Probleme mit der Probeplatte aus hochfestem Beton, die in diesem Zelt beim Yachthafen entsteht, bedingten eine Verschiebung des Startschusses für die Sanierung der Rheinbrücke Karlsruhe. Wann es tatsächlich losgeht, will das Regierungspräsidium am Mittwoch berichten. | Foto: Kuld

Rheinbrücke Karlsruhe

Wird der Sanierungsstart erneut verschoben?

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Wann startet die große Rheinbrückensanierung zwischen Karlsruhe und Wörth tatsächlich? Am Mittwoch will sich das Regierungspräsidium Karlsruhe zum weiteren Fahrplan äußern. Bekanntlich wurde der Beginn des Großprojekts schon einmal verschoben – ursprünglich hätte Ende Juli angefangen werden sollen. Bislang ist Anfang September im Gespräch. Doch mutmaßen viele Beobachter, dass der Start noch weiter verschoben werden muss, weil die Probleme mit dem zu verwendenden Spezialbeton noch nicht gelöst sind. Die spannende Frage ist: Wie weit nach hinten muss im Zweifelsfall verschoben werden? Die auf 14 Monate angesetzte Sanierungsmaßnahme dürfte das übliche Stauproblem zwischen der Pfalz und Baden verschärfen.

Zelt am Yachthafen

Das „Problem“ lässt sich zwar orten, aber nicht sehen: Unterhalb der Rheinbrücke, in der Nähe des Yachthafens, findet sich auf dem Areal, das ein Bauunternehmen dort eingegrenzt hat, ein großes weißes Zelt. Darin soll die Probeplatte mit hochfestem Beton erzeugt werden. Doch da scheint es zu haken. Bei Betonmischung und Einbau herrsche noch Optimierungsbedarf, hieß es schon vergangenen Monat seitens des federführenden Regierungspräsidiums Karlsruhe. Nach dem gescheiterten ersten Test sollten die beauftragten Unternehmen eine neue Musterfläche herstellen. Erst wenn die Probeplatte den Vorgaben entspreche, könne mit den Bauarbeiten auf der Brücke begonnen werden. Die Betonierung war für diese Woche angedacht. Start der eigentlichen Bauarbeiten wäre dann im September. Doch das scheint fragwürdig.

Anderer Betonhersteller

Beobachter wie etwa Steffen Weiss von der Initiative „Zweite Rheinbrücke“ sehen ein Indiz für die Probleme mit dem Beton etwa darin, dass offenbar nicht (mehr) mit dem Hersteller gearbeitet wird, dessen hochfester Beton bei der Sanierung der Rheinbrücke angewandt werden sollte. An besagtem Zelt beim Yachthafen findet sich nämlich ein Betonsilo mit dem Schriftzug Dyckerhoff. Die Baufirma an der Rheinbrücke durfte dazu keine Angaben machen und verwies auf das Regierungspräsidium. Nach den bisherigen Plänen wäre das Silo eines anderen Herstellers zu erwarten gewesen, macht Weiss deutlich. Der nämlich, dessen Material für das gewählte Sanierungsverfahren seit dem „Faktencheck“ zur Rheinbrücke im Jahr 2011 bislang als geeignet angesehen wurde.

Verkehrsunternehmen warten

Insgesamt herrscht großes Rätselraten, und alle Betroffenen verweisen auf das Regierungspräsidium. Das gilt beispielsweise für den Zweckverband Schienenpersonennahverkehr in der Südpfalz, der noch Verstärkerzüge bestellt hat, um in der Baustellenzeit das ÖPNV-Angebot auszuweiten. Die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) sagt auf Nachfrage, dass ihr erweitertes Angebot dann gefahren werde, wenn das Präsidium grünes Licht gebe. Derzeit wisse man nicht, wann das sein werde – und zur Umsetzung der eigenen Maßnahmen benötige man einen Vorlauf von mindestens zwei Wochen, machte ein Sprecher deutlich.

„Verschiebung nicht verkehrt“

In der Stadt Wörth sieht Bürgermeister Dennis Nitsche den Sachverhalt so: „Für die Stadt Wörth am Rhein ist die Verschiebung nicht verkehrt, denn so können wir uns aufwändige provisorische Maßnahmen ersparen und die Sperrung der Ortsdurchfahrt mit Schranken und automatischer Öffnung für Berechtigte ordentlich und in Ruhe vollziehen.“ Nitsche hält die Ertüchtigung der Brücke für „weiterhin erforderlich, um nachhaltig Schäden zu vermeiden“. Ihn ärgert dabei, dass „es leider auch Abgeordnete gibt, die weiterhin wider besseres Wissen eine konventionelle Sanierung fordern“.

Fehlende Referenzen

Ein Abgeordneter, Martin Brandl, der für die CDU im Mainzer Landtag ist, hat sich wiederholt kritisch zum gewählten Sanierungsverfahren geäußert. Brandl schreibt auf Facebook: „Ich fordere seit langem eine erneute Untersuchung des gewählten Sanierungsverfahrens. Die Rheinbrücke darf nicht zum Experimentierfeld werden. Ich mutmaße, dass es für das aktuell beabsichtigte Verfahren kein deutsches Referenzprojekt gibt und die Referenzprojekte in den Niederlanden nur unter mehrmonatiger Vollsperrung durchgeführt wurden. Jetzt muss Schluss sein mit den Experimenten und der Intransparenz. Das Sanierungsverfahren für die Rheinbrücke braucht einen kompletten Neustart – pendlerfreundlich und solide.“

Problem Probeplatte

In seiner Einladung zur Pressekonferenz am Mittwoch schreibt das Präsidium: „Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die erforderlichen Qualitätsvorgaben für die Herstellung der Probeplatte zu erfüllen. Erst wenn die Probeplatte den Vorgaben entspricht, kann mit den Bauarbeiten auf der Brücke begonnen werden.“ Die Probeplatte, die demnach noch nicht erstellt ist, muss aber einige Zeit aushärten. All das deutet daraufhin, dass es mit dem Startschuss für die Sanierung der Rheinbrücke noch etwas länger als Anfang September dauern könnte.