Markus Lüpertz
Der Künstler Markus Lüpertz will die Karlsruher U-Strab-Stationen mit seiner Kunst bereichern. | Foto: Artis

Kunst für die U-Strab

Weichen gestellt für Lüpertz-Projekt

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Die vergangenen Monate war es ruhig geworden um das Kunstprojekt von Markus Lüpertz. Seine Offerte, die künftigen Haltestellen der Karlsruher U-Strab mit großformatigen Reliefs zu gestalten, lieferte dem Frühjahr 2017 zunächst das Top-Thema. Das Lüpertz-Projekt, das der Karlsruher Gemeinderat schließlich mit großer Mehrheit im Juli 2017 unterstützte, hatte viel positive Resonanz in der Karlsruher Öffentlichkeit – aber auch große Gegnerschaft vor allem aus der Kulturszene.
Während die Befürworter – darunter auch Karlsruhes OB Frank Mentrup (SPD) – auf die Verbundenheit des renommierten Künstlers mit seiner Wahlheimat Karlsruhe und auf die zu erwartende große Resonanz verwiesen, rieben sich viele Kritiker an der Art der Vergabe, an dem von Lüpertz vorgeschlagenen christlich geprägten Thema Genesis („Die sieben Tage des Herrn“) sowie an dem streitbaren Künstler selbst. Und mancher, der das Projekt kritisierte, hatte dessen umtriebigen Promotor Anton Goll, einst Majolika-Geschäftsführer, im Visier.

Nach der Gemeinderatsentscheidung kehrte allerdings Ruhe ein – auch aus dem Karlsruher Rathaus war dem nicht immer geschickt agierenden Goll empfohlen worden, den Ball flach zu halten. Nach den Aufregungen in den vergangenen Monaten fanden jetzt hinter den Kulissen wichtige organisatorische, juristische und finanzielle Weichenstellungen statt. Goll hat damit seine Hausaufgaben gemacht.
Zentral ist die Gründung eines eigenständigen gemeinnützigen Vereins „Karlsruhe Kunst Erfahren“, der inzwischen im Vereinsregister eingetragen ist. Er wird künftig der Besitzer der 14 Kunstwerke Lüpertz’ sein, die zunächst für einen Zeitraum von sechs Jahren an den sieben Haltestellen der U-Strab installiert werden sollen und die biblische Schöpfungsgeschichte („Genesis“) thematisieren – so wie sie Lüpertz sieht. Der Trägerverein war eine der Bedingungen der Stadt und von OB Frank Mentrup.

Unterstützer für das Projekt

Im Verein sammeln sich Persönlichkeiten aus Stadt und Region, etwa im Vorstand neben Goll selbst der Rechtsanwalt Bernd Gundlach und der Steuerberater Andreas Sütterlin, einst Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren. Gründungsmitglieder sind unter anderem die renommierte Leibnizpreisträgerin und Institutsleiterin am KIT, Britta Nestler, Armin Klein aus Ettlingen, Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaften, oder Markus Stange, Professor für Klavier an der Karlsruher Musikhochschule. Der Verein hat nun die Aufgabe, das Kunstwerk, beziehungsweise dessen Installation, zu realisieren. So hat er inzwischen eine Vereinbarung mit Markus Lüpertz getroffen, der die Rechte an dem Kunstwerk an den Verein abtreten wird. Auch die Vereinbarung mit der Majolika ist getroffen. Lüpertz bekommt in der vermutlich einjährigen Produktionszeit ein eigenes Atelier in der Keramikmanufaktur am Ahaweg. Für die insgesamt 14 Reliefs in der Größe von vier mal zwei Metern werden zwölf Tonnen Ton verbraucht. Start der Arbeiten ist vermutlich im Sommer 2018, im Herbst 2019 sollen sie beendet sein – im Herbst 2020 ist der Start der U-Strab geplant, dann sollen die Kunstwerke installiert werden.

Eine Million ist nicht mehr die Zielmarke

Entscheidend vorangekommen ist der Verein auch in der Frage der Finanzen, was die letzte verbliebene härteste Nuss ist: Bekanntlich soll das Projekt durch Spender und Sponsoren finanziert werden, im Raum steht die benötigte Summe von einer Million Euro. Dies nicht mehr wie in Stein gemeißelt, die Summe könnte auch darunter liegen. Laut Goll gibt es Zusagen von rund einer halben Million Euro, erst die Vereinsgründung ermöglicht es nun, aus Zusagen auch feste Vereinbarungen zu machen.
Ein Vorwurf der Kritiker war, dass die Stadtspitze praktisch freihändig über Kunst in der U-Strab entscheide und die Karlsruher Strukturen, etwa die Kunstkommission, aushebele. Allerdings: Kunst in der U-Strab war schon Anfang des Jahrtausends ein Thema, damals startete der Gemeinderat einen kombinierten Architekten- und Kunstwettbewerb für die Gestaltung der unterirdischen Haltestellen. Bekanntlich hat der Gemeinderat dann 2005 für eine Lichtinstallation des Künstlers Ingo Maurer in den U-Bahn-Haltestellen votiert als Teil des erfolgreichen Wettbewerbsbeitrags des Münchner Architekturbüros Allmann, Sattler und Wappner. Die damals ausgewählte Gestaltung der Haltestellen ist mit den Lüpertz-Reliefs kompatibel – auch eine Bedingung, die dem OB wichtig war. Architekt Ludwig Wappner, übrigens Architekturprofessor am KIT, sprach jüngst bei einer Veranstaltung der Stadt davon, dass die unterirdischen Haltestellen wie „kathedrale Räume“ wirkten. Daraus können auch die Unterstützer des Lüpertz-Projekts mit den Verweisen auf die biblische Schöpfungsgeschichte Honig saugen.
Die Karlsruher Debatte brachte auch interessante Bekenntnisse angesichts so bisher nicht gekannter Frontstellungen. So wurde OB Mentrup nach scharfen Attacken von ZKM-Chef Peter Weibel gegen das Projekt grundsätzlich. Das Angebot von Lüpertz habe sein Grundsatzverständnis von Stadtpolitik berührt. Er sehe sich in der Rolle eines „Ermöglichers“. Es gehe nicht um eine neue Haltestellenkonzeption und ein beschlossenes Kunstkonzept, das unangetastet bleibe. „Es geht auch nicht um einen kapitalistischen Ausverkauf des öffentlichen Raums,“ konterte Mentrup die Kritik. „Wir bieten die Flächen an, die wir ansonsten mit Werbung gestaltet hätten, auf die wir auch keinen Zugriff haben.“ Die kommunalpolitischen Zeitumstände stehen zudem noch günstiger. Der sich im vergangenen Jahr gegen das Projekt positionierende Kulturbürgermeister Wolfram Jäger befindet sich inzwischen im Ruhestand. Albert Käuflein, sein Nachfolger, hat bereits als CDU-Stadtrat vehement für die Lüpertz-Kunst in der U-Bahn gestritten.