Niedlich anzusehen: Die Nutrias in der Günther-Klotz-Anlage sind teilweise recht zutraulich. Trotzdem sollte man ihnen nicht zu nahe kommen, warnt der Leiter des Forstamts, Ulrich Kienzler. Wildtiere bleiben Wildtiere.
Niedlich anzusehen: Die Nutrias in der Günther-Klotz-Anlage sind teilweise recht zutraulich. Trotzdem sollte man ihnen nicht zu nahe kommen, warnt der Leiter des Forstamts, Ulrich Kienzler. Wildtiere bleiben Wildtiere. | Foto: jodo

Forstamtsleiter warnt

„Wildtiere nicht füttern“

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Auf den ersten Blick mutet die Szene fast pittoresk an: Artig stellen sich die Nutrias auf die Hinterbeine, sehen zu, wie der Mann in der Günther-Klotz-Anlage großflächig ein Päckchen Haferflocken auf dem Boden verteilt. Dann stürzen sie sich darauf, zerkauen die Flocken emsig mit ihren scharfen Zähnen. „Normalerweise sind es elf“, weiß der Mann. Heute seien nur fünf Nagetiere gekommen. „Manchmal streichele ich sie auch“, sagt er.

Wildtiere sollen Wildtiere bleiben

Szenen wie diese bereiten Ulrich Kienzler Bauchschmerzen. Der Chef des städtischen Forstamts warnt eindringlich davor, Tiere in der freien Wildbahn zu füttern. „Wildtiere sollen Wildtiere bleiben“, mahnt Kienzler. Durch das Zufüttern vermehrten sich die Tiere nicht nur unkontrolliert, „auch Krankheiten können sich so verbreiten“. So sei etwa nasses Futter ein großes Problem für die Tiere: Isst zum Beispiel ein Wildschwein verschimmeltes Brot oder ein Vogel aufgequollenes Körnerfutter, könne dies die Tiere krank machen. Und oft sei das Futter ohnehin nicht für die Verdauungsorgane der Tiere geeignet. Das Verhalten von Nutrias und Co. könne das Zufüttern ebenso stören: Sie fressen zu viel, verfetten, gehen nicht mehr der natürlichen Nahrungssuche nach.

Vögel in Notzeiten füttern

Einzig in „Notzeiten“ sei es in Ordnung, etwa Vögel zu füttern. „Wenn wirklich alles von Eis und Schnee bedeckt ist, kann man das schon mal machen“, sagt Kienzler. Man müsse dann aber dafür sorgen, dass das Futter trocken bleibe und nicht den Winter über „vor sich hingammle“. Generell seien aber auch Vögel im Winter nicht auf zusätzliches Futter angewiesen. Viele wüssten gar nicht, dass die gefiederten Gesellen mit dem hiesigen Winter bestens zurechtkämen. Für den Forstamtsleiter ist das Füttern von Tieren ein emotionales Thema: „Die Menschen denken, sie tun den Tieren etwas gutes.“

See kann umkippen

In der Günther-Klotz-Anlage, ein paar Gehminuten entfernt von den Nutrias und ihren Haferflocken, hat die Stadt ein Schild aufgestellt, auf dem steht, dass das Füttern der Wildtiere nicht erlaubt ist. Im Teich daneben schwimmen Enten, die von Spaziergängern immer wieder mit Brot bedacht werden. „Bitte nicht“, sagt Kienzler. Durch das Futter, das letztlich im See hängen bleibe, könne dieser veralgen und schlimmstenfalls sogar umkippen.

Kein Brot für die Enten: Schilder warnen vor dem Füttern, wie hier in der Günther-Klotz-Anlage. | Foto: jodo

Tiere werden zutraulicher

Ein weiterer negativer Effekt: Die Tiere werden immer zutraulicher, wie die Nutrias. Die in Südamerika heimischen Biberratten kamen Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa, wo ihr Fell auf Pelztierfarmen verarbeitet wurde. In den vergangenen Jahren habe sich die Population in Europa verdoppelt, weiß Kienzler. Man dürfe sich vom niedlichen Erscheinungsbild der Tiere nicht täuschen lassen: „Ihre Nagezähne sind sehr scharf.“ Die Tiere könnten durchaus auch zuschnappen, wenn man ihnen zu nahe komme. „Zudem verteidigen sie ihr Revier“, so der Leiter des Forstamts.

Keine Knöllchen

Die Stadt versucht hier in erster Linie, die Bürger zu informieren und aufzuklären. „Wir verteilen keine Knöllchen an Leute, die die Tiere füttern“, sagt Kienzler.
Generell zieht es Wildtiere in den vergangenen Jahren vermehrt auch in die größeren Städte. Füchse, Dachse, Waschbären oder Wildschweine. Gefährlich seien sie für den Menschen nicht, sagt Kienzler. Aber: „Man muss sich angepasst verhalten.“ Das heißt, dass Komposthaufen bestenfalls verschlossen sind oder es kein öffentlich zugängliches Katzenfutter gibt.