Foto im Laden Kinderglueck in der Erbprinzstrasse zum Thema Spenden mit dem Einkauf. Von rechts: Jerome Braun, Moritz Roeschl, Nicolai Schnepf und Hannah Paschen
Mit „Wir für Karlsruhe“ wollen Nicolai Schnepf und Moritz Röschl (zweiter und dritter von links) das so genannte Charity Shopping aus dem Internet in die Läden vor Ort bringen, wie hier ins „Kinderglück“. | Foto: Peter Sandbiller

Beim Einkaufen Gutes tun

„Wir für Karlsruhe“ bringt Charity Shopping in die Läden vor Ort

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Wer kennt nicht das schleichende schlechte Gewissen, wenn man beim Shoppen mal wieder über die Stränge geschlagen hat? Gegenüber dem eigenen Geldbeutel, aber auch gegenüber den Möglichkeiten, das Geld für gute Zwecke zu spenden? Eine Idee, beim Einkaufen auch anderen Gutes zu tun, ist das so genannte Charity Shopping, das etwa in Karlsruhe seit fünf Jahren die Online-Plattform Sunsteps.org anbietet. Zwei der Gründer wollen jetzt neue Wege gehen und das Prinzip aus dem Internet in die Ladengeschäfte vor Ort bringen.

Bei Sunsteps funktioniert Charity Shopping so: Über das vorab im Browser installierte Plugin wird beim Einkauf in einem der rund 800 teilnehmenden Online-Shops ein geringer Anteil des Einkaufswerts an ein soziales Projekt gespendet. An welches, das kann sich der Kunde selbst aussuchen. Zum Beispiel kann man so online bei Tchibo, Decathlon oder Fleurop einkaufen und an ein soziales Projekt spenden – etwa an den Kinderschutzbund Karlsruhe, das Karlsruher Slowmobil, die Aids-Hilfe oder den Freundeskreis Asyl.

„Wir für Karlsruhe“ als soziales Netzwerk

Solcherlei Spenden-Plattformen gibt es mittlerweile viele, auch der Online-Versandhändler Amazon sprang mit dem eigenen Angebot „Smile“ im November 2016 auf den Charity-Shopping-Zug auf – und bei Sunsteps ab. „Das war für uns erstmal eine Hiobsbotschaft“, erzählt Moritz Röschl, einer der Gründer von Sunsteps. Denn Amazon sei einer der wichtigsten Unterstützer des Projekts gewesen. Weil sie aber ohnehin gerne stärker vor Ort Gutes bewirken wollten, orientierten Röschl und Sebastian Bayer von Sunsteps sich neu. Gemeinsam mit zwei weiteren Karlsruher Studenten, Nicolai Schnepf und Jerome Braun, wollen sie jetzt mit dem bewährten Ansatz Online- und Offlinewelt verbinden und sich auf lokale Händler und Vereine konzentrieren. „Wir wissen, wie wichtig lokale Geschäfte für eine Stadt sind“, erklärt Röschl: „Sie zahlen Steuern, tragen zum Stadtbild bei und unterstützen die lokalen Vereine.“ Unter dem neuen Namen „Wir für Karlsruhe“ und mithilfe einer gleichnamigen App soll es für Händler einfacher werden, Vereine zu unterstützen und mit dem Engagement für sich zu werben: Wer in einem teilnehmenden Geschäft einkauft, bekommt an der Kasse einen Spendengutschein mit QR-Code. Der wird per Handy eingescannt, und in der App kann das Projekt ausgewählt werden, das die Spende erhalten soll.

Auf einem Lageplan zeigt die App zudem an, in welchen Geschäften in der Innenstadt die Aktion „Wir für Karlsruhe“ angeboten wird. „Das ist eine Chance für die Händler, Kunden an sich zu binden“, meint Moritz Röschl. Sowohl Händler als auch Vereine und soziale Projekte können in der App ein Profil anlegen. Der Nutzer wählt aus, was ihn interessiert. Es solle nach und nach eine Vermittlungsplattform zwischen Kunden, Händlern und Vereinen entstehen, ein digitales soziales Netzwerk. „So können die Leute für ihre regionalen Vereine etwas Gutes tun, ohne dafür zu bezahlen.“ Denn die Spenden sollen langfristig aus dem Werbebudget der Händler kommen, die im Gegenzug mit ihrem sozialen Engagement werben und Kunden an sich binden können. Ähnlich wie bei Amazon Smile – mit dem Unterschied, dass das Geld Geschäften und Projekten vor Ort zugute kommt.

Crowdfunding-Aktion im Februar

Um das Projekt in Gang zu bringen, setzen die jungen Gründer zunächst auf eine Crowdfunding-Aktion, die Anfang Februar starten soll. Über die Plattform KITCrowd werden Spenden gesammelt, aus denen die ersten sozialen Projekte finanziert werden sollen. So können die teilnehmenden Händler das System ohne Risiko testen. Die Vereine, die im ersten Anlauf mit Spenden bedacht werden, sollen per Abstimmung auf Facebook und in der App ermittelt werden. Kandidaten sind etwa die „Notinsel“-Aktion der Stiftung Hänsel und Gretel oder das Karlsruher Hundeheim.

„Wir suchen Händler und Einzelpersonen, die nach dem Motto ,einmal spenden, aber zweimal helfen‘ das Projekt unterstützen möchten“, sagt Röschl. Seine Vision: Je mehr Unterstützer dazukommen, desto mehr Projekte können unterstützt werden, so dass Bürger, Händler und Vereine unter dem Namen „Wir für Karlsruhe“ zusammenfinden.