Peter Weibel
Peter Weibel ist der geistige Vater der Schlosslichtspiele. | Foto: jodo

Schlosslichtspiele ab Samstag

Peter Weibel und der magische Moment der Verzauberung

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Oh ja, Peter Weibel freut sich schon sehr: Auf den Start der von ihm künstlerisch verantworteten Schlosslichtspiele am Samstag. Und darauf, dass er dann wahrscheinlich wieder in „euphorisch entzückte“ Gesichter der Zuschauer blickt. Denn der ZKM-Chef glaubt daran: Die Erfolgsgeschichte der allabendlichen Projektionen geht auch in diesem Sommer weiter.

Peter Weibel und das Millionending

Seit dem Stadtgeburtstag 2015 verwandelt sich die Fassade des Schlosses über Wochen hinweg jeden Abend in eine XXL-Leinwand. Mehr als eine Million Besucher wurden dabei bereits gezählt.

Das Geheimnis dahinter? Peter Weibel fallen viele Faktoren ein.

Singuläres Ereignis

Allen voran: Während etwa in einem Open-Air-Kino Filme zu sehen sind, die quasi rund um die Welt laufen, geht Karlsruhe immer mit Auftragsarbeiten ins Rennen. Nur am Schloss sind diese Produktionen zu erleben.

„Ein singuläres Ereignis“, so der ZKM-Chef. Die Beiträge haben einen Bezug zur Stadt. Zu ihrer Geschichte. Zum Schloss – das eben keinesfalls nur reine Leinwand ist.

Spiel mit der Architektur

Die Künstler spielen mit der Architektur des Barockbaus. Mit Formen und Elementen wie den Fenstern.

Der israelische Künstler Eyal Gever beispielsweise arbeitet seit Jahren mit Wasserprojektionen. Und die Tatsache, dass das Karlsruher Schloss ebenso hufeisenförmig ist wie es die Niagarafälle sind, brachte Weibel auf eine Idee: Wassermassen sollten das Schloss fluten, aus den Fenstern sprudeln.

Intensive Arbeit mit den Künstlern

Eyal Gever wurde für 2017 beauftragt und präsentierte die Arbeit „Cleansing“.

„Ich arbeite als Kurator stets intensiv mit den Künstlern zusammen“, erläutert der ZKM-Chef. Manchmal lässt er ein Werk nachbessern. Oder er entwickelt eine Idee weiter.

Das Schloss als Piano

In diesem Jahr hatte der Karlsruher Medienkünstler Jonas Denzel den Gedanken, Hände über die 170 Meter breite Fassade wandern zu lassen. Weibel lenkte dann den Blick auf die Fenster des Schlosses.

Die Gesamtansicht erinnerte ihn an die Tasten eines Pianos. Und zu genau dem wird das Schloss nun im Beitrag „Hands-on“: Der motiviert die Zuschauer zum Mitklatschen. Somit werden sie selbst Teil des Geschehens.

IT-Hauptstadt

Überhaupt: Die Bürger nehmen das Schloss bei ihren Schlosslichtspielen quasi in Besitz – obwohl es doch eigentlich Symbol der absolutistischen Stadt war. Durch die allabendlichen Projektionen steht es nun für die IT-Hauptstadt.

Immerhin ist auf ihm das „größte digitale Kunstwerk Europas“ zu erleben, wie Weibel sagt. Kunst, modernste Digitaltechnik: Das erreicht bei den Schlosslichtspielen nicht nur ein Spezialpublikum. Nein, alle haben dabei ihre Freude.

Publikum überraschen

Für Weibel besteht die Herausforderung darin, das Publikum Jahr für Jahr wieder zu überraschen. Etwa damit, dass sich bei „Structures of Life“ von „Maxin10sity“ 2017 das Schloss plötzlich in die Rialtobrücke zu verwandeln schien.

Kann das wahr sein, fragte sich mancher Zuschauer. Ein Moment magischer Verzauberung.

Trick der Postmoderne

„Maxin10sity“ erzählte auch die Geschichte der Mobilität nach – inklusive Karlsruhe-Bezug mit der Erfindung der Draisine. „DSG animation + vfx“ gab 2016 bei „Defilee“ einen Überblick zum 100. Geburtstag der Avantgarde.

Die Schlosslichtspiele setzen in diesen Punkten auf einen Trick der Postmoderne: Man zitiert, man arbeitet mit Anspielungen – und das natürlich zu keinem Zeitpunkt oberlehrerhaft.

Open-Air-Museum

„Wir sind auch ein Open-Air-Museum“, sagt Weibel. Bei „Legacy“ von „Maxin10sity“ wurden 2016 gar Objekte, die normal hinter der Fassade im Schloss präsentiert werden, auf das Mauerwerk geholt.

„Global Illumination“ wiederum setzt in diesem Jahr bei „The Object of the Mind“ technische Entwicklungen in Szene, angefangen bei analogen Maschinen über Lochkarten bis zum Mikrochip – der gerade wieder für das IT-Profil Karlsruhes steht.

Das Versprechen der Unsterblichkeit

Die Gruppe „Maxin10sity“ setzt nun auf Akrobatik. Menschen schweben auf der Schlossfassade. „Immortal“ ist das überschrieben. Es geht um Unsterblichkeit – das Versprechen der Zeit.

Gleichzeitig ist der Kampf gegen das Vergessen ein Anliegen von Museen – und im Schloss ist ja das Badische Landesmuseum beheimatet.

Monster auf der Schlossfassade?

Weibel kann sich vorstellen, dass irgendwann Monster über die Fassade fliegen. Warum nicht mal auf Spezialeffekte setzen, fragt er. Das Schloss biete sich an für den Topos Mord und Totschlag – Vampire oder Dracula inklusive.
Ideen hat der ZKM-Chef noch viele. Bis 2020 ist die Finanzierung der Schlosslichtspiele durch den Gemeinderat gesichert.

Kurator bis 2020

So lange ist Weibel auch noch im Amt. Kurator der Schlosslichtspiele ist er quasi nebenher, er wird für diese Aufgabe nicht eigens bezahlt.

Nach dem Ende seiner Amtszeit wird die Veranstaltung womöglich ohne Kurator auskommen müssen, den zu entlohnen wäre nämlich zu teuer.

200.000 Euro für die Künstler

900.000 Euro beträgt das jährliche Budget. Das meiste wird für Technik und Infrastruktur fällig. „Für die Künstler haben wir 200.000 Euro Budget“, erläutert Weibel.

Immer wieder ließ er seine Kontakte spielen, um für vergleichsweise kleine Summen Größen wie den Architekten Greg Lynn oder das Büro Zaha Hadid zu verpflichten. Inzwischen gibt es einen Fundus von 25 eigens für das Schloss konzipierte Arbeiten. „Eine gute Basis für die Zukunft“, ist Weibel sicher.

Vier neue Arbeiten

Vier neue Arbeiten sind in diesem Jahr zu erleben. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit besonders beliebten Werken der Vorjahren. Ein Wochenende lang werden gar nur Beiträge von „Maxin10sity“ gezeigt.

Service

Die Schlosslichtspiele sind vom 28. Juli bis 9. September – mit Ausnahme der Kamuna am 4. August – jeden Abend bei freiem Eintritt zu erleben.