Nicht jeder, der einen schönen Hut trägt wie Bob Dylan, erhält automatisch den Literaturnobelpreis. Manche Menschen wissen aber genau, dass sie ihn auch verdient hätten. | Foto: dpa

Tolle Tipps im ICE

Wie werde ich Nobelpreisträger?

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Neulich im Ruheabteil des ICE zwischen Karlsruhe und Frankfurt: Ich hatte mich gerade hingesetzt, als sich direkt vor mir ein Paar niederließ. Der Mann Mitte 40 mit Künstlerhut und Schal, die Frau Anfang 20 mit Studentinnengesicht. Der eloquente Herr ergriff sofort das Wort und zwar so lautstark, dass man ihn gar nicht „belauschen“ musste; vielmehr war es gänzlich unmöglich, ihm nicht zuzuhören.

Hochbegabter Künstlerhutträger

Er redete ausschließlich über sich selbst und als er den Satz „Meine sprachliche Kompetenz ist um Längen besser als die aller berühmten Schriftsteller“ gesagt hatte, spitzte ich die Ohren doch noch ein bisschen mehr und lauschte dem offensichtlich hochbegabten Künstlerhutträger fortan mit größtem Vergnügen. Weil seine Äußerungen viel zu schön und zu wichtig waren, um in der Versenkung zu verschwinden, werde ich hier einige seiner besten Sätze niederschreiben. Sie sind exakt so gefallen, und zwar im Sekundentakt.

Ein „Best of“ seiner Zitate

• „Die regelmäßige Veröffentlichung im internationalen Feuilleton bedeutet, dass ich zur Elite gehöre.“

• „Ich habe mein Philosophiestudium mit 1,0 abgeschlossen, ich hätte aber auch jedes andere Studium – von Medizin bis Physik oder Architektur – mit der Bestnote abgeschlossen.“

• „Sprachlich sind höchstens 0,001 Prozent aller Menschen weltweit so gut wie ich.“

• „Einen Song wie ‚Blowing In The Wind‘ würde ich in fünf Minuten schreiben.“

• „Ich habe Nobelpreisträgerniveau.“

• „Für sehr viele Menschen bin ich völlig zu Recht ein Promi.“

• „Der Grass ist im Vergleich zu mir nur ein ganz kleines Licht.“

• „Wenn ich im Internet wäre, hätte ich Millionen von Followern.“

• „Meine genialen Texte haue ich einfach so raus. Deshalb wird mein erstes Buch auch ein Bestseller werden.“

Sachdienliche Hinweise dringend erbeten

Inzwischen war ich vor Ehrfurcht in eine Art Schockstarre gefallen, die mich leider daran hinderte, mich dem brillanten Dichter und Denker zu nähern und ihn zu fragen, ob er mir vielleicht freundlicherweise dabei helfen könne, auch ein berühmter (und gerne auch reicher!) Schriftsteller mit Nobelpreisträgerniveau zu werden. Sachdienliche Hinweise zur Identität des großen Meisters sind deshalb dringend erbeten – die Hinweisgeber werden im Erfolgsfall mit einer lobenden Erwähnung in meinem ersten Bestseller erwähnt.