Einblicke in die Welt der Blüten und des Obstanbaus gab es beim alljährlichen Blütenrundgang auf dem Augustenberg. Hermann Meschenmoser (Mitte) und seine Kollegen hatten viele Fragen zu beantworten.
Einblicke in die Welt der Blüten und des Obstanbaus gab es beim alljährlichen Blütenrundgang auf dem Augustenberg. Hermann Meschenmoser (Mitte) und seine Kollegen hatten viele Fragen zu beantworten. | Foto: Klaus Müller

Gut besuchter Blütenrundgang

Die Natur hinkt etwa zehn Tage hinterher

Und jetzt ist fast schon Sommer. Sicher, die Bemerkung von Obstbaumeister Hermann Meschenmoser ist bewusst etwas überspitzt formuliert. Gleichwohl verbirgt sich darin eine Menge Wahrheit. Was sich vor ein paar Tagen alles andere als frühlingshaft anfühlte, entwickelte sich am Wochenende, insbesondere am Samstag, zu einer regelrechten Frühlingsexplosion bei frühsommerlichen Temperaturen. Noch einige wenige Tage mehr und hier, auf dem Augustenberg bei Durlach, dürfte sich ein weiteres explosives Schauspiel abzeichnen: die „Explosion“ der unzähligen Blüten an den Obstbäumen des Obsthofes; ein über 15 Hektar großer Lehr- und Versuchsbetrieb, der zum Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) gehört.

Auf und Ab ist Indiz für den Klimawandel

Zeigte sich vergangenes Jahr beim alljährlichen Blütenrundgang der Augustenberg in seiner ganzen Blütenpracht, mussten diesmal die Besucher schon genauer hinschauen, um in Ansätzen die beginnende Blüte zu erkennen. Dieses Auf und Ab, das belegen in den vergangenen Jahren immer wieder regional gesehen die Blütenanfänge auf dem Augustenberg, ist nicht nur für Meschenmoser ein sicheres Indiz für einen Klimawandel, für „Wetterausschläge“, die immer größer werden.
Allein: Beim wieder sehr gut besuchten Blütenrundgang fiel es dann schon schwer, sich mögliche Auswirkungen des Klimawandels auszumalen. Dafür war die Mischung aus Informationen, aus Fragen, Tipps, aus Interesse der Besucher, aus herrlichem Wetter einfach zu gut. Mal ging es um den „richtigen Schnitt“, mal um „alte Sorten“, die von vielen Hobbygärtnern vermisst werden, ein anderes Mal um Wirtschaftlichkeit, eine wichtige Kenngröße für Obstanbaubetriebe.

Mal wieder kein normaler Winter

Und ja, auch das taten Meschenmoser und seine Kollegen kund, es war im Grunde mal wieder kein normaler Winter. Die zu hohen Januartemperaturen sorgten bei Aprikosen und Pfirsichen für „Frühlingsgefühle“. Dann kamen der Februarfrost, der zu kalte März und zogen Aprikosen und Pfirsiche arg in Mitleidenschaft. „Mit der Blüte sind wir insgesamt gesehen etwa eine Woche bis zehn Tage hinterher“, sagte Meschenmoser. Dafür gebe es einen „super Blütenbesatz“; ein erstes Zeichen, dass die Obstbäume (nach dem schlechten Jahr 2017) für Großes bereit sind.

Jetzt fangen die Birnen an zu blühen. In den nächsten Tagen dürften sich die Blüten des Obsthofes explosionsartig entwickeln.
Jetzt fangen die Birnen an zu blühen. In den nächsten Tagen dürften sich die Blüten des Obsthofes explosionsartig entwickeln. | Foto: Klaus Müller

Spätestens jetzt sollte die Stunde der Bestäuber, der Bienen, der Wildbienen oder der Hummeln, schlagen. Und wie es darum bestellt? „Auf dem Augustenberg haben wir einige Bienenstöcke und ein Insektenhotel“, berichtete im BNN-Gespräch Michael Glas, Leiter des Referats Pflanzenschutz. Stichwort: Insektensterben. Dass daran etwas dran ist, stellt er nicht in Abrede. Er spricht von „vielfältigen Gründen“. Nein, die Landwirtschaft allein könne man dafür nicht verantwortlich machen. Vielen Insekten fehle mehr und mehr der Lebens- und Rückzugsraum – mit eine Folge der zunehmenden Flächenversiegelung.

Insekten brauchen mehr Lebensräume

Auch Hobbygärtner könnten ihren Teil beitragen, dass es wieder mehr Lebensräume für Insekten gebe: zum Beispiel durch Blütenpflanzen, die Biene und Co. mögen, durch weniger Steingärten, durch Sträucher und Hecken. Kurzum: „Wir müssen Angebote schaffen.“ Auch darüber informierten Meschenmoser und seine Kollegen. Augen auf und nicht vergessen: In den nächsten Tagen entfaltet sich die blühende Frühlingspracht.

 

Von Klaus Müller