Fordern den Wandel: Teilnehmer einer Fridays-for-Future-Demonstration. | Foto: dpa

Fridays for Future

Wissenschaft will Lösungen liefern

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Es ist nicht an den Schülern, die Lösungen zu liefern, die Lösungen kommen aus der Wissenschaft 

Scientists for Future

Plakate, Parolen, Protest – Was Fridays for Future ist, muss man niemandem mehr erklären. Die junge, demonstrierende, grüne Welle ist längst in jeder Stadt und jedem Dorf angekommen. Auch hier in Karlsruhe.

Von Tamara Jungmann, Sophie Ulrich und Aline Weber

Die Jugend fordert: Hört auf die Wissenschaftler! So gründete sich, parallel zu Fridays for Future, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus deutschsprachigen Ländern: Scientists for future. Diese Initiative ist ähnlich wie ihre Mitstreiter auf Demos vertreten, unterstützt aber die streikenden Schüler vor allem durch eins: wissenschaftliche Fakten.

Auch in Karlsruhe hat sich bereits eine stetig wachsende Regionalgruppe zusammengefunden, bestehend aus Wissenschaftlern verschiedener Institutionen, wie dem Karlsruhe Institut für Technologie (KIT), der Fraunhofer-Gesellschaft oder dem Center of Disaster Management (CEDIM).

Andreas Schäfer ist Gründungsmitglied der Karlsruher Regionalgruppe der Scientists for Future. | Foto: Ulrich

Andreas Schäfer, Gründungsmitglied der Karlsruher Regionalgruppe der Scientists for Future, ist Wissenschaftler am geophysikalischen Institut des KIT. Er erklärt, warum es seiner Meinung nach wichtig ist, dass die Jugend wieder auf die Straße geht und was die Stadt Karlsruhe in Zukunft tun kann.

Warum wollten Sie Teil der Initiative Scientists for Future werden?

Schäfer: Weil ich es als unglaublich wichtig empfinde, die Debatte wissenschaftlich zu betreuen. Ich bin bereits seit längerem bei Social Media aktiv und sehe, wie wissenschaftliche Debatten dort ablaufen. Da gibt es unglaublich viel Halbwissen über den Klimawandel, das schnell verbreitet wird und auch pseudowissenschaftliche Vereine, die aktiv Falschwissen verteilen. Dagegen habe ich versucht als Einzelperson anzutreten und bin deswegen Teil der Scientists for Future geworden.

Wie läuft die Arbeit der Scientists for Future in Karlsruhe ab?

Schäfer: Scientists for Future beruht auf Freiwilligkeit und ist kein Verein, der einen speziellen Rahmen hat. Wir sind eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Karlsruhe, die sich regelmäßig trifft und auf Anfragen von Fridays for Future oder bundesweiten Scientists for Future-Gruppen reagiert. Außerdem arbeiten wir momentan an der Möglichkeit, uns in den kommunalen Diskurs zum Klimawandel einzubringen.

Denken Sie, dass die Bewegung durch Scientists for Future für Erwachsene und Politiker glaubhafter ist?

Schäfer: Ich würde schon sagen, dass es ein bisschen ernster genommen wird. Man unterstellt den Jugendlichen gerne, sie würden sich gar nicht so richtig interessieren und gar nicht damit befassen. Aber tatsächlich ist es so, dass sich die Fridays for Future mit Wissenschaftlern hinsetzen um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Man kann natürlich von einem 16-Jährigen keine 100-prozentige inhaltliche „Correctness“ erwarten. Dafür sind dann die Scientists for Future da, um ein bisschen auszuhelfen und der Sache wissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu geben.

Welche Forderungen stellt Ihr an die Politik?

Schäfer: Die Scientists for Future stellt gar keine Forderung an die Politik. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Fridays for Future zu unterstützen. Wir können kommentieren, ob etwas technisch machbar oder ob der wissenschaftliche Hintergrund richtig ist. Aber ob und wie das politisch und wirtschaftlich umsetzbar ist, das ist nicht unsere Aufgabe.

Wie stellen Sie sich selbst die Zukunft in Bezug auf Klimaschutz/Klimaanpassung in Karlsruhe vor?

Schäfer: Es gibt Möglichkeiten in der Stadtentwicklung, wie Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern weiter zu fördern, was gegen die Hitzeinseln in der Stadt zu tun, mehr Grün in die Stadt zu bringen, zum Beispiel durch Fassadenbegrünung. Da ist Karlsruhe eher direkt bemächtigt, etwas zu tun. Bei Angelegenheiten wie dem Kohlekraftwerk ist natürlich immer das Zusammenspiel mit anderen Akteuren relevant, um etwas zu verändern, aber Karlsruhe kann gute Signale setzen.

Hätten Sie einen Tipp für die Bewohner Karlsruhes, um ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen?

Schäfer: Man sollte einfach gewisse Punkte überdenken. Muss man so viel Konsum betreiben und im Überfluss leben? Oder kann man in manchen Punkten ein bisschen zurückzustecken? Ich selbst fahre deutlich mehr Fahrrad als früher, nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch, um einfach ein bisschen mehr Sport zu machen (lacht).

Was sagen Sie zu der Kritik an Fridays for Future bezüglich dem Thema Schulpflicht?

Schäfer: Es ist wichtig, dass die Jugend wieder auf die Straße geht, dass sie sich wieder für Politisches interessiert. Ich finde die Politisierung unglaublich gut. Die Schüler haben in dem Sinne kein volkswirtschaftliches Druckmittel, zumindest kein unmittelbares. Ich würde behaupten, dass wenn 50.000 Arbeiter auf die Straße gehen und demonstrieren, ihre Arbeit niederlegen, merken das die Firmen und die Politik. Da ist das beste Mittel der Schüler, sich gegen stehende Gesetze, also gegen die Schulpflicht, zu erheben und für ihre eigene Zukunft einzustehen. Es geht auch nicht darum, dass Schüler den Klimawandel bekämpfen, sondern darum, dass sie den Druck auf die erhöhen, die ihn bekämpfen können. Es ist nicht an den Schülern, die Lösungen zu liefern, die Lösungen kommen aus der Wissenschaft. Und nun muss die Politik handeln.