnden Futter wird der „Baum“ auch die Lautsprecher für die kommentierten Fütterungen und eine Kamera tragen. „Schließlich wollen wir auch nachvollziehen können, was die Flusspferde nachts treiben“, erklärt Revierleiter Scholz. Er konditioniert die Tiere bereits auf den Ton einer Schiffsglocke: Zur Futterstelle will er sie damit lotsen – und künftig morgens wieder nach drinnen, damit dann die Elefanten auf die Freianlage können.

Elefantendusche und Futterklappen

Am Futterbaum und an der künftigen Elefantendusche, deren Gerüst steht, muss Felsbauer Uwe Thürnau noch viel modellieren. Bereits als großer Felsen verkleidet ist der Funktionsraum über dem Keller des abgebrochenen Südamerikahauses. Gerätschaften wie Hochdruckreiniger und Schubkarren werden hier Platz finden. Vor allem aber galt es, die vorhandene Infrastruktur zu erhalten, erklärt Architektin Kaltenbach. Auch die Futterklappen, aus denen sich die Elefanten immer mal wieder Leckereien rüsseln können, sind in den künstlichen Felsen eingebaut.

Keine Schlammsuhle

Die Elefantendusche wird mit aufbereitetem Wasser des Badebeckens der Elefanten gespeist. Vor Felsen, Dusche und Futterbaum werden die Tiere künftig mit dem Hochdruckreiniger gepflegt und trainiert. Nur wenig modelliert ist der Bereich vor der Dusche, schließlich soll auch die Arthrose-geplagte Rani dort zurecht kommen. Gepflastert wird der angrenzende Bereich, damit die Dickhäuter ihn nicht in eine Schlammsuhle verwandeln, erklärt Scholz.

Im neuen Trockengraben sprießt schon Gras

An die Plattform schließt sich der neue zweistufige Trockengraben an, in dem bereits das erste Gras sprießt. Nach Gebüsch und einem kleinen Zaun schließt sich die neue Besucherterrasse an. Die wird zweistufig mit Findlingen gestaltet und beste Sicht auf die Plattform bieten.

Alle Bäume bleiben im Gelände

Bis die Dickhäuter auf die Anlage können, wird es wohl Frühjahr werden, vermutet Zoochef Matthias Reinschmidt. Bis dahin soll das Gelände hinunter zum Bachlauf auch noch modelliert und wieder von Gras bewachsen sein. Naturboden, Sand, Pflaster, Beton: Wie ein Barfußpfad wird die Anlage den Tieren die unterschiedlichsten Beläge bieten, erklärt Scholz. Im Gelände bleiben auch alle Bäume, werden aber noch mit Elektrogras und Litzen gegen hungrige Übergriffe der Elefanten geschützt.

Neuer Besucherweg wird im Dezember freigegeben

Noch in diesem Jahr wird der neue Besucherweg über die Brücke an Elefantenanlage und Kanal entlang bis zur „Milchbar“ freigegeben, informiert das Presseamt auf BNN-Anfrage. Nicht nur ein Baum und ein bisschen Grün, sondern auch die offizielle Abnahme fehlten noch, heißt es.