Wenn das Zimmer so aussieht, könnte man beim Suchen das eine oder andere Problem bekommen. | Foto: © straucburg.de - Stock.Adobe.com

Wo war das nur?

Wer suchet, der findet (was anderes)

„Bitte bringen Sie den Kassenbeleg mit, wenn Sie das Gerät umtauschen wollen“, sagte die freundliche Dame am Telefon. Umtauschen wollte ich den nagelneuen CD-Player in der Tat, denn nach nicht einmal einer Woche hatte er bereits seinen Geist aufgegeben. Man hat sich ja heutzutage durchaus daran gewöhnt, dass manch teures Gerät nach einem Jahr kaputt geht – aber nach einer Woche? Ich holte den großen Briefumschlag aus dem Schrank, in dem ich seit Menschengedenken alle Belege und Garantiescheine aufbewahre. Fein säuberlich sortiert lagen da unter anderem die Kassenzettel des Kassettenrekorders (1974 gekauft), des Videorekorders (1981), des Röhrenfernsehers (1982) und des ersten Computers (1996). Auch die Belege für den Erwerb diverser Mobiltelefone, Brettspiele, Kühlschränke, Autos, Waschmaschinen, Modems und mechanischer Reiseschreibmaschinen – allesamt im vergangenen Jahrhundert erworben – lagen noch da. Allein – es fehlte, natürlich, der Kassenzettel des CD-Players.

Geheimer Treffpunkt

„Eigentlich könnte ich den ganzen Umschlag ins Altpapier werfen, denn das, was man gerade sucht, findet man ja ohnehin nie“, dachte ich und während ich so ins Grübeln geriet, fiel mir auf, dass dies tatsächlich schon immer so war. Als Jugendlicher hatte ich einst in der hintersten Ecke meines Zimmers einen geheimen Treffpunkt von lange verschollenen Dingen entdeckt. In friedlicher Eintracht mit Staubmäusen und Krümeln aller Art genossen dort mehrere Münzen im Gesamtwert von 1,25 Mark, eine Single-Schallplatte von Alice Cooper, ein Schokoriegel, ein Mofaschlüssel, eine Armbanduhr, zwei verschiedenfarbige Socken und ein Feuerzeug ein glückliches Leben – unbehelligt von Putzlappen oder suchenden Blicken. Eigentlich hatte ich seinerzeit nach einem Skatspiel geforscht. Das fand ich dann Jahre später, als ich in in einer Schublade verzweifelt nach meinem Reisepass kramte…

Die Schuhe sind wieder da

Was aber sollte ich nun mit dem vor einer Woche gekauften CD-Spieler machen? Umtauschen ging ja ohne Beleg nicht mehr, also stieg ich auf einen Küchenstuhl, um dem defekten Gerät ganz hinten auf dem Küchenschrank etwas Bedenkzeit zu geben. Vielleicht erholte es sich ja wieder. Und irgendwie hatte die ganze Sache ja auch etwas Gutes: Denn immerhin fand ich auf dem Schrank endlich meine alten „Gerd-Müller“-Fußballstiefel wieder. Die hatte ich seit der Fußball-WM 1974 schmerzlich vermisst. Wolfgang Weber