Den Hochbehälter "Luss" haben Florian Kühn (links) und Martin Mergl im Blick. Der Hochbehälter ist für die Sicherheit der Wasserversorgung und den Leitungsdruck im Stadtgebiet verantwortlich. | Foto: Kinkel

Hochbehälter ist Eckpfeiler in der Versorgung

Wasser für 140 000 Badewannen

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Tief hinein in den Geigersberg ragen die beiden großen Wasserbecken des Hochbehälters Luss. Jedes der beiden Becken ist 40 Meter lang, 30 Meter breit, 9,50 Meter hoch und fasst 10 000 Kubikmeter Wasser. Über 140 000 Badewannen könnten mit dem Wasser aus dem Hochbehälter gefüllt werden. Doch trocken gelegt wird jedes der Becken zur Reinigung und zum Überprüfen von möglichen Rissen nur einmal im Jahr während der jährlichen Inventur. Ansonsten sind die beiden Becken mindestens einen Meter hoch mit Wasser gefüllt. Der Hochbehälter Luss ist nämlich gleich aus mehrfacher Hinsicht ein wichtiger Eckpfeiler der Karlsruher Wasserversorgung. „Dieser Hochbehälter ist für die Sicherheit der Wasserversorgung und den Leitungsdruck gleichermaßen verantwortlich“, sagt Wasserwerksleiter Bernd Hofmann von den Stadtwerken Karlsruhe.

Mehrere Tonnen Buntsandstein aus dem Geigersberg herausgesprengt

Jede Nacht wird bei sinkenden Verbrauchsspitzen Trinkwasser von den Wasserwerken über das Karlsruher Leitungsnetz in den Hochbehälter auf dem Geigersberg gepumpt. Wenn der Verbrauch tagsüber steigt, fließt das kostbare Nass dann wieder talwärts und sorgt durch sein Gewicht auch für einen ausreichenden Leitungsdruck. Dank seiner exponierten Lage von 165 Metern über dem Meeresspiegel erfüllt der Hochbehälter Luss die hydraulischen Voraussetzungen zum Erhalt des Wasserdrucks im rund 50 Meter tiefer gelegenen Stadtgebiet. „Die Lage von Karlsruhe an den Schwarzwaldausläufern war geradezu prädestiniert für den Bau eines solchen Hochbehälters“, sagt Hofmann. Deshalb habe sich die Stadtverwaltung vor über fünf Jahrzehnten auch zum Bau des größten Hochbehälters in der Fächerstadt durchgerungen. Allerdings waren die Bauarbeiten seinerzeit auch mit größeren Schwierigkeiten verbunden und es mussten gleich mehrere Tonnen Buntsandstein aus dem Geigersberg herausgesprengt werden.
In einer Stadt wie Mannheim – mit weitgehend ebener Topografie – musste die Sicherstellung von Wasserversorgung und Druck dagegen über zahlreiche dezentrale Wassertürme erfolgen und auch deshalb ist der 60 Meter hohe Turm am Friedrichsplatz eines der bekanntesten Wahrzeichen der Quadratestadt. „Heute werden in der Ebene zur Regulierung des Wasserdrucks aber vor allem drehzahlgeregelte Pumpen eingesetzt“, sagt Hofmann.

Genügend Löschwasser vorhanden

In Karlsruhe seien zwar ebenfalls bereits einige dieser Spezialpumpen im Einsatz, doch eine komplette Erneuerung des Systems und eine Stilllegung des Hochbehälters Luss stünden nicht zur Debatte. „Bei der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung hat ein Hochbehälter viele Vorteile“, so Hofmann. Außerdem hätte die Feuerwehr bei einem möglichen Großeinsatz zu sämtlichen Tageszeiten immer genügend Löschwasser zur Verfügung.

Netz aus zahlreichen dezentralen Druckerhöhungsanlagen

Die oberhalb des Hochbehälters Luss gelegenen Wohngebiete können vom Geigersberg aber nicht mit Trinkwasser und Druck versorgt werden. Deshalb wurde in den Karlsruher Höhenstadtteilen ein Netz aus zahlreichen dezentralen Druckerhöhungsanlagen sowie neun weiteren Hochbehältern errichtet. Der markanteste dieser Behälter ist der Wasserturm Bergwald, dessen weiß gestrichenes zylindrisches Oberteil ein Stück weit über die Baumwipfel des namensgebenden Waldes ragt. Die meisten der Becken und Druckerhöhungsanlage sind allerdings ebenso wie der Hochbehälter Luss zum Großteil in die Hanglagen hinein gebaut und von außen oft kaum sichtbar. So wirkt der Eingang der Druckerhöhungsanlage Posseltstraße auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Garageneinfahrt in einer beliebten Wohngegend. Die bauliche Gestaltung der Anlagen hat laut Hofmann aber nicht nur stadtbauliche Gründe. Die Trinkwasserversorgung müsse in einer Großstadt wie Karlsruhe nämlich möglichst störungsfrei aufrechterhalten werden und deshalb wolle man keine deutlich sichtbaren und leicht zugänglichen Angriffsziele für mögliche Sabotageakte bieten.

Strenge Hygienevorschriften

Sicherheit wird auch während des täglichen Betriebs der Hochbehälter großgeschrieben. Außerhalb der jährlichen Reinigung sind die beiden Becken des Hochbehälters Luss deshalb hermetisch abgeriegelt. Selbst die für den Behälterbetrieb zuständigen Stadtwerke-Mitarbeiter Florian Kühn und Martin Mergl können die mit klarem Wasser gefüllten Becken mit den markanten Säulen lediglich durch das runde Glasfenster in der Metalltür in Augenschein nehmen. Der Grund für die regelrechte Abschottung des Wassers sind laut Hofmann die strengen Hygienevorschriften. „Wenn eine Maus in den Behälter gelangt und verendet, muss das ganze Wasser abgelassen und entsorgt werden“, sagt der Wasserwerksleiter. Die Qualität des Trinkwassers in den beiden Rohrleitungen wird deshalb auch an den Messstationen am Eingang des Hochbehälters täglich überprüft.
Von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel