In Belgrad über 8 Meter? Mit 7,82 Meter wurde Weitspringer Julian Howard von der LGR Karlsruhe in Leipzig Deutscher Hallenmeister. Bei der Hallen-EM vom 3. bis 5. März in der serbischen Hauptstadt ist er der einzige deutsche Springer. | Foto: dpa

Howard und Kessler zur EM

LGR Karlsruhe: Zwei für Belgrad

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Dass Julian Howard die Weitsprung-Konkurrenz bei den deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig mit einer „Gurke“ für sich entschied – geschenkt. „Man kann schon sagen, so wie ich beim Absprung den Balken getroffen habe, war das suboptimal“, meint Howard schmunzelnd. „Aber“, fügt der Top-Springer der LGR Karlsruhe hinzu, „wenn man einen DM-Titel holt, dann darf man grundsätzlich zufrieden sein. Auch wenn es ’nur’ 7,82 Meter gewesen sind.“ Der weiteste Satz gelang Howard im vierten Durchgang. Doch jeder seiner drei gültigen Sprünge hätte für Gold gereicht. Der Zweitplatzierte Gianluca Puglisi  vom Königsteiner LV kam auf 7,71 Meter.

Entschädigung für die letzten beiden Jahre

„Ich habe gewonnen. Das war mein großes Ziel“, sagt Julian Howard. Es war nach 2014 sein zweiter nationaler Triumph unter dem Hallendach. „Und es war Entschädigung für die letzten beiden Jahre“, so Howard. Da war er jeweils Zweiter geworden. Hinter Alyn Camara. Zum Duell mit dem Titelverteidiger – dessen Siegerweite 2016: ebenfalls 7,82 Meter) – kam es nicht. Der Mann vom ASV Köln (5./7,56 Meter) ist trotz Trainerwechsel meilenweit von seiner Bestform entfernt.

Howard einziger deutscher Weitspringer bei der EM

Ganz anders Julian Howard. Der Lehramtsstudent (Mathe, Sport) hakte direkt bei seinem Saisoneinstieg beim Indoor Meeting Karlsruhe Anfang Februar mit 7,97 Meter die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderte Norm (7,90) für die Hallen-Europameisterschaft am kommenden Wochenende (3. bis 5. März) ab. „In Belgrad hoffe ich mal so aufs Brett zu kommen, dass es abgeht“, sagt Howard.

 

Die Weitsprung-Konkurrenz bei der EM sehe „nicht so übertrieben“ aus, meint Julian Howard. „Alle sind bisher knapp über acht Meter gesprungen, wenn’s passt bin ich auf Augenhöhe“. Die Nummer eins der DLV-Hallenbestenliste wird auf jeden Fall einziger deutscher Weitspringer in der serbischen Hauptstadt sein. „Das“, sagt der 27-Jährige von der LGR Karlsruhe, „ist ein besonderes Privileg. Der interne Druck fällt schon Mal weg, ich kann nur auf mich schauen. Also ich sehe das nicht als Bürde sondern positiv.“

Athlet der LGR Karlsruhe „pfeilschnell“

Zuversichtlich blickt Udo Metzler, Trainer der LGR-Weitsprunggruppe um „Frontmann“ Howard, dem EM-Auftritt seines Athleten entgegen. Europäische Überflieger hat auch er nicht ausgemacht. „Julian ist pfeilschnell. Am Olympiastützpunkt Frankfurt wurde für ihn eine Anlaufgeschwindigkeit von 10,7 Meter/Sekunde gemessen. Das ist ein Spitzenwert. Julian lebt von der Geschwindigkeit. Er war noch nie so schnell, er muss nur noch vorne rein springen.“ Dass Julian Howard (Hallen-Bestweite 2016: 8,03 Meter) nach drei bescheidenen, von Verletzungspech geprägten Jahren, die DLV-Weitsprungfahne hochhält, sei „eine riesen Genugtuung“, sagt Metzler.

Starkes gespann: Weitspringer Julian Howard und Trainer Udo Metzler von der LGR Karlsruhe.
Starkes Gespann:  Weitspringer Julian Howard und sein Trainer Udo Metzler von der LGR Karlsruhe. Zuversichtlich blicken sie der Europameisterschaft entgegen. | Foto: pr

Wäre da nur noch die Sache mit der „frühen“ Qualifikation. „Die Quali ist am Freitagmorgen um 9.40 Uhr, eine ungewohnte Zeit, mitten in der Nacht“, meint Howard und lacht. „Da muss man früh raus, schnell den Kreislauf in Schwung bringen und sich kurz vor acht Uhr warm machen.“ Um zu wissen, wie sich das anfühlt, habe man schon Mal das eine oder andere Früh-Training eingebaut, verdeutlicht Udo Metzler. Er rechnet mit einer Qualifikationsweite von „7,90 oder 7,95 Meter“. Metzler: „Natürlich wollen wir das packen. Im Finale werden die Karten dann neu gemischt. Wenn Julian fit ist, kann er über acht Meter springen.“

Christoph Kessler aus Karlsruhe für die 800 Meter qualifiziert

Julian Howard ist in Belgrad zwar der einzige deutsche Weitenjäger, nicht aber der einzige Starter der LGR Karlsruhe im 45-köpfigen DLV-Aufgebot. Über 800 Meter trägt Christoph Kessler das DLV-Trikot. Wie Howard hat sich auch der Mittelstreckenläufer aus der LGR-Trainingsgruppe von Günther Scheefer beim Karlsruher Indoor Meeting die EM-Fahrkarte gesichert. Und das mit neuer persönlicher Hallen-Bestzeit von 1:47,81 Minuten. Bei der Hallen-DM in Leipzig wurde der baden-württembergische Meister und Zweite der DLV-Bestenliste in einem „Fotofinish“ von Lokalmatador Robert Farken (Siegerzeit: 1:49,78 Minuten) um drei Hundertstel bezwungen.

Fotofinish: Drei Hundertstel musste sich Christoph Kessler von der LGR Karlsruhe (links) bei der Hallen-DM im 800-Meter-Finale dem Leipziger Robert Farken geschlagen geben
Fotofinish bei der Hallen-DM: Drei Hundertstel musste sich Christoph Kessler von der LGR Karlsruhe (links) im 800-Meter-Finale  Robert Farken (Mitte) geschlagen geben. | Foto: dpa

„Ich hätte früher versuchen müssen, vorbei zu kommen“, analysierte Kessler den Rennverlauf, konnte aber auch mit Silber hinter dem Jahresbesten (1:47,65) ganz gut leben. Jetzt fährt der deutsche U-23-Freiluft-Meister von 2016 nach Belgrad, „um zu genießen“, wie er sagt. Und um zu sehen, was bei den Senioren auf internationalem Parkett so abgeht.

Will seinen EM-Start genießen: Mittelstreckenläufer Christoph Kessler von der LGR Karlsruhe vertritt über 800 Meter die deutschen Farben.
Will seinen EM-Start genießen: Mittelstreckenläufer Christoph Kessler von der LGR Karlsruhe vertritt über 800 Meter die deutschen Farben. | Foto: pr

 

„Die EM ist eine tolle Sache. Ich hatte sie erst mal gar nicht eingeplant“, erzählt der KIT-Student, der in den vergangenen beiden Jahren „so oft an Normen vorbei gelaufen“ war. „Sehr zufrieden“ mit Christoph Kesslers Auftritt in Leipzig zeigte sich Günther Scheefer. „Die EM-Nominierung zu bestätigen war viel wichtiger, als der zweite Platz“, meint der LGR-Coach – und blickt in Richtung Belgrad. „Auf der Mittelstrecke geht es in Europa sehr eng zu. Da gibt an die 40 Leute, die Zeiten zwischen 1:45 und 1:49 bieten können“, betont Scheefer. „In den Endlauf zu kommen, ist ein Glücksspiel auf hohem Niveau und hängt auch von der Konstellation des Vor- und Zwischenlaufes ab“, sagt er.

Den Vorlauf möchte ich auf jeden Fall überleben

„Das Halbfinale wäre eine enorme Aufgabe. Aber den Vorlauf möchte ich auf jeden Fall überleben“, verrät Christoph Kessler sein Ziel. „Klappt das“, fügt sein Trainer hinzu, „ist es auch nicht ausgeschlossen, dass Christoph bis in den Endlauf kommt.“