Präzision und Ruhe stehen bei den Schützinnen im Vordergrund. Die Abläufe werden selbst für Anfänger schnell zur Routine. | Foto: Paul Needham

Luftpistolengruppe für Frauen

Waffen sind keine reine Männersache

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Schießen ist reine Männersache? Von wegen! Beim Polizeisportverein (PSV) Karlsruhe gibt es seit Oktober 2018 eine Gruppe, in der Frauen das Schießen an der Luftpistole lernen können und dabei ganz unter sich sind – von Trainer Wolfgang Rink einmal abgesehen.

Jungs wollen Cowboys werden, Mädchen lieber Prinzessinnen: Diese Rollenklischees mögen veraltet sein, dennoch verbinden viele Waffen automatisch eher mit Männern als mit Frauen. Eine Frau als Schützin? Vielerorts stößt das noch auf Irritation. Beim Polizeisportverein (PSV) Karlsruhe gibt es seit Oktober 2018 eine Schützengruppe nur für Frauen – wenn man von Trainer Wolfgang Rink einmal absieht. Der genießt seine Rolle als „Hahn im Korb“. Sechs Damen trainieren aktuell unter seiner Aufsicht immer dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr das Schießen an der Luftpistole – Neulinge sind herzlich willkommen.

Schießen als Ausgleich zum stressigen Familien-Alltag

„Ich wollte etwas für Frauen anbieten, die im Familienleben sehr eingespannt sind“, erklärt Rink die Gründungsidee seiner Gruppe. Der Oberschützenmeister, der seit 1998 Mitglied im PSV ist, will mit seinem Angebot genau die Frauen ansprechen, die immer dann Zeit haben, wenn der Mann bei der Arbeit ist und die Kinder in der Schule sind – und den Frauen so die Gelegenheit geben, auch etwas für sich zu tun. Von der Ärztin über die Hausfrau bis zur Kunststudentin ist die Gruppe bunt gemischt.

Die Altersspanne der Frauen reicht von Anfang 20 bis über 60 Jahre. Drei von ihnen haben als Gruppe bei den baden-württembergischen Landesmeisterschaften den dritten Platz belegt.

Nur wenige Schützen sind weiblich

„Schießen ist sowohl Sport als auch Konzentrationstraining“, weiß PSV-Sportvorstand Renate Englert. 2 400 Mitglieder hat der Verein aktuell, davon etwa 240 Schützen. Von denen sind nur etwa 15 bis 20 weiblich. Neben der Frauengruppe gibt es noch zwei weitere gemischte Gruppen an der Luftpistole.

Der innerste Kreis der Zielscheibe ist nur wenig größer als das Projektil selbst. Geschossen wird auf eine Distanz von zehn Metern. | Foto: Manzey

Das Schießen selbst ist dann eine eher unaufgeregte Sache. Es sind immer die gleichen Abläufe: Vortreten, einatmen, Arm heben, zielen, feuern, Arm absenken. Selbst Neulinge finden sich da schnell zurecht. Beinahe kann man in dieser Routine sogar etwas Meditatives finden. Mit eineinhalb Kilogramm Gewicht liegt die Luftpistole dann aber überraschend schwer in der Hand. Ungeübten schwankt die Hand. Davon können auch die vielen Einschusslöcher in der Wand rund um die Zielscheiben ein Zeugnis ablegen. Aber: „Schießen lernen kann jeder“, beteuert Rink.

Für Luftpistolen ist keine Waffenbesitzkarte nötig

Ernsthaft verletzen kann man mit einer Luftpistole eigentlich niemanden, auch wenn sie einen Druck von 7,5 Joule aufbaut. Die nicht einmal fingernagelgroße Munition mit Namen „Diabolo“ würde durch einen normalen Jeansstoff nicht dringen, so der Oberschützenmeister. Blaue Flecken kann man sich bei einem Treffer aber schon einhandeln. Eine Luftpistole sei eben ein „Präzisionssportgerät“ und keine Waffe zur Jagd oder Selbstverteidigung, betont Rink. Seine Damen würden nicht wie John Wayne hinter einem Busch hervorspringen und um sich schießen. So etwas habe mit Schießsport nichts zu tun. Vielmehr gehe es um „Ruhe, Präzision, Leistung und Ergebnis“.

Der Umgang mit der Luftpistole im Schießsport ist unter Aufsicht bereits ab zwölf Jahren erlaubt. Durchschnittlich kostet eine Luftpistole zwischen 1 400 und 1 500 Euro. Eine Waffenbesitzkarte oder ein Waffenschein, wie man sie für scharfe Waffen benötigt, braucht man für eine Luftpistole nicht.

Kontakt:
Geschäftsstelle des PSV unter (07 21) 94 42 00 und www.psv-karlsruhe.de
Wolfgang Rink unter (07 21) 45 37 74