Wenn die Hormone Party feiern
Auf so engem Raum kann es aktuell zu Stress in den Familien kommen. | Foto: © Dan Race / Adobe Stock

Eltern-Stresstelefon hilft

Welche Probleme gestresste Eltern in der Corona-Krise haben

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Die Corona-Krise stresst viele Eltern. Sie suchen Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen: Welche Möglichkeiten der Entlastung gibt es? Was kann ich gegen die Langeweile der Kinder tun? Wie kann ich die momentane Situation kindgerecht erklären?

Diese und weitere Fragen können Eltern seit Montag beim Eltern-Stresstelefon des Karlsruher Kinderschutzbunds stellen. Dort werden sie von sozialpädagogischen Fachkräften beraten. Eine davon ist Elsbeth Reichert (65), Fachbereichsleitung Familienpaten, Familienberatung und -begleitung. Sie gibt den Eltern kostenlos Tipps aus ihrem Homeoffice in Ettlingen – wenn gewünscht auch anonym.

Geregelter Tagesablauf und Tipps für Spiele

Laut der Sozialarbeiterin herrsche vor allem eine Unsicherheit, wo sich die Kinder jetzt noch aufhalten könnten. Ein weiteres Problem sei bei Alleinerziehenden die Ungewissheit, wo sich das andere Elternteil in der Zeit aufhält und wie viele Kontakte dieser hätte. „Hier empfehle ich auch die zwei Meter Abstand wie bei anderen Personen“, sagt Reichert.

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So unbeschwert läuft es bei vielen Familien in Zeiten von Corona oftmals nicht.
So unbeschwert läuft es bei vielen Familien in Zeiten von Corona oftmals nicht. | Foto: Kinderschutzbund Karlsruhe

In einem der Fälle sei für die Zeit auch der Umgang ausgesetzt worden. Die Familientherapeutin möchte den Eltern in den Gesprächen ihre Angst nehmen und während des Telefonats individuelle Lösungswege erarbeiten. „Oft kommen die Betroffenen dann schon selbst auf eine Idee“, so die 65-Jährige. Sie erarbeitet mit den Anrufern beispielsweise einen Tagesablauf und gibt auch Tipps für einfache Spiele zwischendurch.

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Was viele in diesen Zeiten vergessen sei das Zuhören. „Auch machen sich viele zu großen Druck“, sagt die Ettlingerin. In Zeiten wie diesen sei es auch einmal okay, nicht ganz so streng bei der Erziehung zu sein und auch den Haushalt ruhen zu lassen.

Unverständnis von Arbeitgebern

„In einem Fall stieß eine Frau, deren Mann im medizinischen Bereich arbeitete, auf Unverständnis bei ihrem Arbeitgeber, dass sie nicht so ohne Weiteres mit ihren zwei Kindern im Homeoffice arbeiten könnte“, sagt die Expertin, bei der sich bisher mehr Frauen als Männer gemeldet hätten. Bei einem weiteren Gespräch befürchtete eine Supermarkt-Mitarbeiterin, dass sie bei der Arbeit nicht genügend geschützt sei und ihre Kinder anstecken könnte. Nach einigen Rückfragen stellte es sich heraus, dass es doch ausreichend sei.

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Kontakt zum Eltern-Stresstelefon des Kinderschutzbunds gibt es über die die Webseite www.kinderschutzbund-karlsruhe.de oder den Anrufbeantworter in der Geschäftsstelle unter 0721-842208. Die Mitarbeiterinnen bleiben zu ihrem eigenen Schutz im Homeoffice. Für die Sorgen und Nöte von Kindern und Jugendlichen ist die bundesweite „Nummer gegen Kummer“ (116 111, Montag bis Samstag, 14 bis 20 Uhr) eine weitere Anlaufstelle.