Eine goldene Kaffeebohne.
Soziale Aktion: Das Café „Perlbohne“ in der Karlsruher Blumenstraße bietet seinen Kunden an, mit einer goldenen Bohne einen Kaffee vorauszubezahlen. | Foto: Hora

Soziale Aktion

Wo es in Karlsruhe vorausbezahlten Kaffee für Bedürftige gibt

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Der „Caffè Sospeso“, der in Deutschland als aufgeschobener oder vorausbezahlter Kaffee und in Amerika als „suspended coffee“ bekannt ist, hat im süditalienischen Neapel eine lange Tradition. Seit mehr als 100 Jahren bezahlen dort viele Menschen für einen Kaffee den doppelten Preis. Der nicht getrunkene Kaffee kann dann von Bedürftigen oder Obdachlosen bestellt und getrunken werden. Wie sieht es in Karlsruhe aus? Gibt es dort ebenfalls diese soziale Aktion? Wie kommt sie an?

Gerald Hammer, Inhaber des Espresso Stazione in der Karlsruher Kreuzstraße, wollte die italienische Tradition schon vor Jahren nach Karlsruhe bringen. „Ich hatte einige Kaffees auf der Liste. Sie wurden jedoch nicht angefordert“, sagt Hammer. Lediglich Gäste, die von der Kaffeekultur begeistert sind, beteiligten sich an dem sozialen Angebot.

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Erster Versuch vor ein paar Jahren

Da es in Karlsruhe zu wenige Menschen gekannt haben, hat er es irgendwann beendet. Den Menschen hier ginge es im Gegensatz zu vielen Bewohnern Neapels schon gut, erklärt Hammer. Dort sei das Angebot ganz normal. „Wenn man es macht, muss man es auch durchziehen“, fährt der Gastronom fort und stellt fest, dass nicht jeder seiner Kollegen solche Gäste im Café haben wolle.

Aktion von Café Perlbohne und Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe

Das Café Perlbohne in der Karlsruher Blumenstraße, ist ein Café, das die Aktion derzeit gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe anbietet. „Wir machen das seit einigen Jahren. Das Angebot könnte jedoch häufiger genutzt werden“, sagt Stefanie Weber, Geschäftsführerin der „Perlbohne“. Sie habe mit der Aktion schon viele „Stammkunden“ bekommen, die regelmäßig diesen kostenlosen Kaffee oder auch ein anderes Getränk in Anspruch nehmen.

Stammkunden kommen gerne

Eine Person habe beispielsweise einen Wasserschaden im Haus und könne sich aktuell keinen Kaffee kochen. Eine weitere Person, die auf der Straße lebt, komme beispielsweise regelmäßig, um sich ein Heißgetränk zu gönnen.

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Wie kam das Angebot in ihr Café? Die Mitinhaberin der „Perlbohne“, Katharina Schroer, sei viel in Amerika unterwegs gewesen, wo der „suspended coffee“ verbreitet ist, und brachte die Idee mit nach Deutschland. Bei ihnen im Café gilt seither die goldene Kaffeebohne als Zeichen für einen im Voraus bezahlten Kaffee.

Philipp Haag, Beirat der Gastronomie der City Initiative Karlsruhe und Betreiber von Bars wie der Venus Bar oder dem Guts & Glory, kennt keine anderen Cafés in Karlsruhe, die die diese Aktion unterstützen. Haag findet die Idee jedoch gut und interessant. „Der Kaffee nach dem Essen ist ein preisunsensibles Produkt. Dem Kunden ist der Preis, den er dafür bezahlt, egal“, sagt er.

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Von weiteren Betrieben in Karlsruhe weiß auch Michael Kant, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (DEHOGA) in Karlsruhe, nichts. Auch dem DEHOGA-Kreisvorsitzenden Waldemar Fretz sind keine weiteren Betriebe bekannt. „Kaffee ist ein nicht toll kalkuliertes Produkt für Gastronomen“, erläutert Fretz. Der Gastronom brauche Geschirr, eine Maschine, die gereinigt werden müsse und einen Platz, den der Mensch belege.