In der Kolumne "Zusammen zuhause" berichten die BNN-Redakteure über ihren Alltag in Zeiten des Coronavirus.
In der Kolumne "Zusammen zuhause" berichten die BNN-Redakteure über ihren Alltag in Zeiten des Coronavirus. | Foto: peterschreiber.media/Adobe Stock, imago (Montage)

Kolumne „Zusammen Zuhause“

Wenn sich das Homeoffice langsam in der gesamten Wohnung ausbreitet

Anzeige

Wer im Homeoffice arbeitet, hat trotzdem noch ein Privatleben – in der Theorie. Tatsächlich zeigt sich nach nur wenigen Tagen daheim wegen des Coronavirus, dass die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem mehr als fließend ist, zumindest wenn es um Arbeitsmaterialien in den eigenen vier Wänden geht.

Die Wüste lebt – und sie breitet sich aus. Desertifikation ist eines der wenigen Schlagworte, die mir aus dem Erdkunde-Unterricht noch im Gedächtnis geblieben sind. Will meinen: Durch Überweidung, Rodung von Wäldern und nicht zuletzt verschwenderischem Wasserverbrauch breitet sich die Wüste immer weiter aus. Jährlich um 50.000 bis 70.000 Quadratkilometer, schätzt Greenpeace.

Alltag im Ausnahmezustand: Schulen und Kitas sind geschlossen, die Eltern arbeiten von zu Hause, soziale Familien im Ausnahmezustand: Schulen und Kitas sind geschlossen. Die Eltern arbeiten im Homeoffice. Der Alltag folgt in Zeiten der Corona-Pandemie neuen Regeln. Wie verändert sich dadurch das Zusammenleben? Darüber berichten in dieser Kolumne BNN-Redakteure mit unterschiedlichen Familienkonstellationen.

Nicht ganz so schlimm, aber ähnlich wüst und öde sieht es derzeit bei mir zu Hause aus. Denn auch dort lauert eine Wüste, die sich still und heimlich immer weiter ausbreitet: die Wüste Homeoffice. Lautlos, quasi im Verborgenen, plant sie ihren Eroberungszug.

Die Homeoffice-Oase war anfangs noch sehr überschaubar

Zu Beginn war die Wüste Homeoffice noch mehr als überschaubar, ein zweckmäßig eingerichtetes Fleckchen an meinem Schreibtisch, der sonst eher als Ablageplatz für Zeitschriften, Verpackungen elektronischer Gerätschaften oder als Zwischenlager für frisch gewaschene Wäsche diente.

Inzwischen aber ist die Wüste auf Wanderschaft, sie vergrößert ihr Territorium Stück für Stück. Begonnen hat es damit, dass eines Tages mein Diensthandy auf dem Nachttisch lag, statt wie sonst auf dem Schreibtisch zu bleiben.

Alles nicht so schlimm, dachte ich mir da noch, ist ja auch bequem, so aus dem Bett heraus die ersten E-Mails des Tages zu checken. Natürlich würde ich das Handy spätestens mit Arbeitsbeginn wieder an seinen angestammten Platz zurückbringen – und es auch dort lassen. Leider eine allzu optimistische Annahme von mir …

Ein chaotischer Schreibtisch im Homeoffice.
Wenn das Homeoffice zu lange dauert, wuchern die Arbeitsunterlagen zu Hause gerne. | Foto: Daniel Stahl

Der „Klimawandel“ in den eigenen vier Wänden schreitet voran

Inzwischen hat die Wüste Homeoffice beinahe meinen gesamten Wohnraum erobert: Visitenkarten liegen neben der Kaffeemaschine, Mitschriften des letzten Telefoninterviews haben sich unter die Zeitschriften auf dem Wohnzimmertisch gemogelt.

Das Ladekabel meines Diensthandys hängt im Badezimmer an einer Steckdose. Wenn nicht bald etwas passiert, bleibt kein Lebensraum mehr übrig, der nicht von Arbeitsmaterialien erobert worden wäre.

Und ich? Ich plane den hilflosen Aufstand gegen die Desertifikation meiner Wohnung, indem ich im Schlabberlook und mit meinen Krümelmonster-Hausschuhen an meinem Laptop sitze und arbeite. Am Ende ist es doch immer eine Frage der Anpassung, denn auch in der tiefsten Wüste gibt es noch Lebewesen. Die müssen nur wissen, wie sie ihr Überleben sichern können.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick