Via triumphalis
Der Blick vom Schlossturm auf die Via triumphalis soll nach dem Willen der Stadtplaner nicht durch einen Wolkenkratzer im Hintergrund gestört werden. | Foto: jodo

Konzept für Hochhäuser

Wie hoch will Karlsruhe hinaus?

Anzeige

 

Der „Karlsruher Weg“

Die Stadtplanpolitik setzt für ihr Wachstum auf den „Karlsruher Weg“. Er soll zu dem Wunschziel führen, wo sich mehr Wohnraum und besseres Klima nicht gegenseitig ausschließen.

Kein Rheinhattan

Damit ist nicht gemeint, dass der Karlsruher Weg in der Nordweststadt mit Wolkenkratzern zur Musterstraße von Rheinhattan ausgebaut werden soll. Vielmehr suchen die Stadtbildgestalter den „Karlsruher Weg“ für ein Hochhausprogramm, das sie lieber „Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe“ nennen. Gerade wurde die Sache in einem zum Workshop umfunktionierten Stadtbauforum angebrütet.

Ideen werden gesammelt

Nun sollen das Schweizer Planungsbüro sapartners und das Karlsruher Büro für Raumentwicklung alle Ideen bis zum Frühjahr 2019 zu einem Konzeptvorschlag weiterentwickeln. Der Gemeinderat wird später entscheiden, wie hoch Karlsruhe in Wirklichkeit hinaus will.

Wachstum nur noch in die Höhe?

Überlegungen für höhere Blocks, richtige Hochhäuser oder gar Wolkenkratzer tauchen in Karlsruhe seit Jahrzehnten immer wieder auf und dann wieder ab. Wegen der zunehmenden Wohnungsnot in Boomtown Karlsruhe, das nicht noch weitere Flächen in der knappen Natur fressen will, soll es diesmal nachhaltig anders werden. Die Stadtpolitik fordert deshalb erst mal von Experten eine Konzeptvorlage, um eine feste Orientierung für die Gestaltung des Himmels über Karlsruhe zu bekommen.

Chancen und Risiken für das Klima

Und so steckt man bei aller grundsätzlichen Bereitschaft, die Stadt nun mehr in die Höhe wachsen zu lassen, immer noch in den Anfängen. Dabei spielen die Mikroklima(un)verträglichkeit von Hochhäusern und deren Effekt für die Wohnungspolitik entscheidende Rollen.

Die Positionen beim Hochhaus-Forum lassen sich auf den unscharfen Nenner bringen: Man sieht stadtgestalterische Möglichkeiten sowie sozialpolitische und wirtschaftliche Notwendigkeiten für Hochhäuser, aber man weiß noch überhaupt nicht, wie und wo man sich beim Bauen in der Planstadt Karlsruhe in die Höhe wagen darf?

Was ist hoch?

Zunächst will man definieren, was im Karlsruher Maßstab ein Hochhaus ist. Heike Dederer vom Stadtplanungsamt und Thomas Kovári von sapartners erklärten beim Workshop, dass in Deutschland formal schon 22 Meter für ein Hochhaus reichen. Demnach sind viele Karlsruher Wohnblocks schon Hochhäuser. Als richtig hoch schätzen Stadtplaner aber die über 35 Meter hohen Bauten am Erhardboulevard oder den Bürohausriegel, der hinter dem Hauptbahnhof hochgezogen wird.

77 Meter

Ein wahres Hochhaus vom Format rund 70 Meter ist dagegen Rarität: Nur zwei Häuser schaffen dieses Gardemaß: die Rentenversicherung beim Weinbrennerplatz mit sogar 77 Metern und das Landratsamt an der Kriegsstraße. In dieser Kategorie sind bislang auch die geplanten zwei Wohntürme in „Hauptbahnhof-Süd“ anzusiedeln. Für viele Bauexperten aber hat ein wahres Hochhaus mindestens 100 Meter hoch zu sein.

Hochhaus Rentenversicherung
EIN GIGANT für Karlsruher Verhältnisse ist der Bau der Deutschen Rentversicherung. Das Haus von 1964 ist 77 Meter hoch und das höchste der Fächerstadt. | Foto: jodo

 

Wohntürme am „dynamischen Band“?

Noch gibt es bei allen Bemühungen um ein Konzept keinen konkreten Ansatz, ob Karlsruhe in die Höhe schießt. Übereinstimmung herrscht, dass die Skyline von Stadtkirche und Rathausturm nicht beeinträchtigt werden darf. Bei ihren Hochhaus-Visionen denken die Stadtplaner an die Ränder der Südtangente als dem „dynamischen Band“ der Stadtentwicklung.