Gemeinsam mit Ute Merz steht - und liegt - Winnie Bartsch im Stück "Tatort - So isch's wore!" des Karlsruher Mundart-Autors Harald Hurst im Sandkorn-Theater auf der Bühne.
Gemeinsam mit Ute Merz steht - und liegt - Winnie Bartsch im Stück "Tatort - So isch's wore!" des Karlsruher Mundart-Autors Harald Hurst im Sandkorn-Theater auf der Bühne. | Foto: Jürgen Schurr

Moderator und Schauspieler

Winnie Bartsch: Vom Radio zum Theater

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Eigentlich stand seine Verabschiedung, als er beim SWR in den Vorruhestand ging, unter dem Motto „Nemme müsse müsse“. So ganz geklappt hat das nicht – denn am 21. November steht Winnie Bartsch bereits zum 50. Mal in Harald Hursts Stück „Tatort – So isch’s wore!“ im Karlsruher Sandkorn-Theater auf der Bühne. Und dass das „Müsse müsse“ nicht aufhört, war schon beim Abschied vom Radio klar, denn die späte Theaterkarriere begann schon davor.

Wobei diese eigentlich schon lange vorgezeichnet war, wie Bartsch mit einem Schmunzeln anmerkt: „Ich habe als junger Kerl bei der Katholischen jungen Gemeinde mal in einem Stück den Bürgermeister gespielt.“ Tatsächlich war es also nur eine sehr lange Schaffenspause.

Winnie Bartsch wollte Lehrer werden

Dabei hatte er einmal alles ganz anders geplant: Der gebürtige Bruchsaler wollte Gymnasiallehrer für Sport und Biologie werden. „Sie hatten die einmalige Chance, mich als Lehrer zu bekommen“, meint Bartsch selbstbewusst. Nach dem zweiten Staatsexamen und Stationen als Referendar in Blankenloch und Bretten war aber klar, dass es für ihn keine freie Stelle gibt.

Über eine Umschulung zum Radio

Unglücklich ist Bartsch darüber heute nicht. Beim Radio sei es „abwechslungsreicher und spannender“. Über eine Umschulungsmaßnahme beim Arbeitsamt kam er damals zu einem der gerade entstandenen privaten Radiosender. Dabei habe ein Lehrer bei der Umschulung damals gesagt: „Wenn Sie nicht Hochdeutsch sprechen, wird das nie was.“ Es sollte sich als Fehleinschätzung erweisen. Heute sagt Bartsch rückblickend: „Ich habe viel vor Ort gemacht und moderiere auch in Mundart. Ich habe sie nie verbannt.“

Mundart als Vorteil

Ganz im Gegenteil sei der Dialekt – oder zumindest die Klangfarbe – oft sogar ein Vorteil. Schließlich lasse man beispielsweise Radiomoderatoren an die privatesten Orte. „Da geht der Radiowecker an, und dann quatscht der Bartsch“, meint er. Viele hätten gemerkt: „Das ist einer von uns.“ Mit Anerkennung blickt er ins Nachbarbundesland: „Die Bayern stehen zur Mundart. So ein Selbstbewusstsein haben wir leider nicht.“ Dabei tat und tut Bartsch viel dafür. Bei SWR4 betreute er lange die Mundartautoren, die in den „badischen Gutsele“ zu hören waren. „Als die Frühsendung abgeschafft wurde, wurde das dann auch beendet“, erinnert er sich, und das Bedauern darüber ist kaum zu überhören.

Armin in Harald Hursts „Tatort“

Nun knüpft Bartsch gewissermaßen wieder daran an. Erik Rastetter, den künstlerischen Leiter des Theaters „Das Sandkorn“, lernte er über „den Funk“ kennen. Rastetter habe ihn auch gefragt, ob er jemanden für die Rolle des Armin im „Tatort“ wisse. Gemeinsam hätten sie überlegt, bis Rastetter gesagt habe: „Ha, du kannsch es au mache.“ Zu diesem Zeitpunkt war Bartsch noch „beim Funk“ und sagte zunächst ab. Doch es ließ ihn nicht mehr los, und nach etwas Bedenkzeit entschied er sich doch noch dafür.

Nahezu alle Vorstellungen ausverkauft

Wie er seinen ersten Auftritt empfand? Bartsch strahlt: „Das war schon aufregend.“ Als er zusammen mit Ute Merz, die im Stück seine Ehefrau Renate spielt, vor der Premiere am Theater ankam, sagte er zu ihr: „Renate, heute ziehen wir’s durch.“ Es sollte so geschehen. Nahezu alle Vorstellungen waren ausverkauft.

Winnie Bartsch will zwei Bücher schreiben

Selbst wenn es irgendwann mal vorbei sein sollte, ist da noch anderes: Bartsch schwärmt von Urlauben in Schweden, noch immer spielt Sport für ihn eine große Rolle, und außerdem will er zwei Bücher schreiben. Eines soll ein Kinderbuch werden über ein Pferd, das auf seiner Koppel immer abseits der anderen steht und seinen Weg zurück in die Gruppe findet. Zudem plant er einen Regionalkrimi.

Ein Vierteljahrhundert lang war Winnie Bartsch Radiomoderator beim Süddeutschen Rundfunk (SDR) und später beim Südwestrundfunk (SWR). Zuvor verbrachte der 1955 geborene Bruchsaler sechseinhalb Jahre bei einem damals neugegründeten privaten Radiosender in Freiburg. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Gemeinsam wechselten sie zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk – sie zu SWF3 in Baden-Baden, er zum SDR in Karlsruhe – und zogen nach Ettlingen. Heute sagt er über sich: „Ich bin Ettlinger.“