Babys
Nicht jede Mutter kann ihren Säugling stillen. Hier können Muttermilchbanken helfen. Ist im Städtischen Klinikum in Karlsruhe eine Muttermilchbank geplant? | Foto: Waltraud Grubitzsch

Anfrage der Grünen

Wenn Stillen nicht möglich ist: Ist eine Muttermilchbank für Karlsruhe geplant?

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Ist im Städtischen Klinikum in Karlsruhe eine Muttermilchbank geplant? Das wollen die Grünen-Stadträte in einer aktuellen Anfrage erfahren. In einer Muttermilchbank wird gespendete und auf Keime kontrollierte Muttermilch vorrätig gelagert. In Ostdeutschland haben Muttermilchbanken eine lange Tradition.

Muttermilch ist die gesündeste Nahrung für Neugeborene, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. Insbesondere bei Frühgeborenen verringere sie die Gefahr gesundheitlicher Schäden. Stadträtin Verena Anlauf, die Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums ist, erläutert: „Das Klinikum Karlsruhe ist mit seiner Geburtsabteilung auf Risikoschwangerschaften und Risikogeburten sowie sehr kleine Frühgeborene spezialisiert. Viele Mütter von Frühgeborenen können jedoch nicht stillen, daher besteht für diese Babys ein dringender Bedarf an Muttermilch.“

Rund 20 Muttermilchbanken in Deutschland

Derzeit existieren nach Angaben der „European Milk Bank Association“ in Deutschland rund 20 Muttermilchbanken. Damit befindet sich Deutschland europaweit in der Spitzengruppe. Die meisten Milchbanken gibt es in Italien. Dort sind es aktuell 37.

In Ostdeutschland haben Milchbanken eine lange Tradition. Seit 2017 besteht im Uniklinikum Freiburg die erste derartige Einrichtung in Baden-Württemberg. Spenderinnen sind Mütter von Früh- oder Neugeborenen, die über den Bedarf ihres eigenen Kindes hinaus Muttermilch bilden, und die ihre Milch für die Ernährung von anderen Frühchen im Klinikum spenden. Die gespendete Milch wird vor einer weiteren Verwendung untersucht und dann keimfrei gelagert.

„Nach den bestehenden guten Erfahrungen möchten wir prüfen, ob eine solche Einrichtung auch für Karlsruhe und Nordbaden sinnvoll wäre“, so die Grünen abschließend.

Vorsicht bei Muttermilchbörsen

Während Muttermilchbanken in der Regel an Kliniken angeschlossen sind, in denen die Muttermilch streng kontrolliert wird, gibt es jedoch auch sogenannte Muttermilchbörsen. Diese dienen dem privaten Austausch von Muttermilch und sind vorzugsweise im Internet zu finden. Die Nationale Stillkommission und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnen hier aber vor einem gesundheitlichen Risiko für die Säuglinge. Bei Muttermilchspenden sollten vergleichbar strenge Hygienevorschriften beachtet werden wie beim Blutspenden, heißt es in einer Stellungnahme der Nationalen Stillkommission auf der Internetseite des Bundesinstituts für Risikobewertung. Untersuchungen der Milch sind jedoch gesetzlich nicht verpflichtend. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass Spenderinnen übertragbare Krankheiten haben oder Medikamente einnehmen, deren Wirkstoffe in die Milch übergehen. Auch könnten Hygiene und Qualität der Milch durch unsachgemäßen Umgang – beispielsweise beim Abpumpen, Lagern, Kühlen oder beim Transport – leiden.

Ist Muttermilch in jedem Fall besser?

„Muttermilch ist die gesündeste Nahrung für Neugeborene“, schreiben die Grünen in der Pressemitteilung. Viele wissenschaftliche Studien stimmen dem zu. Doch nicht jede Mutter kann ihr Kind stillen. Dass in diesem Fall sogenannte Frauenmilch aus Muttermilchbanken die bessere Alternative zu industriell hergestellter Säuglingsmilchnahrung ist, ist jedoch nicht zwangsläufig richtig. Wie auch die Nationale Stillkommission mitteilt, ändert sich die Zusammensetzung der Milch im Laufe der Stillzeit. Neugeborene benötigen beispielsweise mehr Nährstoffe als Säuglinge, die bereits einige Wochen und Monate alt sind. Dementsprechend kann die Milch einer fremden Frau, deren Baby bereits etwas älter ist, für ein Neugeborenes ungeeignet sein.

(bnn)