Für die Kastration von Katzen sammelt der Landestierschutzverband Spenden. Patrick Pleul/Archiv | Foto: dpa / Patrick Pleul/Archiv

„Kastration ist Tierschutz“

Wenn Katzen unter Freiheit leiden

Sie sind häufig krank, verletzt, unterernährt oder kommen unter die Räder: heimatlose Katzen. Ihre Zahl steigt in Baden-Württemberg seit Jahren. Tierschützer sammeln jetzt Spenden für eine landesweite Kastrationsaktion.

Von Janina Keller

Heimatlose Katzen brauchen mehr als nur Zuneigung und Futter. Oftmals führen sie ein Leben geprägt durch Krankheit, Hunger und Leid. Doch um dagegen ankämpfen zu können, müsse man an anderer Stelle ansetzen, heißt es beim Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Im November und Dezember ruft dieser daher zu Spenden für eine landesweite Katzenkastrationsaktion auf.

Enorme Überbevölkerung bei freilebenden Katzen

Zum ersten Mal wende man sich nun an die Öffentlichkeit, sagt Martina Klausmann vom baden-württembergischen Tierschutzverband. Weil so wenig Kastrationen stattfinden, gebe es eine enorme Überbevölkerung bei freilebenden Katzen. Durch die Kastrationsaktion wollen die Tierschutzvereine gemeinsam die Vermehrung der streunenden Samtpfoten eindämmen, Infektionsketten unterbrechen und das Leiden reduzieren.

„Die Kastration einer Katze kostet zwischen 120 und 140 Euro“

„Aktuell leben in unserer Einrichtung über 120 Katzen, die wir versuchen, innerhalb eines Monats zu vermitteln. Unsere Erfolgsrate ist gut. Doch die Tierarztkosten sind derart hoch, dass wir auf Spenden angewiesen sind. Die Kastration einer Katze kostet zwischen 120 und 140 Euro“, berichtet Wera Schmitz von der Katzen-Hilfe Karlsruhe.

Eine ausgesetzte Katze im Tierheim.
Eine ausgesetzte Katze im Tierheim. | Foto: dpa

Enorme finanzielle Belastung für die Tierschutzvereine

Bereits sechs Monate nach ihrer Geburt sind Katzen zum ersten Mal paarungsfähig, zudem können sie mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen. Die Tierschutzvereine im Land versuchen seit Jahren, die Folgen einzudämmen: Wilde Katzen werden medizinisch versorgt, kastriert und anschließend vermittelt oder freigelassen. Hieraus entstehen starke finanzielle Belastungen, die die Vereine ohne Hilfe nicht schultern können.

„Die enorme Anzahl freilebender Katzen zu kastrieren ist eine langwierige und kostspielige Angelegenheit. Deshalb versuchen wir, Gelder einzuwerben, und unterstützen die kommunalen Vereine seit 2012 auch finanziell“, betont Klausmann vom Landestierschutzverband: „Wir verteilen Spendengelder sowie Finanzzuschüsse an die jeweiligen Tierschutzvereine, damit diese sie dann in ihrem Zuständigkeitsgebiet einsetzen. Die ansässigen Tierärzte rechnen nach Tarifverordnung ab. Hier gibt es keine Sonderpreise, egal ob für Privatperson oder für den Tierschutzverein.“

Seit langem Kastrationsgebot gefordert

In diesem Jahr unterstützt der Landesverband seine 115 Mitgliedsvereine bei der Kastrationsaktion mit insgesamt 30 000 Euro. Auf Mithilfe hoffen die Tierschützer durch Spenden von Katzenliebhabern, Privatpersonen sowie Unternehmen. Stefan Hitzler, der stellvertretende Vorsitzende vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg, stellt fest, dass es nötig wäre, das seit langem geforderte Kastrationsgebot für die Halter von Freigängerkatzen einzuführen. Doch viele Kommunen wehren sich dagegen.

Warum das so ist, weiß die Vorsitzende der Katzen-Hilfe, Wera Schmitz: „Ich war live bei den Verhandlungen dabei. Laut Gutachter gäbe es nicht genug kranke Katzen oder solche, die andere Lebewesen gefährden, um das Gebot durchzusetzen. Würden wir jetzt allerdings nichts mehr tun, dann wäre dieser Zustand in zehn Jahren erreicht.“ Das könne jedoch keiner der Tierschützer verantworten. Also bleibe die Arbeit weiterhin an ihnen hängen, so Schmitz.

Laut Deutschem Tierschutzbund wurde bereits in zirka 355 Orten Deutschlands eine „Kastrationsverordnung“ eingeführt. Ganz vorne dabei sind Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Baden-Württemberg wurde bisher kein Gebot für Katzenhalter erlassen.

Regina Titzenthaler vom Tierheim Karlsruhe hielte eine Verordnung in jedem Fall für sinnvoll: „Wir bekommen jedes Jahr besonders im Frühling viele neugeborene Katzenjunge, die unerwünscht auf die Welt kamen und letzten Endes bei uns landen.“

Katze. :
Katze. : | Foto: dpa / Jens Büttner/Archiv

Tierheime sind überfüllt

„Jeder Katzenhalter, gerade von unkastrierten Katern, trägt dazu bei, dass sich die Tiere exponentiell vermehren“, klärt Martina Klausmann auf. Unerwünschter Nachwuchs werde später eben in Tierheimen abgegeben. Diese aber seien überfüllt und es fehle an Versorgungsmöglichkeiten.

„Häufig glauben die Menschen, dass sie den streunenden Katzen helfen, indem sie sie füttern. Dadurch allein wird das Katzenelend allerdings nicht bekämpft“, bestärkt Hitzler vom Landesverband seine Tierschutz-Kollegen. Die flächendeckende Kastration könne helfen, sei aber von den örtlichen Tierschutzvereinen nicht zu stemmen.

Auf die Frage, weshalb die Kastrationsaktion des Landestierschutzverbandes von so großer Bedeutung sei, antwortete Schmitz von der Katzen-Hilfe ohne nachzudenken: „Wer nicht weiß, wieso das so wichtig ist, der soll einfach einmal hierherkommen zu uns.“

Rund 22 Prozent der deutschen Haushalte besitzen eine Katze oder einen Kater. Mit einer Gesamtanzahl von etwa 12,9 Millionen Katzen stehen die Samtpfoten damit an erster Stelle der Heimtiere – Tendenz steigend. (Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland, 2015).

Eine einzige unkastrierte Katze und ihre Nachkommen können rein rechnerisch in nur sieben Jahren um die 370 000 Katzen zeugen, heißt es bei der Tierschutzorganisation Peta.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland aktuell etwa zwei Millionen Katzen ohne Heimat und ohne dauernden Bezug zu Menschen.

Wer zur Kastrationsaktion beitragen möchte, kann unter dem Stichwort „Kastration freilebender Katzen“ eine Spende überweisen auf das Konto des Landestierschutzverbandes BW,
IBAN: DE36 6805 0101 0002 3919 99.

 

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