Blick aufs Ettlinger Tor aus dem 70 Meter hohen Landratsamt in Karlsruhe, das ein neues Hochhaus bauen und das alte rückbauen möchte. | Foto: jodo

Unterschiede im Tempo

Wann kommt das neue Landkreis-Hochhaus in Karlsruhe?

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Wann steht das neue Landkreis-Hochhaus? Wann wird das denkmalgeschützte alte Badenwerk-Hochhaus am Ettlinger Tor in Karlsruhe abgerissen? Der Landkreis als Eigentümer drückt aufs Tempo. Im November hat der Kreistag beschlossen, „dass ein neues Hochhausgebäude errichtet werden soll“.

Als Investition stehen 100 Millionen Euro im Raum. Die Überlegungen des Landkreises, der stets auch auf Abstimmungsgespräche mit der Stadt seit 2017 verweist, hat der Kreistag im Januar mit weiteren Beschlüssen vorangebracht. 2025 soll das neue Hochhaus neben dem bestehenden gebaut sein, bevor das alte Gebäude aus den sechziger Jahren abgetragen werden soll. Der Sachverhalt ist indes vom Denkmalschutz noch nicht abschließend beschieden.

Die Stadt ist mehrfach betroffen

Offenkundig gibt es in der Sache nicht ganz deckungsgleiche Sichtweisen bei Landkreis und der Stadt Karlsruhe, was das Tempo in der Sache anbetrifft – auch wenn man im Grundsätzlichen offenbar einig ist. Die Stadt ist von den Überlegungen des Landkreises mehrfach betroffen. Sie ist zuständig beim Denkmalschutz und für die Baugenehmigung, sie hat die Planungshoheit und es befinden sich auf dem Areal beim Hochhaus städtische Grundstücke, die in eine Überplanung des prominenten Gebiets miteinbezogen werden sollen. Die Gestaltung des prägenden Ecks an dieser Stelle der City ist für die Stadt von Gewicht – ob mit oder ohne Hochhaus.

Potenzialstudie

Im Gespräch mit den BNN sagt Landrat Christoph Schnaudigel, dass bezüglich des Gesamtkomplexes nichts abschließend entschieden sei. Prüfungen und Genehmigungen sowie ein städtebaulicher Wettbewerb stünden noch aus. Die Potenzialstudie und die dabei entstandene Hochhausvariante zeigten auf, wie der angestrebte Flächenbedarf dargestellt werden könnte. Die Beschlusslage des Kreistages lässt indes vermuten, dass nur noch jene Unterschrift fehle, die bestätigt, dass „im Falle der Sanierung die Denkmaleigenschaften des Gebäudes erlöschen“.

Sanierungskonzept nachvollziehbar

Schon in einer Kreistagsvorlage vom Juli wird darauf verwiesen, dass das Landesdenkmalamt „das von der Landkreisverwaltung vorgelegte Sanierungskonzept (Rückbau bis auf Rohbauniveau) als nachvollziehbar“ ansieht. Die Maßnahmen würden dazu führen, dass die Denkmaleigenschaft des Gebäudes nicht aufrecht erhalten bleiben könne, da nach erfolgter Sanierung keine schützenswerte Substanz mehr vorhanden sein werde.

Prüfung empfohlen

Während der Landkreis das Großprojekt vorantreibt, ist die Stadt verhaltener. Gegenüber den BNN erklärt Oberbürgermeister Frank Mentrup, man habe dem Landratsamt „nach Bekanntwerden von dessen Plänen im November 2018 empfohlen, vorab die Chancen für die Planungen mit einem denkmalschutzrechtlichen Antrag prüfen zu lassen“. Laut Mentrup liegen der Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Karlsruhe Unterlagen des Landratsamtes vor, mit denen der Landkreis „belegen möchte, dass der Gebäudezustand eine Generalsanierung erforderlich machen würde“. Zu klären sei, inwieweit der Denkmalstatus von einer solchen Generalsanierung tangiert wäre.

Landesdenkmalamt schweigt

Während der Landkreis das Ergebnis beschreibt, erklärt Oberbürgermeister Frank Mentrup auf BNN-Anfrage, dass „sich die Landesdenkmalpflege allerdings die detaillierte Prüfung des Sachverhaltes vorbehalten hat, bevor sie dazu eine endgültige Aussage treffen wird“. Mentrup räumt freilich ein, dass „der Denkmalstatus wohl verloren gehen würde, wenn sich die derzeit geplanten Eingriffe nach einer zusammenhängenden Prüfung als unabweisbar bestätigen sollten“. Das Landesdenkmalamt wollte sich unter Hinweis auf ein laufendes Verfahren nicht äußern.

Petition noch nicht beschieden

Zudem hemmt die Petition der Arge Karlsruher Stadtbild den schnellen Fortgang. Das Wirtschaftsministeriums hat sich noch nicht geäußert, der Ausschuss das Thema noch nicht bearbeitet.
Das Hochhaus-Thema wird an diesem Donnerstag im Planungsausschuss des Gemeinderates nicht-öffentlich beraten. Die Zeitachse für die Gestaltung des Areals dürfte dabei eine Rolle spielen.