Noch im Mai kann wieder bestuhlt werden.
Geschlossen: Solange die Kneipen und Restaurants dicht sind, verdienen viele Studenten kein Geld. Foto: jodo | Foto: jodo

Trinkgeld fehlt

Wenn Studierende wegen der Corona-Krise aufs Kellnern verzichten müssen

Anzeige

Viele Studierende finanzieren die akademische Ausbildung mit Nebenjobs in der Gastronomie. Kellnern ist beliebt – auch wegen des Trinkgelds. Seit jedoch die Kneipen und Restaurants wegen der Corona-Krise geschlossen sind, fehlt auch den Nachwuchs-Akademikern in Karlsruhe ein wichtiges wirtschaftliches Standbein.

Nikolai Schweikart hat sozusagen Glück im Unglück: „Meine Eltern zahlen meine Miete“, berichtet der 23-Jährige. Den Löwenanteil dessen, was er ansonsten noch zum studentischen Leben braucht, verdient er sich selbst. Mit Kellnern und Küchenarbeit. Eigentlich müsste man sagen: verdiente. Denn das Kap in der Kapellenstraße – der Arbeitgeber des Mannes – ist seit Wochen zu. Wie alle anderen Kneipen auch.

Auch interessant: Corona steht nicht in der Police: Gastronomen in der Region kämpfen um Versicherung

Das stellt viele angehende Akademiker vor Herausforderungen. Denn wohnen und essen müssen sie auch zu Corona-Zeiten. „Sicher“, sagt Nikolai Schweikart, „man hat in diesen Wochen auch kaum Gelegenheit, besonders viel Geld auszugeben“. Doch die ausbleibenden Überweisungen des Kap und das fehlende Trinkgeld merke er allemal, gibt der Student des Fachs KulturMediaTechnologie zu verstehen.

Jobben in Studentenkneipen ist beliebt

Jobben in Studentenkneipen ist eine beliebte Möglichkeit unter Studierenden, sich etwas dazuzuverdienen. Man braucht nicht gleich eine Ausbildung als Restaurantfachmann, kann sich die Stunden oft passend zum Semester einteilen und ist mit einem oft beachtlichen Trinkgeld dabei.

Ökonomische Fragen sind aber nur das eine. Das soziale Miteinander ist das andere. Meint jedenfalls Le Nguyen. „Für mich ist die Arbeit in der Gastronomie eine gute Möglichkeit gewesen, die deutsche Kultur zu verstehen und Leute kennenzulernen“, erklärt die angehende Sozialwissenschaftlerin. In mancher Kneipe hat sie gekellnert, Currywürste und Pizzen serviert, Weißbier aus kühlen Flaschen in hohe Halblitergläser gefüllt, und in asiatischen Wok-Garküchen Hühnchen süßsauer oder Bami Goreng fabriziert.

Auch interessant: Die Lage der Hotels in Baden-Baden ist dramatisch

Mit all dem ist jetzt erst mal Schluss, bedauert die Südkoreanerin. Natürlich wird es dadurch auch mit dem Geld etwas enger. Zwar seien die fixierten 450 Euro monatlich so üppig nicht, sagt Le Nguyen. Doch mit dem nebenbei verdienten Trinkgeld summiere es sich doch auf ein ansehnliches Sümmchen.

Immerhin: Auch sie muss zu Corona-Zeiten nicht darben. Nötigenfalls wende sie sich an ihre Eltern. „Ich glaube, sie würden sich freuen.“ Denn bei jedem Skype-Kontakt erneuerten die alten Herrschaften ihrer Bereitschaft, Barmittel zu überweisen.

Das Geld fehlt, die Fixkosten bleiben

„Ja“, bestätigt auch Tim Geret, „ein Einschnitt ist das schon“. Er ist 25, studiert International Management und ist seit Jahren auch als Servicekraft im Café Bleu anzutreffen. Jedenfalls unter normalen Bedingungen. Dann leistet er 45 Stunden pro Monat, freut sich über die vereinbarten 450 Euro und legt sich – damit es per Trinkgeld mehr wird – mit Freundlichkeit und seiner Kommunikationsstärke ins Zeug. Auf diese Weise hat er manche Freundschaft mit Stammgästen geschlossen und kennt sein Publikum bestens.

Das soziale Miteinander, die persönliche Ansprache – all das fehlt ihm. Aber eben auch das Geld, „denn der Fixkostenblock bleibt“. In seinem Fall sind das Miete, Nahrungsmittel und Versicherungen. Zum Glück hat er etwas gespart. „Aber auch das reicht nur für einen begrenzten Zeitraum“, erklärt Tim Geret.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Immerhin: Auch er macht die Erfahrung, dass er in diesen Wochen automatisch weniger Geld ausgibt. Denn Clubs, Kinos, Kneipen sind geschlossen – und selbst das gemeinsame Bierchen mit Freunden im Schlossgarten ist derzeit nicht möglich.

Erleichterungen für die Gastronomie wären schon gut.

Le Nguyen, angehende Sozialwissenschaftlerin imd Kellnerin

„Erleichterungen für die Gastronomie wären schon gut“, meint Le Nguyen. „Denn das sind am Ende ja auch Erleichterungen auch für uns Hilfskräfte.“ Einer möglichen Wiedereröffnung fiebert sie entgegen – „natürlich mit Abstand, Hygienevorschriften und größter Vorsicht“. Gut möglich, sagen die studentischen Servicekräfte, dass die Gäste sich freuen und das mit einem ordentlichen Trinkgeld zum Ausdruck bringen. Zumindest wünschen sie es sich.