Anstehen für Cézanne war auch am Sonntag, 21.01.2018, schon um kurz nach 10 Uhr morgens für Kunstfreunde in Karlsruhe angesagt – da war es immerhin trocken.
Foto: Patrizia Kaluzny

Schlangen vor der Kunsthalle

Warten auf Cézanne

Malerei der Moderne zieht die Massen an – erst recht, wenn es sich um Werke aus Südfrankreich handelt. Da überrascht der derzeitige Andrang vor der Kunsthalle kaum: Paul Cézannes Bilder und das nahende Ende der ihm gewidmeten Ausstellung brachten am Wochenende zahlreiche Menschen dazu, sich freiwillig bei Dauerregen und Kälte in die Schlange zu stellen.

Am Wochenende eine Stunde Wartezeit

Etwa eine Stunde Wartezeit mussten Besucher schon am nasskalten Samstagmorgen einplanen. Auch am Sonntagvormittag stand eine BNN-Leserin eine Dreiviertelstunde an, bevor sie in den Genuss der Kunstwerke des „Wegbereiters der Moderne“ kommen konnte. Verblüfft musste eine Familie aus dem Elsass feststellen, dass selbst die vorab gebuchten Onlinetickets ihnen das Warten nicht ersparten.
Auf der Website sei vermerkt, dass die Onlinetickets zeitlich flexibel seien, heißt es auf telefonische BNN-Anfrage von Seiten der Kunsthalle.

Auch für Online-Tickets kein bevorzugter Einlass

„Bei einer Überfüllung der Ausstellung kann den Inhabern eines Onlinetickets kein sofortiger Zugang ermöglicht werden, bei Einlass in die Kunsthalle ist dann jedoch keine weitere Wartezeit an der Kasse notwendig“, teilt man später noch per E-Mail mit. Die Möglichkeit, zwei getrennte Schlangen zu bilden, gebe es „aus behördlichen Gründen“ derzeit nicht. Glück hat da, wer eine der öffentlichen Führungen durch die Ausstellung gebucht hat: Besitzer eines Tickets zu einer speziellen Führung erhielten eine Viertelstunde vor Beginn Einlass.

Gruppenreservierungen seien nur noch an einzelnen Terminen unter der Woche möglich. Die Kunsthalle empfiehlt generell den Besuch unter der Woche und insbesondere am „Langen Cézanne-Donnerstag“ (siehe Service), dann sei das Besucheraufkommen geringer als am Wochenende.

Die Ausstellung „Cézanne. Metamorphosen“ läuft noch bis Sonntag, 11. Februar. Die Öffnungszeiten der Kunsthalle sind dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Infos unter cezanne-in-karlsruhe.de

Dass das Interesse in den Wochen vor Ausstellungsende groß ist, sei ganz normal: „Unsere Cézanne-Ausstellung erfreut sich eines sehr großen, weit über die Region reichenden Interesses, das sich entsprechend auch im Besucheraufkommen spiegelt“, heißt es. Mit Ende der Ausstellungslaufzeit habe sich dies intensiviert, so dass es zu Schlangenbildungen vor dem Gebäude komme. „Dies ist bei Ausstellungen einer solchen Strahlkraft keineswegs eine Ausnahme, sondern in den großen Museen in Frankfurt oder Berlin regelmäßig der Fall.“

Beleg für großes Interesse am Ausstellungskonzept

Die Frage, ob solch hochkarätige Werkschauen für die begrenzten Kapazitäten des Karlsruher Museums zu hoch gegriffen seien, verneint man: Dass mehr Besucher die Ausstellung besuchen möchten, als tatsächlich hereingelassen werden können und sich so Schlangen bilden, sei ein Beleg für das große Interesse an diesem Ausstellungskonzept und dessen Kommunikation. Mehr noch: „Dass die Kunsthalle dabei an ihre Grenzen stößt, zeigt wie dringend notwendig eine Sanierung und eine bauliche Erweiterung des Gebäudes sind, darf aber keinen Einfluss auf das Ausstellungsprogramm der Kunsthalle haben.“

Wem die Kunsthalle zu voll ist, für den ist vielleicht Kino etwas: Die Kurbel zeigt am Donnerstag, 25. Januar, um 15 Uhr den Film „Meine Zeit mit Cézanne“ über die Künstlerfreundschaft zwischen Paul Cézanne und Émile Zola. Infos unter kurbel-karlsruhe.de