Fridays for Future
Die "Fridays-for-Future"-Bewegung sei sehr fordernd, aber das völlig zurecht, sagt Karlsruhes Umweltbürgermeisterin Lisbach. Nun hat die Stadt Maßnahmen erarbeitet, wie sie das Klima künftig besser schützen will. | Foto: Christophe Gateau/Archivbild

Neues Klimaschutzkonzept

Wie Karlsruhe bis 2050 klimaneutral werden will

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Die Stadt Karlsruhe hat ihr Klimaschutzkonzept bis 2030 neu aufgelegt. Bis 2050 will die Stadt klimaneutral sein. Um das zu erreichen, müssen nun einige Stellschrauben angezogen werden, denn die Zeit drängt. Dafür nimmt Karlsruhe sowohl private Haushalte als auch Unternehmen in die Pflicht.

„Die Lage wird sich weiter verschärfen“, sagt Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach (Grüne) in der Pressekonferenz am Dienstagmorgen. Gemeint ist die Temperaturentwicklung der letzten Jahre, die sich schneller nach oben verschoben hat, als prognostiziert. „Wir haben keine Zeit, auf irgendwas zu warten“, sagt Lisbach.

„Eine riesige Herausforderung“

Sie ist hier, um über das Klimaschutzkonzept der Stadt Karlsruhe bis 2030 zu sprechen. Mit dabei sind Dirk Vogeley, Leiter der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur, und Norbert Hacker vom Amt für Umwelt- und Arbeitsschutz der Stadt Karlsruhe. Acht Tonnen an CO2-Emissionen werden aktuell pro Kopf pro Jahr in Baden-Württemberg ausgestoßen, sagt Lisbach. Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erfüllen, müsste dieser Wert auf 0,5 Tonnen sinken. „Eine riesige Herausforderung“, sagt sie. Es wird nicht das erste Mal sein, dass dieser Ausdruck im Laufe der Pressekonferenz fällt.

Karlsruhe ist prädestiniert für Sonnenenergie

Das Ziel für 2030 lautet 60 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 2010 zu reduzieren. Dafür will die Stadt auf Photovoltaik-Technik, energetische Gebäudesanierung und umweltfreundlicheren Verkehr setzen. Dabei nimmt die Stadt sowohl die privaten Haushalte als auch Industrie und Handel in die Pflicht. Bis 2050 will die Stadt klimaneutral sein.

Brachliegendes Potenzial auf den Karlsruher Dächern

„Beim Thema Photovoltaik liegt in Karlsruhe das große Potenzial“, referiert Vogeley. Insgesamt könnten 54 Prozent des Gesamtstrombedarfs mit Photovoltaik gedeckt werden. Aktuell kommen aber nur 1,7 Prozent des gesamten Strombedarfs von Photovoltaik-Anlagen. Nur vier Prozent aller Dächer, die für Solarstrom in Betracht kommen, sind daneben tatsächlich mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet. Um das brachliegende Potenzial zu nutzen, setzt das neu aufgelegte Klimaschutzkonzept auch auf Beratung. Infozentren sollen eingerichtet werden, in denen sich die Menschen über die Anlagen und den Nutzen derselben informieren können. Mithilfe eines sogenannten Solarkatasters können Interessierte etwa ausrechnen, in welcher Zeit sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach bereits finanziell gelohnt haben kann. Aber auch auf städtebauliche Verträge könne man in der Zukunft zurückgreifen, so Vogeley. Dann könnte die Stadt bei Neubauten Photovoltaik-Anlagen vorschreiben.

Klimaallianz für Karlsruher Unternehmen

Auf der anderen Seite soll Wärme durch die energetische Sanierung von Gebäuden eingespart werden. Geplant ist der Ausbau von Fern- und Nahwärmenetzen. Auch die Sanierung der Bestandsgebäuden soll vorangebracht werden. Für Unternehmen, die in Karlsruhe immerhin 50 Prozent der CO2-Emissionen ausstoßen, soll eine Klimaallianz entstehen, um den Austausch zu stärken. Vorreiter-Unternehmen sollen sozusagen als Zugpferde fungieren, erklärt Hacker.

Der Gemeinderat wird erst im ersten Quartal 2020 über das Klimakonzept abstimmen. „Aber das heißt nicht, dass wir bis dahin nichts machen“, sagt Lisbach. „Viele Maßnahmen laufen schon.“