Die vier Mitglieder der Gemeinschaft „Lavigerie“ in Karlsruhe-Rüppurr. Von links: Schwester Cordula Weber, Pater Otto Mayer, Schwester Flora Ridder und Pater Helmut Revers. | Foto: Philipp Kungl

Vierköpfige Gemeinschaft

Weiße Väter und Weiße Schwestern in Karlsruhe

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Neue Ordensgemeinschaft in Karlsruhe: Zwei Weiße Väter und zwei Weiße Schwestern sind im Oktober 2017 in Karlsruhe eingetroffen. Ein Pater aus dem Kongo lernt gerade Deutsch und soll später dazukommen. Die Gemeinschaft „Lavigerie“ will sich in der Fächerstadt vor allem in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Die Afrikamissionare haben viel Erfahrung mit anderen Kulturen. Sie waren zuvor unter anderem in Tansania, Ruanda, Uganda, Algerien und Tunesien aktiv – und kannten sich kaum, weil jeder einen anderen Einsatzort hatte.

Von Philipp Kungl

Weiße Väter – Afrikamissionare

Die Zahl der Ordensgemeinschaften nimmt in Deutschland ab. Umso erstaunlicher ist daher die neue vierköpfige Gemeinschaft „Lavigerie“, die entgegen dieser Entwicklung seit drei Monaten in Karlsruhe existiert. Alles begann mit der großen Flüchtlingswelle in Europa und besonders in Deutschland. Mitglieder der Pfarrei St. Hedwig in der Karlsruher Waldstadt waren schon stark bei der Betreuung von Migranten engagiert, als dort die Frage aufkam, ob es  nicht möglich sei, eine Ordensgemeinschaft nach Karlsruhe zu holen, die vor Ort unterstützt. Also fragte Erzbischof Stefan Burger (Freiburg) bei den Afrikamissionaren Weiße Väter an, um ein Team für die Arbeit mit Migranten zu bilden.

Die Schwestern sollen Zugang zu islamischen Frauen finden

„Aber eine Gemeinschaft nur mit Männern ist schwierig, denn es sollte auch ein besserer Zugang zu Frauen der islamischen Kultur möglich sein“, erklärt Pater Helmut Revers, ein Mitglied der neuen Gemeinschaft. So wandte man sich zusätzlich an die Missionsschwestern Unserer Lieben Frau („Weiße Schwestern“) und suchte in beiden Ordensgemeinschaften, wer diese Aufgabe übernehmen könnte. Neben Pater Helmut Revers, der zuvor in Tansania und Indien aktiv war, erklärten sich Pater Otto Mayer (Ruanda, Kongo), Schwester Kordula Weber (Algerien, Tunesien, Mauretanien) sowie Schwester Flora Ridder (Sambia, Philippinen, Uganda) dazu bereit.

„Vier Deutsche – das ist schon speziell“

Die Gemeinschaft „Lavigerie“, benannt nach dem französischen Kardinal Charles Lavigerie, der die „Weißen Väter“ und die „Weißen Schwestern“ für die Begegnung mit dem Islam gründete, ist seit 2. Oktober 2017 in Karlsruhe zu gange. Die vier Mitglieder kannten sich vorher kaum, waren sie doch in ganz verschiedenen Ländern tätig.  „Vier Deutsche, das ist schon speziell“, meint Kordula Weber. Denn in ihren Gruppen lebten die Weißen Väter und Weißen Schwestern jeweils ganz international zusammen, verständigten sich auf Englisch und Französisch.

Wiedereingewöhnung in Deutschland fiel nicht leicht

„Speziell“ war außerdem die Wiedereingewöhnung in Deutschland. „Nach so vielen Jahren in Afrika ist das gar nicht so leicht. Als ich zum ersten Mal zum Metzger ging, war ich ganz perplex über die riesige Wurstauswahl“, erinnert sich Otto Mayer an die anfänglichen Besonderheiten des deutschen Alltags. Mittlerweile hat sich die Gruppe, die derzeit in einem Gemeindezentrum in Karlsruhe-Rüppurr untergebracht ist, gut eingelebt. „Inzwischen haben wir die Umgebung erkundet und schon einiges entdeckt, da wir das alles ja gar nicht kannten“, sagen sie.

Zusammenarbeit mit anderen Gruppen

Auch bei ihren Aufgaben geht es für die Gemeinschaft zunächst darum, sich einen Überblick zu verschaffen. „Wir schauen, wer hier was in der Flüchtlingsarbeit macht, wer die Schlüsselpersonen sind und wie wir Kontakte knüpfen können“, berichtet Flora Ridder. So besuchen die Weißen Väter und Weißen Schwestern zum Beispiel das Begegnungscafé für Flüchtlinge und machen sich mit den Strukturen der verschiedenen Gruppen und Organisationen vertraut. „Die Idee ist nicht, alles zu verdoppeln, sondern im Network mit anderen zusammen zu arbeiten und auch zu versuchen, Gruppen sinnvoll zu verbinden“, erläutert Helmut Revers.

Weiße Väter und Schwestern kennen Perspektive der Flüchtlinge

Alle Mitglieder der Gemeinschaft „Lavigerie“ können dabei reichlich Erfahrung in und mit anderen Kulturen einbringen. „Da wir selbst in fremden Kulturen gelebt haben, in denen wir uns anpassen mussten, kennen wir die Perspektive der Flüchtlinge gut“, meint Cordula Weber. Dazu kommen die Erfahrungen mit dem islamischen Glauben, die alle Mitglieder der Gemeinschaft in Afrika sammeln konnten.

Keine Sozialarbeiter, sondern Religionsgemeinschaft

Aber auch jeder von ihnen hat noch besondere Aufgaben: So unterstützen die beiden Pater die Seelsorgeeinheit beispielsweise im Gottesdienst oder bei Beerdigungen und Schwester Flora ist beim Flüchtlingspastorat tätig. „Trotz allem: Wir sind keine Sozialarbeiter, sondern eine Religionsgemeinschaft“, stellt Helmut Revers klar. Das Zusammenleben, das Gebet und der Austausch seien äußerst wichtig für die Gruppe. Die Motivation ist es, den Glauben zu bestärken und nicht etwa, jemanden zu konvertieren.

Und wie ist der Eindruck bisher? „Es wird schon sehr viel in der Flüchtlingsarbeit gemacht“, weiß Flora Ridder. Allerdings werde es zunehmend schwieriger, Ehrenamtliche zu finden.

Kongolesischer Mitbruder lernt in Freiburg Deutsch

Für die Glaubensgemeinschaft soll im September oder Oktober eine interkulturelle und interreligiöse Begegnungsstätte in der Amalienstraße entstehen, wohin die Mitglieder dann ziehen und dort auch kleinere Gruppen empfangen können. Dazu wird der kongolesische Mitbruder Pater Emmanuel Lyanoyende stoßen, der zurzeit in Freiburg Deutsch lernt.

Der Angst vor dem Islam entgegenwirken

Vieles müsse sich noch entwickeln, macht die Gemeinschaft „Lavigerie“ deutlich. Doch die Begegnung mit Menschen anderen Glaubens, vor allem des Islams, liegt ihnen schon jetzt besonders am Herzen. Sie wollen der Angst vor dem Islam entgegenwirken. „Durch die Begegnung mit Menschen verschiedener Kulturen wollen wir diese Ängste abbauen“, so Otto Mayer. Man müsse dabei beide Seiten hören und dürfe nichts schönreden. „Die Hauptperspektive darf hierbei aber keinesfalls Gewalt und Terrorismus sein, was leider sehr oft der Fall ist.“

Die Gemeinschaft „Lavigerie“ freut sich über Kontakt zu Menschen jeder Kultur und Religion. Weitere Infos gibt es hier.