Das Café Emaille in Karlsruhe.
Das Café Emaille in Karlsruhe. | Foto: Weller

„Jugendliches Brauhaus“ öffnet

Wann und warum das Café Emaille schließt – und wie es dann weitergeht

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Fast ein ganzes Jahr lang gibt es im Café Emaille noch die traditionellen Hammeressen – dann ist am Standort in der Kaiserstraße Schluss. Danach soll dort ein Brauhaus öffnen. Und auch das soll Studenten ansprechen.

„Ein herber Verlust“, „Mega schade“, „Bitte nicht schließen!“ – so lauteten nur einige der Reaktionen von Lesern und Stammgästen, als BNN.de Ende Juli über die bevorstehende Schließung des Karlsruher Café Emaille berichtete.

Schließung im Juni 2020 kommt für Pächter nicht überraschend

Weil das Traditionsgasthaus „Zum Moninger“ wiederbelebt werden soll, das bereits bis 2004 in dem Gebäude beheimatet war, muss die beliebte Studentenkneipe weichen. Seit 2005 befand sich das „Emaille“ in den Räumen zwischen Kaiserstraße und Passagehof und bot wie „Kippe“ und „Bleu“ die bekannten Hammeressen für wenige Euro an.

Damit ist demnächst Schluss: Am 30. Juni 2020 wird das „Emaille“ mit seinen namensgebenden Schildern an den Wänden für immer schließen.

Aus alt mach neu: Das Traditionsgasthaus Moninger soll nach Karlsruhe zurückkehren.
Aus alt mach neu: Das Traditionsgasthaus Moninger soll nach Karlsruhe zurückkehren. | Foto: Hora/Archiv

„Wir wussten, worauf wir uns einlassen, als wir im April den Pachtvertrag übernommen haben“, sagt „Emaille“-Geschäftsführer Fariborz Moazemi. Er betreibt auch die „Kippe 23“ in der Oststadt und das Café Galerie in Karlsruhe-Durlach. Für etwas mehr als ein Jahr hat er im April zusätzlich das „Emaille“ übernommen, nachdem der vorherige Pächter Insolvenz angemeldet hatte.

„Jugendliches Brauhaus“ geplant

Für das letzte Jahr plant Moazemi noch einige Highlights wie eine Halloweenparty oder eine Öffnung am Faschingsdienstag. Auch über eine Abschiedsparty denkt er nach. Einen Ersatzstandort für ein drittes Café unter seiner Leitung suche er nach dem Aus im „Emaille“ aber nicht.

„Für manche Gäste ist es hier wie ein zweites Zuhause, da ist es sehr schade“, sagt Moazemi über die bevorstehende Schließung. „Aber man kann nichts daran ändern – und es kommt ja auch etwas Neues her.“ In dem denkmalgeschützten Gebäude soll es bald wieder so aussehen wie früher, als die Gaststätte „Zum Moninger“ jahrzehntelang Hauptausschank der Moninger-Brauerei war.

Ich denke, dass die Studenten sich sehr wohlfühlen werden.

Wolfgang Scheidtweiler

„Es wird ein jugendliches Brauhaus werden“, verspricht Moninger-Vorstand Wolfgang Scheidtweiler, „kein Rentnerlokal.“ Ein Betreiber sei bereits gefunden, der Vertrag aber noch nicht unterschrieben. Geplant sei eine zeitgemäße Umsetzung des Themas Brauhaus, erklärt Scheidtweiler: „Ich denke, dass die Studenten sich sehr wohlfühlen werden.“

Historisches Erbe und Stilelemente des „Emaille“ sollen bleiben

Eröffnet werden soll das neue alte Gasthaus laut Scheidtweiler Ende 2020. Das historische Innere soll wiederhergestellt werden – zum Beispiel die „badische Stube“ mit den Majolika-Wänden, die ein Drittel des Gastraumes einnimmt. „Das ist die typische Bierhalle der Jahrhundertwende, jedes Bild steht unter Denkmalschutz“, so Scheidtweiler. „Der Rest wird trendiger, fetziger.“

Mehr zum Thema: Wolfgang Scheidtweiler, der Kopf hinter der Moninger-Holding AG

 

Das Moninger-Gebäude, in dem das Café Emaille zurzeit noch untergebracht ist, wird saniert.
Das Moninger-Gebäude, in dem das Café Emaille zurzeit noch untergebracht ist, wird saniert. | Foto: Weller

Die Versicherungsgruppe Alte Leipziger habe als Hauseigentümer bereits mit einer Generalsanierung der oberen, leerstehenden Stockwerke begonnen. „Der Infrastruktur des Hauses fehlt es an allem, da sind Leitungen kaputt und der Brandschutz muss modernisiert werden“, erklärt Scheidtweiler. Deswegen habe es gar keine Alternative zur Schließung des „Emaille“ gegeben.

Wenn das Café Ende Juni endgültig zu macht, rechnet Scheidtweiler mit einer sechsmonatigen Umbauphase.

Langjährige Stammgäste sollen sich danach weiterhin zuhause fühlen, so der Investor: „Ich bin mir sicher, dass es weiterhin viele Stilelemente des „Emaille“ haben wird.“ Da der Gastraum insgesamt länger werden wird, stünden auch viele Wandflächen zur Verfügung.

Was das für die Emaille-Schilder aus dem gleichnamigen Café bedeutet? „Die Schilder waren das Markenzeichen der Gaststätte“, sagt Scheidtweiler. „Sie werden wiederkommen.“