In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

„Privet Rossija!“

Glaube und Aberglaube

Viele Russen werden sich heute bekreuzigen, wenn ihr Team den Rasen des Luschniki-Stadions betritt. In den Kirchen werden Manche brennende Kerzen für Nikolaj den Wunderbringer aufstellen, möge der Heilige den WM-Gastgebern zumindest den Gruppensieg schenken.

Die Macht des Glaubens ist stark in dir, Russland! Das war nicht immer so: In der Sowjetunion wurde die orthodoxe Kirche enteignet und verfolgt. Wobei manche Kommunisten, mein Vater gehörte auch dazu, die Ikonen zu Hause versteckt hielten und ihre Kinder heimlich taufen ließen.

Gorbatschows Perestroika hat die Kirche befreit. Danach schmuggelte sie zollfrei und als „humanitäre Hilfe“ getarnt Alkohol und Zigaretten ins Land, mit deren Verkauf sie reich wurde. Nun eröffnet die Kirche in Russland jeden Tag im Schnitt drei neue Gotteshäuser. Zu orthodoxen Festen sind sie voll.

Zuhause darf nicht gepfiffen werden

Viele Russen lassen sich aber auch von ihrem Aberglauben durch das Leben führen. So wird jemand, der zu einem WM-Spiel in eine andere Stadt reist, sich vor dem Aufbruch kurz hinsetzen – und sich im Spiegel anschauen, wenn er daheim etwas vergessen hat und zurückkehren muss. So wendet man Unglück ab.

Auf dem Weg zum Stadion sollte man niemandem begegnen, der einen leeren Eimer trägt. Das bringt Ärger. Und natürlich achten russische Hardcore-Fußballfans darauf, daheim nicht zu pfeifen. Letzteres bewirkt, wie jeder weiß, dass sich Geldbörse und Konto plötzlich leeren – und ohne Geld kann man keinen Wodka kaufen, um auf die Treffer des Angreifers Artjom Dsjuba anzustoßen.

In der WM-Kolumne „Privet Rossija!“ (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. Makartsev ist stellvertretender Leiter der Redaktion Politik und berichtete für die BNN von 2000 bis 2013 als Korrespondent aus Moskau und London.