Niedrigwasser vor der Kulisse des südlichen Oberrheins und des Naturschutzgebietes des Auer Altrheins. | Foto: Bundesanstalt für Wasserbau

Niedrigwasser in Karlsruhe

Wenn der Rheinpegel sinkt

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Im vergangen Jahr erreichte der Niedrigwasserstand des Rheins bei Karlsruhe einen Rekordwert von 3,11 Metern (Pegel Karlsruhe-Maxau), somit wurde der alarmierende Wert aus dem Rekordsommer 2003 um weitere neun Zentimeter unterschritten und insgesamt der niedrigste Pegel seit 1972 gemessen. Über ein halbes Jahr und eine frühsommerliche Hitzewelle später konnte die Natur die Niederschlagsdefizite der vergangenen Monate noch nicht ausgleichen.

Von Lorenz Weber, Sara Li Bogenschütz, Laura Reich-Diez

Durch seine günstige Anbindung an Wirtschafts- und Industriegebiete in Europa gilt der Rhein als wichtiger Handelsweg für den Transport verschiedener Güter quer durch Deutschland. Sinkt jedoch der Wasserpegel des Rheins, schränkt dies die Schifffahrt ein. Der Gütertransport ist dann nur mit verringerter Ladung möglich oder muss im schlimmsten Fall temporär eingestellt werden. Die sich daraus ergebenden Lieferengpässe können zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Hinzukommende Zwangspausen im Fährbetrieb sorgen zudem für Unmut bei den Pendlern.

Niedrigwasser am Rhein erfordert Umdenken

Aufgrund trockener und wärmerer Sommer muss zukünftig mit niedrigeren Wasserständen kalkuliert werden. Eva Mannhardt von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LuBW) spricht von einem „deutlichen zusätzlichen Anstieg der Trocken- und Niedrigwasserperioden im Sommer“, mit welchem in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu rechnen sei. Als Folge des Klimawandels ließen sich in Süddeutschland regional unterschiedliche Entwicklungen der Niedrigwassersituation feststellen. In der Summe tendiere die Mehrzahl der Pegel zu geringen Abnahmen der Niedrigwasserabflüsse, so Mannhardt weiter. Um möglichen ökologischen und volkswirtschaflichen Schäden vorzubeugen, wird vielerorts die Entwicklung langfristiger Vorsorgekonzepte gefordert.

Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Temperatur des Wassers, die ausschlaggebend ist für das ökologische Gleichgewicht in Gewässern. Bei steigender Temperatur im Fluss sinkt der Sauerstoffanteil, dessen Erhalt lebenswichtig ist für Wasserpflanzen und den Fischbestand. Laut einer Bestandsaufnahme der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) wird eine Erhöhung der Wassertemperatur bis 2020 um 1,5 Grad prognostiziert, jedoch sei die Erwärmung klimatisch bedingt und weise keine signifikanten Effekte der Wärmeeinleitung auf.

Sorge um Lebensraum einiger Fischarten

„Niedrigwasser und der daraus resultierende Wassermangel, in Kombination mit heißen Temperaturen, ließen den Lebensraum einiger Fischarten schrumpfen“, erklärt Ingo Kramer, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg (LFVBW).  Fische, etwa Äsche und Barbe, würden als Folge in die oberen Flussläufe ausweichen, erhöhte Wassertemperaturen und Wassermangel gebe es jedoch auch dort, so Kramer.

Sorgenkind Lachs

Bisherige Bemühungen der Fischereiverbände zeigen erste Erfolge: Noch etwas scheu, aber zaghaft zeigt sich der Lachs wieder in den Gewässern des Rheins. Die großflächige Wiederansiedlung des Lachses im Dreiländereck entstammt der Kooperation französischer, schweizerischer und deutscher Fischereiverbände. Für Ingo Kramer lassen die Erfolge der vergangenen Jahre auf eine Verbesserung des Gewässerzustandes des Rheins schließen. Der Lachs, der als das Sorgenkind der im Rhein heimischen Fischarten gelte, beweise durch seinen wachsenden Bestand, dass sich auch die anderen heimischen Fischarten im Rheingewässer wieder wohler fühlen könnten, so Kramer.