Deutschkenntnisse nicht nötig: Auch des Deutschen nicht mächtige Touristen kommen in der Fächerstadt sprachlich gut zurecht. In den Museen – wie hier im Naturkundemuseum – helfen ihnen Audio Guides in englischer und oft auch in französischer Sprache dabei, Wissen aufzunehmen.
Deutschkenntnisse nicht nötig: Auch des Deutschen nicht mächtige Touristen kommen in der Fächerstadt sprachlich gut zurecht. In den Museen – wie hier im Naturkundemuseum – helfen ihnen Audio Guides in englischer und oft auch in französischer Sprache dabei, Wissen aufzunehmen. | Foto: jodo

Sprachbarrieren

Kommen Touristen in Karlsruhe ohne deutsch klar?

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Wie international ist Karlsruhe? Auch des Deutschen nicht mächtige Touristen kommen in der Fächerstadt sprachlich gut zurecht. In den Museen helfen ihnen Audio Guides in englischer und oft auch in französischer Sprache dabei, Wissen aufzunehmen. Doch wer sich auf der städtischen Webseite als Deutsch-Unkundiger auf seine Reise nach Karlsruhe vorbereiten will, landet schnell auf rein deutschen Verlinkungen.

Karlsruhe ist leerer als sonst, aber touristenvoller als jenseits der Sommerferien. Unser Tourist ist, sagen wir mal: Schwede. Ein polyglotter Typ, vielgereist, des Deutschen unmächtig, kann sich aber prima mit Englisch und pantomimisch durchschlagen. Auf seine Tagestour durch Karlsruhe hat er sich in muttersprachlichen Reiseführern nicht vorbereitet. Auch die Internetseite der Fächerstadt hat ihn nicht interessiert. Diese bietet immerhin Basis-Informationen auf Englisch, Französisch, Türkisch, Italienisch, Spanisch und Polnisch – und zwar nicht in Google transferiertem Kauderwelsch.

Das Parkhaus Schlossplatz

Der Trip des Skandinaviers startet und endet im Parkhaus Schlossplatz. „Litfen Bileti Takiniz“ leuchtet auf dem Display des Bezahlautomaten auf. Wie bitte? Wo bin ich? Die Maschine ist vielsprachig. Sie kann Englisch, Französisch und eben auch Türkisch. Im Deutschen ist sie ein wenig bürokratisch, vintage-mäßig. „Litfen Bileti Takiniz“ übersetzt sie mit „Bitte Karte zuführen“. Die Hinweisschilder im Parkhaus sind nicht übertragen, doch die weißen Richtungspfeile auf dem Parkparkett sprechen sämtliche Sprachen – und zwar eindeutig. Wo der „Exit“ oder der „Utgang“ ist, kriegt so jeder mit. Die Ticketspender und Ticketschlucker an den Schranken sprechen globalverständliche Zeichensprache. Stressfreies Parken für Nicht-Deutsche ist gewährleistet.

Der Zoo

Die Kinder des Schweden drängt es in den Zoo, zunächst also Kinderprogramm. Das erste Schlendern durch die Stadt führt vorbei am International Department, an einem US-Shop, an Coffee-To-Go-Werbetafeln, an einer All-you-can-eat-Pizzeria und einer Newsbar zu den heiß ersehnten Gehegen. Der Zoo zeigt sich tierisch, aber nur in puncto Artenvielfalt multikulti. Schriftstücke in Fremdsprachen hat die Kassiererin nicht zu bieten. Auch die Tafeln innerhalb des Bezahlbereichs seien auf Deutsch gehalten. Tiere erklären sich halt von selbst und die Kinder stehen nicht auf Text in undigitaler Form.

Die Tourist-Information

Schwedisch ist zwar nicht dabei, aber in der Tourist-Information sind alle „führenden“ Sprachen vertreten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind mindestens bilingual, die Stadtpläne wurden sogar auf Russisch, Chinesisch und Japanisch gedruckt. Auch die rund zweistündige City-Tour mit dem knallroten Doppeldeckerbus zu den Sightseeing-Höhepunkten bietet per Audio Guide eine umfängliche Sprachpalette. Selbst Badisch ist im Angebot. Ist das dem Schwedischen ähnlich?

Das Touristenfutter

Der Magen meldet sich. Gegenüber im Hauptbahnhof lauten die kulinarischen Adressen Subway, dean & david, Bamboo Canteen, Cucina nova, Starbucks. Nur Hans und Franz befremdet den Dahergereisten. Die Sonne lockt jedoch an einen Tisch unter freiem Himmel, am liebsten an einem urbanen Plätzchen im City-Herzen. Die „Litfass“-Speisekarte ist auf Nachfrage in englischer Version erhältlich. Für ein Dessert wird das „Böckeler“ gewählt. Dort ist nur eine Kartenfassung verfügbar. Beim Übersetzen helfen der kleine Urlaubssprachführer und die servile Servierkraft.

Die Museen

Die Texte im Foyer des Badischen Landesmuseums sind germanophil. Für die Sonderausstellung „Archäologie in Baden“ erhält der Kunde mit dem Nutzerausweis jedoch Displayzugang zu individuell angepassten Infos in Deutsch, Englisch und Kindersprache. Für die Dauerausstellung stehen Audio Guides für Fremdsprachler bereit. In der Staatlichen Kunsthalle ist auf Wunsch der Künstlerin Silvia Bächli kein Audio Guide für die Sonderschau „shift“ produziert worden. Vielmehr führen Klänge durch die Präsentation – die völkerverständigende Kraft der Musik hinterlässt auch bei den Schweden Spuren. Die Dauerausstellung hingegen ist mit Audiobegleiter in deutscher, englischer und französischer Sprache zu genießen. Im Naturkundemuseum ist „Planet 3.0. Klima. Leben. Zukunft“ mit englischsprachigen Inhalt versehen. Nach Anmeldung, aber auch im regulären Programm werden Führungen in Fremdsprachen angeboten.

Der Ausklang

Die Beine sind müde, das Hirn voller neuem Wissen. Doch der Botanische Garten sollte es noch sein. Man muss kein Lateiner mehr sein, um die Blumenpracht so richtig zu delektieren. Täfelchen mit den lateinischen Pflanzennamen stecken nicht im Beetboden. Wenige Meter weiter warten die Schlosslichtspiele, die auch auf englisch moderiert werden. Im Wildparkstadion hinter der barocken Fassade ist Internationalität noch nicht angekommen. Die Webseite des Zweitligisten ist einsprachig gehalten. Dem Schweden kann es egal sein: Er hat ja nichts verpasst, an diesem Tag war kein Heimspiel.

Das Fazit

Der Schwede will wiederkommen. Karlsruhe ist ihm international, vielsprachig und interessant genug. Partielle Sprachprobleme konnten routinemäßig und mit Humor gelöst werden.