Urlaub im eigenen Land ist in der Corona-Krise sehr beliebt. | Foto: dpa

Reisen in Corona-Zeiten

Was Deutschland-Urlauber in der Corona-Krise erwartet

Anzeige

Ein großer Teil der Deutschen verbringt seinen Urlaub ohnehin am liebsten im eigenen Land. Und mit der Corona-Krise wird der Urlaub im Schwarzwald, am Bodensee und in der Südpfalz umso attraktiver. Drei Betreiber aus den Sparten Hotel, Campingplatz und Ferienwohnung berichten, wie sie sich auf die Gäste vorbereitet haben.

Wellnesshotel hofft auf weitere Lockerungen

Normalerweise ist das Wellnesshotel Sonnenhalde Tonbach an Pfingsten ausgebucht. Zur Wiedereröffnung am Freitag sind aber nur 40 von 75 Betten belegt. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Geschäft seien „schon erschreckend“, sagt Sabrina Borst, die das Baiersbronner Familienunternehmen mit ihrem Mann Stefan führt.

Hygieneregeln in der Lobby: Das Wellnesshotel Sonnenhalde Tonbach will Wohlbefinden und Virenschutz in Einklang bringen | Foto: privat

Während manche Gäste unbedingt raus aus den eigenen vier Wänden wollten, seien vor allem ältere Stammgäste eher verhalten. Viele haben ihre Buchung auf Herbst verschoben. Das Ehepaar hofft, die Verluste im üblicherweise stärksten letzten Quartal wieder wettzumachen.

Das Wellness-Angebot ist eingeschränkt. Sauna und Schwimmbad bleiben vorerst geschlossen. Gäste und Personal sind angehalten, in öffentlichen Bereichen Mundschutz zu tragen.

Auch interessant: Balkonien, Bergsteigen oder Balkan – wie sieht der Sommerurlaub 2020 aus?

Neben Plexiglasscheiben an der Rezeption, Desinfektionsmittelspendern auf allen öffentlichen Flächen und einem besonders gründlichen Reinigungskonzept, werden die Hygienestandards auch dadurch eingehalten, dass jede Speise serviert und nur jeder zweite Tisch besetzt wird. Bei allen Beschränkungen, so Borst, sorge man aber dafür, dass das Wohlbefinden der Gäste nicht zu kurz komme.

Urlaub in der Pfalz ist auch ohne Weinfeste beliebt

Monika Pfirrmanns Ferienwohnung im südpfälzischen Maikammer ist über Pfingsten bereits vergeben. Auch den ganzen Juni über sind die Zimmer in dem beschaulichen, umgebauten Fachwerkhaus mit Garten ausgebucht. „Das ist die erste Welle, seit der Wiedereröffnung am 21. Mai“, schätzt Pfirrmann die Lage ein.

Das Frühlings- und Ostergeschäft ist ihr aufgrund der Corona-bedingten Schließung weggebrochen. Sie musste Buchungen ablehnen und Anzahlungen zurückerstatten. Für Juli und August sind erst wenige Buchungsanfragen eingegangen. Pfirrmann vermutet, dass gerade Familien sich noch vorbehalten, größere Reisen anzutreten und abwarten wollen.

Im Herzen der Südpfalz: Die Ferienwohnung von Monika Pfirrmann in Maikammer. | Foto: privat

Für die ersten Gäste ihrer Ferienwohnung hat sie ein Schreiben mit den einzuhaltenden Hygieneregeln verfasst, Desinfektionsmittel beschafft und Einwegtücher bereitgestellt. Anzahlungen nimmt Monika Pfirrmann nach Möglichkeit per Überweisung entgegen.

Auch interessant: Karlsruhe hofft auf mehr Städtereisende in der Zeit nach Corona

Obwohl beliebte Freizeitveranstaltungen wie die Pfälzer Weinfeste voraussichtlich ausfallen müssen, rechnet Pfirrmann damit, dass noch viele die Möglichkeit nutzen werden, überhaupt zu verreisen.

Campingplatz kann sich vor Anfragen kaum retten

Der Campingplatz Hegne in Konstanz ist seit dem 18. März für autarke Camper, also solche mit eigenen Sanitäranlagen, geöffnet. Und derzeit mit 40 Plätzen voll belegt. Auch über Pfingsten gibt es keine freien Plätze mehr, seit die neue Corona-Verordnung die Öffnung des Sanitärbereichs unter Auflagen gestattet – obwohl Strandbäder weiter geschlossen bleiben und Schiffe in Bayern, Österreich und der Schweiz vorerst nicht anlegen dürfen.

Bald wieder offen: Die Schlaffässer auf dem Campingplatz Hegne in Konstanz. | Foto: privat

Am Freitag werden die ersten regulären Gäste erwartet. Bis dahin muss noch ein Hygienekonzept erarbeitet werden. „Wir überlegen, nur jede zweite Duschkabine zu öffnen und Waschbecken durch Plexiglasscheiben abzutrennen“, erklärt die Assistentin der Geschäftsführung Nicole Noller.

Auch interessant: Reisebüros im Murgtal: Trotz möglicher Lockerungen ebbt Stornierungswelle nicht ab

Plexiglasscheiben sind auch im Restaurant des Campingplatzes installiert. Das Ordnungsamt soll die Hygienestandards fortlaufend prüfen. Um das Distanzgebot einzuhalten, werden die Gäste bei der Anmeldung einzeln betreut. Dadurch sei der Personalbedarf erheblich gestiegen, so Noller. Von verhaltener Nachfrage könne keine Rede sein: „Seit dem 6. Mai haben wir rund 1.000 E-Mails erhalten, und unsere Telefone klingeln minütlich.“