Auf der hellen Seite der Macht: Markus Hanke erfreut viele Star-Wars-Fans mit seinen handgemachten Lichtschwertern. Bis zu 600 Euro zahlen seine Kunden für die selbst entwickelten Serienmodelle – für Sonderanfertigungen auch mehr.
Auf der hellen Seite der Macht: Markus Hanke erfreut viele Star-Wars-Fans mit seinen handgemachten Lichtschwertern. Bis zu 600 Euro zahlen seine Kunden für die selbst entwickelten Serienmodelle – für Sonderanfertigungen auch mehr. | Foto: Jörg Donecker

Karlsruher baut Lichtschwerter

Waffenschmied für sportliche Jedi-Ritter

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Ein Star-Wars-Fan der ersten Stunde war Markus Hanke eigentlich nicht.

Viel zu lernen du noch hast!

Das könnten, in Meister Yodas Worten, Hankes Eltern gedacht haben, als sie ihrem Sohn empfahlen, den Fernseher einzuschalten und den vierten Star-Wars-Film „Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“ aus dem Jahr 1999 anzuschauen. „Am coolsten fand ich die Lichtschwerter“, erzählt der heute 28-Jährige, „eine Woche später habe ich meine Eltern genötigt, in der Videothek die alten Filme, also Episode 4 bis 6, auszuleihen.“

Heute baut der Entwicklungsingenieur für Verfahrenstechnik die leuchtenden Waffen der Jedi-Ritter nach. Nicht originalgetreu, dafür funktional. „Mein erstes Lichtschwert war so ein Plastik-Teil, das eigentlich nicht zum Kämpfen gedacht war“, erzählt er. „Ich hab’ natürlich trotzdem mit meinem kleinen Bruder und meinen Freunden im Wald damit gekämpft.“ Die Suche nach einem Lichtschwert, das nicht nur gut aussieht, sondern mit dem man auch die spektakulären Film-Kämpfe nachspielen kann, zog sich bis ins Jahr 2007.

Du suchst jemanden, gefunden hast du jemanden.

Da stieß Markus Hanke, noch mitten im Ingenieursstudium am KIT, auf das Saberproject, eine Gruppe aus Karlsruher Lichtschwert-Enthusiasten. Auf ihrer Website www.saberproject.de informieren sie über gekaufte und selbst gebaute Repliken der berühmten Star-Wars-Waffen, treten mit ihren Lichtshows bei einschlägigen Messen auf und bieten sogar Workshops im Brunhilde-Baur-Haus in Karlsruhe an. (Die BNN berichteten.) „Das Saberproject veranstaltete damals einen kleinen Videocontest, den habe ich gewonnen“, erzählt Hanke.

Der Gewinn: ein sogenanntes FX-Lichtschwert, dessen Klinge mit eingesetzten LEDs zum Leuchten gebracht wird. „Die waren damals richtig gut“, schwärmt Hanke. „Es hat gesummt und geleuchtet. Das coolste Gefühl ever.“ Schnell kauft er sich ein zweites. „Gegen alle Ratschläge hab’ ich natürlich auch damit gehauen.“ Die empfindlichen LEDs sind dafür aber nicht gemacht. Hanke fragt beim Saberproject nach: „Wie macht ihr das, dass die nicht kaputt gehen?“

Immer zu zweit sie sind. (…) Ein Meister und ein Schüler.

Er wollte kampftaugliche Lichtschwerter bauen, hatte Spaß daran, die Geräte auseinanderzunehmen. Seit er das Saberproject 2008 auf der JediCon in Düsseldorf auftreten sah, ist Hanke Teil des Teams. Er gibt anderen Tipps, wie sie aus verschiedenen, fertig erhältlichen Griffen ihr eigenes, individuelles Lichtschwert basteln können – und fertigt als einer von wenigen gefragten Experten in Deutschland Auftragsarbeiten für Star-Wars-Fans. Und die gibt es überall. Kürzlich hat sich etwa Alea der Bescheidene, Frontsänger der Karlsruher Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis, sein Exemplar persönlich abgeholt.

 

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Hallo Zusammen, heute Abend war ich mal wieder bei meinem Lichtschwert-Schmied in Karlsruhe. Markus ist einer der Protagonisten hinter @saberproject und der Techniker der Truppe. Er hat auch den Innenausbau meines Schwertes gemacht. Ich könnte ihm stundenlang zuschauen, wenn er an seinen Kunstwerken arbeitet. Liebe fürs Detail treffen auf das können eines Ingenieurs. Wirklich beeindruckend was er so alles zaubert. Demnächst werde ich mal meinen Mikrophonständer mit ihm ausbauen. Ich bin gespannt. Euch allen eine gute Nacht und viel Licht Alles Gute euer Alea —Werbung wegen Verlinkung— #jedi #lightsaber #lightsabers #kyloren #aleaderbescheidene #dayoff #starwarsfan #starwarscosplay #spielzeugfürerwachsene #nerdheaven

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Die Bandbreite an Lichtschwertern ist groß: Es gibt durch Rechteinhaber Disney offiziell lizenzierte Schwerter in Spielzeugqualität oder als originalgetreue Modelle für die Vitrine. Es gibt Griffe, auf deren Basis die Bastler sich ihre ganz eigene Version der Jedi-Kampfgeräte zwischen detailreicher Filmreplik und funktionalem Gebrauchsgegenstand kreieren. Doch auch die Griffe baut manch einer von Grund auf selbst. „Jeder Jedi hat sein eigenes Lichtschwert. Es muss zu ihm passen“, erklärt Hanke.

Über die Jahre hat er unzählige verschiedene Schwerter gebaut, das Innenleben der Griffe, in dem die Licht- und Soundtechnik samt Batterien verbaut ist, immer weiter perfektioniert. Die Einzelteile dafür bezieht er unter anderem aus den USA. Einen Hersteller für die Soundboards, mit denen man individuelle Töne und Geräusche programmieren kann, hat er in Frankreich gefunden.

Lichtschwerter kosten zwischen 400 und 17.000 Euro

Entsprechend der schier unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten variieren auch die Preise für ein Lichtschwert. Je individueller, desto teurer. „Ab etwa 400 Euro kann man mit der Licht- und Soundtechnik etwas anfangen“, meint Hanke zu den Selbstbauer-Modellen. Allein der Preis für einen leeren Griff könne auf bis zu 850 Euro steigen.

Das bisher teuerste Lichtschwert gehöre einem Japaner, der ganze 17.000 Euro investierte. „Das ist aber fast schon eine Goldschmiedearbeit“, sagt Hanke. Die Illusion eines „echten“ Jedischwertes sei bei diesem Exemplar nahezu perfekt, mitsamt einer kleinen Kristallkammer, der „originalen“ Energiequelle. „Ich selber bin da eher pragmatisch“, sagt Hanke. Er hat über die Jahre mehrere Serienmodelle entwickelt, die Verbreitung des 3D-Drucks vereinfachte die Produktion zusätzlich. Zwischen 400 und 600 Euro kosten Hankes Modelle.

Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.

Noch während des Studiums hatte Markus Hanke sich mit seinem Lichtschwert-Shop selbstständig gemacht. Nach dem Uni-Abschluss war er damit noch zwei Jahre lang sehr erfolgreich, entschied sich dann aber doch, eine Anstellung als Ingenieur anzunehmen. Und so hat er gut zu tun, die nach wie vor zahlreich eingehenden Aufträge abzuarbeiten. „Mein Beruf macht mir viel Spaß“, sagt Hanke. „Aber die Lichtschwerter sind meine Leidenschaft.“

Gut, dass seine Freundin Sarah die Star-Wars-Begeisterung teilt – sie besitzt wohl beinahe jedes Buch, das je rund um das Universum der Jedi-Ritter geschrieben wurde. Das kleine, gemütliche Wohnzimmer der beiden ist wie eine kleine Spezialbibliothek. Natürlich finden dort auch einige Lichtschwert-Modelle Platz sowie Star-Wars-Sammlerfiguren und ein riesiges Star-Wars-Weltraumschlachtschiff aus Legosteinen.

Das größte Zimmer in der Wohnung ist aber eine Werkstatt: Auf einer Seite hat Freundin Sarah ihr Reich: Sie näht, unter anderem Star-Wars-Kostüme. In der anderen Zimmerhälfte produziert Markus Hanke seine Lichtschwerter. In deckenhohen Regalen lagern gut sortiert die Einzelteile. Noch immer bezieht er vorproduzierte Bauelemente von verschiedenen Herstellern. Sein Traum ist aber ein anderer: „Ich hätte gerne einmal mein komplett eigenes Produkt.“

Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist.