Um eine zweite Rheinbrücke bei Karlsruhe wird nun auch juristisch gestritten | Foto: BNN-Archiv

Sanierung der Rheinbrücke

Wie geht es über den Fluss?

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Eine Grenze ist der Rhein nur im administrativen Sinn. Der Rhein trennt Frankreich von Deutschland und Baden-Württemberg von Rheinland-Pfalz. Nicht mehr. Begrenzend, was etwa die Begegnung von Menschen oder den Austausch von Waren betrifft, wirkt der Strom dank der ihn querenden Brücken schon lange nicht mehr. Begrenzend wirkt allenfalls deren Zahl und Lage, wie ein Blick auf die rechts neben stehende Grafik und die Nennung eines Dauerbrenners der Karlsruher Kommunalpolitik – „zweite Rheinbrücke“ – zeigen. Wie und wo kommt man also über den Rhein?

Wo und wie kommt man über den Rhein?

Von Speyer bis Kehl

Nehmen wir den gut 100 Kilometer langen Abschnitt von Speyer bis Kehl. Die Domstadt in der Pfalz genießt einen verkehrstechnischen Luxus, der in der badischen Residenzstadt umstritten ist: Bei Speyer gibt es zwei Straßenbrücken über den Rhein, deren Verkehrslast in der Summe etwas über dem liegt, was täglich den Fluss bei Karlsruhe quert. Die nördliche Querung bei Speyer ist die Brücke der A 61, 3,4 Kilometer südlich davon liegt die B 39, die mitten durch die Stadt führt.
Weiter südlich findet sich der „Neptun“ – ein reine Fußgänger- und Radlerfähre, die von Rheinhausen nach Speyer führt. Sie ist bei Ausflüglern überaus populär.

„Aushilfe“ Germersheim

Der B 35-Rheinbrücke bei Germersheim kommt im Fall einer Brückensperrung bei Karlsruhe entscheidende Bedeutung zu. Ihr dürfte der Großteil des Verkehrs zuwachsen, der üblicherweise auf der Querung nach Wörth liegt. Das wären werktäglich dann einige zehntausend Fahrzeuge zusätzlich. Allerdings ist die Regelbelastung der knapp 23 Kilometer nördlich Karlsruhe gelegenen Rudolf-von-Habsburg-Brücke Philippsburg – Germersheim nicht sehr hoch.

Fähren für Ortskundige

Keine neue Erfahrung für staugeplagte Pendler, die bei einer Sperrung der „Rheinbrücke Maxau“ Umwege suchen, bietet die Fähre Leopoldshafen – Leimersheim. Sie wird schon heute genutzt, wenn es auf der Südtangente wieder einmal nicht vorangeht. Ähnlich sind die Erfahrungen für die südlich Karlsruhe gelegene Autofähre Neuburgweier – Neuburg. Als Ausweichoption spielt die Fähre Plittersdorf – Seltz eine untergeordnete Rolle.

Winterdorf und Staufstufe Iffezheim

Das gilt nicht für die 26,4 Kilometer südlich Maxau gelegene „Wintersdorfer Brücke“ und die Staustufe Iffezheim, die im Abstand von zwei Kilometern den Strom queren. Beide werden gebraucht, wenn Karlsruhe – Wörth gesperrt wäre.

Kürzere Entfernung

Staustufe Gambsheim und Rheinbrücke Kehl/Straßburg sind zwar einiges entfernt von Karlsruhe. Aber mit 17 Kilometern Distanz liegen sie einiges näher beieinander als die „Rheinbrücke Maxau“ zu Germersheim und zur Staustufe Iffezheim.

FRAGEN UND ANTWORTEN

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die zweite Rheinbrücke ist ein Dauerbrenner. Aus Baden-Württemberg gibt es einen Planfeststellungsbeschluss dazu, derjenige aus Rheinland-Pfalz wird vor dem Jahresende erwartet. Fest steht frelich, dass im kommenden Jahr eine umfassende Sanierung der vorhandenen Brücke startet, die bei den Pendlern jetzt schon Sorgenfalten produziert. Unser Redaktionsmitglied Matthias Kuld hat beim Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) und beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) nachgefragt, wie das Projekt abgewickelt werden soll.

Bislang war neun Monaten Sanierungszeit in 2018 die Rede – trifft das noch zu?

Die Gesamtbauzeit wird zwischenzeitlich auf circa 14 Monate veranschlagt. Dies hat sich im Rahmen der Entwurfserstellung gezeigt.

Was genau wird denn eigentlich saniert?

Im Wesentlichen wird die Fahrbahnplatte ertüchtigt – also verstärkt. Außerdem sind Entwässerungs- und Schutzsysteme zu erneuern.

Welche Verkehrsführung ist während der Sanierungszeit vorgesehen?

Je nach Bauphase wird die Verkehrsführung variieren. Zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung werden grundsätzlich immer außer während der Betonierphasen zur Verfügung stehen.

Welcher präzise Bedarf an Vollsperrungen besteht während der Sanierungszeit?

Während der Betonierphasen werden mehrere Vollsperrungen von je zwei Tagen am Wochenende erforderlich. Von bis zu sechs Betonierphasen ist auszugehen. Der Geh- und Radverkehr auf einer Brückenseite wird jederzeit ermöglicht werden.

Das bei den Sperrungen anzuwendende „Hartbetonverfahren“ ist offenbar an eine bestimmte Temperatur und Luftfeuchtigkeit gebunden – ist in diesem Zusammenhang gesichert, dass die Vollsperrungen, die für Wochenenden geplant sind, auch tatsächlich Sonntagabend beendet werden können. Man muss ja auch Wetterumschwünge berücksichtigen…

Um größtmögliche Wetterunabhängigkeit zu erreichen, werden nach Angaben des Regierungspräsidiums sämtliche Betonierarbeiten im Schutzzelt ausgeführt.

Dieses Verfahren wurde schon 2011 festgelegt. Gibt es verlässliche Expertisen zu seiner Anwendung auf einer so großen Brücke?

In den Niederlanden wurden bereits mehrere Brücken mit diesem Verfahren erfolgreich verstärkt. Diese Brücken waren teilweise größer und mit deutlich mehr Verkehr belastet als die Rheinbrücke Maxau, teilt das RP mit. Außerdem wurde in Baden-Württemberg ein Pilotprojekt zur Gewinnung betontechnologischer Erfahrungen laut Regierungspräsidium erfolgreich realisiert.

Das liegt nun schon etwas zurück. Wurden Alternativen untersucht?

Im Vorfeld der Planung wurden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie insgesamt sieben bautechnisch unterschiedliche Verstärkungsvarianten untersucht.

Gibt es eigentlich mit Blick auf die Sperrungen Zahlen über den Autoverkehr an Wochenenden auf der Brücke?

Nach den amtlichen Zahlen waren das 2015 sonntags knapp 45 000 Autos – mehr als die Hälfte eines Werktages. Dann sind 73 500 Autos unterwegs.

Wenn dieser Verkehr über Wintersdorf beziehungsweise Germersheim ausweichen muss – ist das auf den Ausweichrouten darstellbar?

„Ja.“ So lautet die Antwort der Karlsruher Behörde.

Können in der Sanierungsphase eigentlich mehr Bahnen über die Eisenbahnbrücke fahren?

Nach Angaben des Kalsruher Verkehrsverbundes hat es zwischen RP und KVV schon Kontakt in dieser Frage gegegeben. Laut KVV sind die Möglichkeiten allerdings sehr eingeschränkt – mehr Bahnverkehr auf der Rheinbrücke sei gerade an Werktagen derzeit nicht möglich. Allerdings könnten die Kapazitäten je Verbindung etwa durch angehängte Wagen erhöht werden.

Wann genau soll mit der Sanierung begonnen werden?

Baubeginn ist voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2018.