Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten von der Konferenz "Hallo Digital". | Foto: Tanja Mori Monteiro

Rund um Digitalisierung

„Wenn’s bei mir klappt, klappt’s in jeder Branche“

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„Dank dem World Wide Web geht’s mir besser denn je“ – diese Aussage würde man aus dem Mund eines Metzgermeisters aus einem 350-Seelen-Dorf im Fränkischen nicht unbedingt vermuten. Doch Claus Böbel hat noch viel mehr zu erzählen bei seinem Vortrag auf der Konferenz „Hallo Digital“ auf dem Gelände des Alten Schlachthofs in Karlsruhe.

18 Vorträge für digitale Einsteiger

Insgesamt 18 Vorträge von Experten rund um das Thema Digitale Transformation sind wechselweise im Tollhaus und im Substage zu hören. Die Veranstaltung der Karlsruher Beratungsfirma Netzstrategen richtet sich an Unternehmer aus dem Einzelhandel, aus Klein- und mittelständischen Unternehmen und Verlagen sowie an alle, die den Einstieg ins Digitale wagen wollen.

Claus Böbel hat das bereits hinter sich. „Digitalisierung andersherum“, nennt er es. Seine Erfolgsstrategie: Upload statt Download, also das ureigene Geschäft, nämlich die Herstellung und den Verkauf von Wurst, mithilfe des Internets erfolgreicher zu machen. So hat Böbel mittlerweile nicht nur einen Lebensmittelversand über seine Website aufgebaut, er bietet auch Praxiskurse an und kann sich vor Anfragen „rund um die Wurst“ kaum noch retten. „Als Einzelhändler hast du heutzutage nur noch eine Chance, wenn du anders bist“, sagt Böbel. Und: „Wenn’s bei mir klappt, klappt’s auch in jeder anderen Branche“. Sein Erfolgsrezept: Verrückte Ideen nicht kaputtüberlegen, sondern einfach ausprobieren.

Arbeitsstrukturen verändern sich

Und das geht nicht nur für ihn auf. Katharina Heder empfiehlt in ihrem Vortrag mit dem Titel „Digital Leadership – Bereit für die Karriere der Zukunft“ genau das. „Digitalisierung verändert Führung, weil sich das Umfeld, in dem geführt wird, verändert“, sagt sie. Anders als bisher müsse man lernen, mit Risiken umzugehen, statt sie durch Risikomanagement-Strategien vermeiden zu wollen. „Wir sind nicht in einer Phase, in der Arbeit in gewissen Branchen weniger gebraucht wird. Es liegt ein tiefgreifender Wandel vor uns.“ Zukünftig würden nicht mehr Generalisten, sondern verstärkt Spezialisten in interdisziplinären Teams gebraucht.

Es ist ein kognitives Zeitalter

Gleichzeitig müsse sich jeder Arbeitnehmer darauf einstellen, lebenslang dazuzulernen, um für seinen Arbeitgeber relevant zu bleiben. „Es ist ein kognitives Zeitalter“, so Heder. „Wir müssen lernen, wie die Maschinen funktionieren, damit wir ihnen beibringen können, wie wir funktionieren.“ Zwischen und nach den offiziellen Vorträgen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit den Referenten – etwa Experten aus den Bereichen Content Marketing, Social Media Management oder Online-Journalismus.

Fortsetzung von „Hallo Digital“ ist angedacht

Auch Katja Heil, vielen Bräuten besser bekannt als die Frau hinter dem Blog „Fräulein K sagt ja“, erzählt von ihrem Weg von der Marketingabteilung eines großen Unternehmens über die Hochzeitsfotografie bei Freunden zum Blog mit eigenem Produktvertrieb rund um das Thema Hochzeit und Feste feiern. „Menschen folgen Menschen“, sagt die au Eggenstein stammende Heil, und daher seien Blogs eine gute Möglichkeit für Unternehmen, über Emotionalität, Glaubwürdigkeit und Vertrauen ihre Marke zu stärken.

Netzstrategen-Chef André Hellmann zeigt sich gegenüber den BNN zufrieden mit der ersten „Hallo Digital“: „Sprecher und Zielgruppe passen gut zusammen, so wie wir es uns vorgestellt haben.“ Zwar sei die Konferenz nicht ausverkauft, doch das sei auch nicht notwendig. „Es ist für uns alles auch eine Übung fürs nächste oder übernächste Jahr.“

Mehr zur Konferenz „Hallo Digital“ auf bnn.de: