Massenweise BMW-Lenkräder, -Navis und -Airbags beschlagnahmte die Einsatzgruppe „Zeppelin“ des Polizeipräsidiums Mannheim bei einer Festnahme im Februar.
Massenweise BMW-Lenkräder, -Navis und -Airbags beschlagnahmte die Einsatzgruppe „Zeppelin“ des Polizeipräsidiums Mannheim bei einer Festnahme im Februar. | Foto: Polizeipräsidium Mannheim

BMW-Fahrzeuge im Visier

Welle an Autoaufbrüchen in der Region

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Wie ein Magnet zieht die Innenausstattung der bayrischen Fahrzeuge Diebe an. Etwa 1 500 Euro ist beispielsweise ein BMW-Multifunktionslenkrad wert. Mehr als 50 Aufbrüche der bayrischen Flitzer im Stadt- und Landkreis meldete die Polizei seit Beginn des Jahres, zuletzt in der Nacht auf Donnerstag zwei Fälle aus der Nordstadt. Nur selten scheiterten die Täter beim Versuch. Fast immer entwendeten sie festeingebaute Navigationssysteme, Airbags und Lenkräder. Begehrte Ware, die später mutmaßlich im osteuropäischen Ausland weiterverkauft wird.

Täter sind Fachmänner

„Das sind Leute, die wissen, was sie tun“, meint Werner Rastetter, Leiter des Dezernats für Eigentumsdelikte des Polizeipräsidiums Karlsruhe: „Die Täter wählen technisch aus, welche Teile sie aus den Fahrzeugen wiederverwenden können und wissen, wie man sie fachgerecht ausbaut.“ Häufig sind es Gruppen aus dem Osteuropa, so Rastetter. Da die Spuren meistens an der Grenze enden, bleiben viele Fälle ungeklärt. Durch den Einsatz einer Schwerpunktstreife will die Polizei die Autoknacker künftig auf frischer Tat ertappen.

Gesamte Region im Visier

Doch nicht nur im Stadt- und Landkreis Karlsruhe wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche BMW-Besitzer Opfer der spezialisierten Diebesbanden. Vielmehr zieht sich die Aufbruchspur durch die gesamte Region.

Seit über einem Jahr sind Banden unterwegs, die Fahrzeuge der Marke BMW im Visier haben.

Zur Aufklärung der sich häufenden Fälle richtete das Polizeipräsidium Mannheim 2016 die Einsatzgruppe „Zeppelin“ ein. „Seit über einem Jahr sind Banden unterwegs, die Fahrzeuge der Marke BMW im Visier haben“, bestätigt Norbert Schätzle von der Mannheimer Polizei. Anfang Februar gelang es den Ermittlern, drei Litauer im Alter von 19, 20 und 53 Jahren festzunehmen. Sie stehen im Verdacht, einer Bande anzugehören, die unter anderem im Landkreis Karlsruhe Navigationsgeräte, Bedienelemente, Displays und Multifunktionslenkräder aus den bayrischen Wagen gestohlen haben soll. Über 100 Taten mit einem Schaden von rund einer Million Euro gehen vermutlich auf deren Konto, so die Polizei.

Trend in der Statistik zu erkennen

Recherchen der Einsatzgruppe „Zeppelin“ ergaben, dass die Straftäter offenbar aus dem nördlichen Landkreis Karlsruhe heraus agierten. Laut Statistik der Karlsruher Polizei war der Landkreis 2016 am stärksten von Kfz-Aufbrüchen, mit dem Ziel festeingebaute Navigationssysteme und Airbags zu entwenden, betroffen: Die Anzahl der Navi-Diebstähle stieg um 86,6 Prozent und beinahe doppelt so viele Airbags verschwanden im Vergleich zum Vorjahr 2015. Auch im Stadtkreis stiegen die Zahlen der nach einem Pkw-Aufbruch ausgebauten Airbags sowie von festeingebauten Navigationssystemen drastisch an.

Osteuropäische Banden unter Verdacht

Weiter geht die Polizei von der Beteiligung osteuropäischer, meist organisierter und eigens dafür eingereister Tätergruppen aus. Meistens brechen sie die Autos durch Einschlagen oder Einwerfen der Seitenscheiben auf.

Die Sicherheit der Insassen steht vor dem Diebstahl-Schutz.

„Die Diebe nutzen ein Sicherheits-Feature unserer Fahrzeuge aus“, erklärt Dieter Falkensteiner von der BMW-Pressestelle in München. Dies ermöglicht dem Fahrer, den Wagen im Notfall verlassen zu können, obwohl dieser verriegelt ist. „Die Sicherheit der Insassen steht vor dem Diebstahl-Schutz“, betont er. BMW arbeite daran, Einbruch und Diebstahl weiter zu erschweren und unattraktiv zu machen, so Falkenstein: „Seit 2016 haben wir Maßnahmen implementiert, die einen Wiederverbau extrem erschweren.“

Polizeilicher Rat für BMW-Besitzer

Werner Rastetter von der Polizei Karlsruhe rät BMW-Besitzern unterdessen, sich bewusst zu sein, dass ihr Auto sehr begehrt ist: „Parken sie ihr Fahrzeug dort, wo es „sicher“ steht, nicht in dunklen Ecken.“