2013 ging der art KARLSRUHE-Preis an die One-Artist-Show der Mannheimer Galerie Angelo Falzone zum Künstler Claude Wall. | Foto: Rösner

Zehn Jahre art-Karlsruhe-Preis

Weil beide Seiten an einem Strang ziehen

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Wie wird man als Künstler bekannt? Wie kommen die eigenen Arbeiten „unter die Leut’“? Worauf baut Erfolg auf – bis hin zu Prominenz und properen Preisen? Das sind Fragen, die nicht nur angehende Maler oder Bildhauer, sondern auch Künstler höheren Alters beschäftigen: Der eine wird 80 und gefeiert, der wird 80 und ist fast vergessen. Seit einiger Zeit ist man sich weitgehend einig, dass hier mehrere Faktorenineinandergreifen. Sicher: Im Mittelpunkt steht immer noch das Werk, doch das allein begründet noch nicht, ob sich eine Künstlerin oder ein Künstler durchsetzt. Weshalb inzwischen die Rede ist vom „Betriebssystem Kunst“ als einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure.

Zu ihnen zählen die Galeristen. Sie fungieren gleichsam als Scharniere zwischen Atelier und Markt, Künstler und Sammler. Darüber hinaus bieten sie dem allgemeinen Publikum die – oftmals erste – Gelegenheit mit neuen künstlerischen Produktionen in Kontakt zu kommen. Die besondere Bedeutung, die den Galerien bei der Verbreitung und Vermittlung von Kunst zukommt, war ein wesentliches Kriterium, als es darum ging, den art-Karlsruhe-Preis zu etablieren. Es gibt ihn, weil beide Seiten an einem Strang ziehen.

Halbe-halbe

Und so beschloss man, das Preisgeld von gegenwärtig 15 000 Euro zu teilen: Eine Hälfte erhält die Künstlerin oder der Künstler, die andere geht an die Galerie, sofern für die Jury erkennbar war, dass man die Werke mit besonderer Sorgfalt und Wertschätzung präsentiert hat. Auch beim Zustandekommen des Gesamtbetrags wird halbe-halbe gemacht: Die Stadt Karlsruhe und das Land Baden-Württemberg stiften gemeinsam die Auszeichnung, die inzwischen zum elften Mal verliehen wird und zu deren Nutznießern nicht zuletzt die Städtische Galerie Karlsruhe gehört. Und das art-Publikum: Erstmals wird die komplette Sammlung an Werken, die über zehn Jahre hinweg dank des art-Karlsruhe-Preises zusammengekommen ist, in einer Sonderausstellung auf der kunstmesse gezeigt.

Den Auftakt markierten 2008 ein Künstler, der ganz auf die Materialien unserer hochindustrialisierten und technisierten Epoche setzt, und eine Galerie, die sich in ihrem Programm immer kompromisslos für klare und dezidierte Positionen in der Gegenwartskunst eingesetzt hat. Der erste art-Karlsruhe-Preis ging an Reto Boller und an die Stuttgarter Galerie Müller-Roth. 2008 entschied sich die Fachjury für diese Verbindung, so dass nun die Städtische Karlsruhe über die Arbeit „A-07.6“ verfügt, die sich als Sinnbild unsreres Highspeed-Zeitalters auffassen lässt: Auf silbrigen Grund ist ein ebenfalls silbern schimmernder Motorradhelm montiert. Boller hat mit seiner Kunst auch sonst in Karlsruhe Fuß gefasst: Für den Neubau des Instituts für Nanotechnologie am Forschungszentrum Karlsruhe (heute Teil des KIT) eine Plastik geschafen, die wie ein Hybrid aus menschlichem Körper und einer Zusammenballung aus Autoreifen aussieht. Boller, der seit 2007 als Professor für Malerei an der Kunstakademie Stuttgart lehrt, hat seit der Karlsruher Preisverleihung in seiner Geburtsstadt Zürich weitere Auszeichnungen erhalten.

Ein Merkmal der art-Karlsruhe-Collection (wie die Sammlung jetzt heißt) ist ihre prinzipielle Offenheit für unterschiedliche künstlerische Haltungen. So wurden 2009 der Zeichner Thomas Müller (zusammen mit der Galerie Michael Sturm, Stuttgart) und 2010 der Maler Julius Grünwald geehrt, der von der Galerie Karlheinz Meyer vertreten wurde, die zu den (eher wenigen) Galerien gehörte, die für das Kunstgeschehen in Karlsruhe von hoher Bedeutung waren. Karlsheinz Meyer und seine Frau, die inzwischen ihre kunsthändlerischen Aktivitäten aus Altersgründen eingestellt haben, zeichneten sich nicht zuletzt durch ihr Gespür für interessante Malerei-Positionen aus. Besonders stolz war Meyer, dass er zu den ersten gehörte, die auf den Künstler Jonathan Meese setzten und sich für den Erz-Provokateur einsetzten. Meese war denn auch in Karlsruhe udn auch auf der art mehr als einmal präsent.

Platz für Newcomer

So wie weder das Medium, noch der ästhetische Ansatz eine Rolle spielen, so wenig hat der Bekanntheitsgrad die Auswahl der Preisträger bestimmt. Tatsächlich gab es prominente Künstler, denen die Auszeichnung zuerkannt wurde, so etwa die Malerin Tatjana Doll, die an der Kunstakademie Karlsruhe lehrt und die 2012 zusammen mit dem Stuttgarter Galeristen Klaus Gerrit Friese in den Genuss des Preises kam. Auch Alfonso Hüppi, der 2015 gemeinsam mit dem Reutlinger Galeristen Reinhold Maas geehrt wurde, zählt zu den bekannten Namen in Sachen zeitgenössische Kunst. Aber auch für Newcomer ist beim art-Karlsruhe-Preis Platz, wie das Beispiel Neringa Vasiliauskaite zeigt, die im vergangenen Jahr zusammen mit der Münchener Galerie Smudajescheck das Rennen machte. Zuden spiegelnden Flächen der Künstlerin hieß es damals in der Begründung des Auswahlgremiums: Vasiliauskaite „greift damit ein altes Thema der bildenden Kunst auf und überträgt es zugleich in überaus avancierte Formulierungen. In mehreren Schichten baut die Künstlerin ihre Arbeiten so auf, dass sie gleichermaßen als Spiegel wie als monochrome Farbereignisse wirken.“

Jens Hancke (Galerie Hunchentoot, Berlin) erhielt den Preis 2011, es folgten Claude Wall (Galerie Angelo Falzone, Mannheim) 2013, und Jessica Buhlmann (Galerie Anja Rumig, Stuttgart) 2015 – Künstler mit sehr divergierenden Arbeitsansätzen. Für Brigitte Baumstark bedeutet gerade diese stilistische und mediale Uneinheitlichkeit eine Bereicherung. „Eingebunden in sere Sammlung eröfnen diese Arbeiten immer wieder neue, überraschende Perspektiven“, erklärt die Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe. Da sie auch diesemal – wie fast immer auch in den Vorjahren – bei der Jury mit dabei ist, kann sie sogar Einfluss darauf nehmen, welche neuen Akzente die KArlsruher Sammlung bereichern sollen. Wenn der art Karlsruhe ähnliche Langlebigkeit beschieden ist, wie den Kunstmessen in Basel und Köln, kann da doch einiges zusammenkommen.