Abzweigstelle Molzau: Von hier ab wird es dann eng in Richtung Karlsruhe. Wegen des erwarteten Mehrverkehrs beim Güter- verkehr auf der Schiene werden zur Kapazitätserweiterung neue Gleise benötigt.
Abzweigstelle Molzau: Von hier ab wird es dann eng in Richtung Karlsruhe. Wegen des erwarteten Mehrverkehrs beim Güter- verkehr auf der Schiene werden zur Kapazitätserweiterung neue Gleise benötigt. | Foto: Klumpp

Schnellbahnstrecke

Wohin mit den neuen Gleisen?

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Das wird ein Thema für locker zwei Jahrzehnte: die infrastrukturellen Verbesserungen der Deutschen Bahn insbesondere zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe. Um was geht es konkret? Um neue Gleise. Die Diskussion darüber, wo diese künftig liegen könnten, soll ab dem Spätjahr öffentlich geführt werden. Noch allerdings ist alles offen.

Neue Strecke von Frankfurt nach Mannheim

Für die Zukunft wird mit einem deutlichen Zuwachs beim Güterverkehr auf der Schiene gerechnet. Dafür sollen auf der Achse von Rotterdam bis Genua durchgehend entsprechende Kapazitäten geschaffen werden. Das Bundesverkehrsministerium lässt untersuchen, wie diese dargestellt werden können. Der Raum Karlsruhe ist Teil der Korridorstudie Mittelrhein, und da spielt die Knotenstudie Mannheim eine wichtige Rolle. Bekannt ist etwa, dass von Norden her eine neue Schnellbahnstrecke von Frankfurt Richtung Mannheim angedacht ist. Südlich der Quadratestadt soll sie in die vorhandene Schnellbahnstrecke nach Stuttgart münden. Wie die neue Strecke genau von nördlich der Stadt nach Süden führt, wird diskutiert. Insgesamt ist der Raum Worms bis Graben-Neudorf in der Betrachtung. Die aktuellen Überlegungen dazu finden sich im Projektinformationssystem (Prins) zum Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP).

Zwei neue Gleise in Richtung Karlsruhe

Von Mannheim aus führen vier Gleise in Richtung Karlsruhe – aber nicht durchgehend. Die zwei Gleise der Schnellbahn nach Stuttgart zweigen zwischen Philippsburg und Wiesental nach Osten ab (Abzweigstelle „Molzau“). Wie es auf zwei Gleisen weiter in südlicher Richtung nach Karlsruhe gehen soll, ist völlig offen. Der erwartete Mehrverkehr soll aber auf zwei weiteren Gleisen aufgefangen werden. Die Diskussion wird schwierig werden, denn die denkbaren Korridore, um neue Gleise zu bauen, liegen in dicht besiedeltem Gebiet. Aus Sicht der Regionalpolitik ist wichtig, dass das Vorhaben unter dem Titel „ABS/NBS“, also Ausbaustrecke/Neubaustrecke, im BVWP ergebnisoffen geführt wird – mit allen theoretisch denkbaren Alternativen. Im Projektdossier steht: „3. und 4. Gleis ABS/2-gleisige NBS Molzau – Graben-Neudorf – Karlsruhe“.

Planer prüfen linksrheinische Lösung

Das Thema wird – obwohl noch einigermaßen weit weg – heftig diskutiert. Eine auf badischer Seite gerne angesprochene linksrheinische Lösung für den Güterverkehr, die bis Wörth und südlich von Karlsruhe Richtung Basel hätte geführt werden können, ist vom Tisch. Theoretisch denkbar erscheint allenfalls eine linksrheinische Führung bis Germersheim. Von dort aus könnte der Verkehr nach Graben-Neudorf gelenkt werden – wenn die Strecke ausgebaut würde („Wiederherstellung der Zweigleisigkeit“). Die Bundesgutachter wollen dies prüfen lassen. Offen bleibt indes, wie es ab Graben-Neudorf weitergehen könnte.

Drei Möglichkeiten in Richtung Karlsruhe

Die für die Region Karlsruhe entscheidende Frage lautet: Wo sollen die neuen Gleise ab dem Abzweig Philippsburg-Molzau beziehungsweise Graben-Neudorf nach Süden Richtung Karlsruhe verlaufen?
Welche Möglichkeiten gibt es theoretisch? Theoretische Möglichkeit eins auf dem Papier wäre der Ausbau der Rheintalbahn Molzau – Graben-Neudorf – Karlsruhe. Der Ausbau der vorhandenen Strecke erscheint schwierig, da die Trasse etwa in Friedrichstal oder Blankenloch und Hagsfeld mitten durch die Ortslage führt. Stutensee hat schon 2016 eine Resolution verabschiedet, die den viergleisigen Ausbau ablehnt und die Suche nach Alternativen fordert.

Ausbau stößt auf wenig Gegenliebe

Eine theoretisch zweite Möglichkeit wäre eine Verknüpfung mit der Bahnstrecke Heidelberg – Bruchsal – Karlsruhe. Das ließe sich auf dem Papier etwa durch eine Neutrassierung von Graben-Neudorf zwischen Karlsdorf-Neuthard hindurch Richtung Büchenau und Untergrombach darstellen, um an die bestehende Bahnstrecke Heidelberg – Bruchsal – Karlsruhe mit zusätzlichen Gleisen andocken zu können. Als dieser Gedanke einmal aufblitzte, sorgte er für einen Aufschrei in der betroffenen Region. Diese Möglichkeit gilt ebenfalls als schwer realisierbar.

Nicht minder schwer erscheint eine neben den beiden „Ausbauoptionen“ verbleibende dritte Option: eine Neubaustrecke. Die steht theoretisch auch im Raum – etwa als Bündeltrasse mit der A5. In jedem Fall wird es auch darum gehen, den Verkehr am Hauptbahnhof Karlsruhe vorbei nach Süden zu führen.

Bürgerbeteiligung startet im zweiten Halbjahr

Im BVWP-Infosystem zeigte eine Planskizze einen Strich, der eine Linienführung zwischen Bruchsal und Karlsruhe abbildet. Der Strich findet sich mittlerweile auch etwas anders gezogen. Aussage der Bahn: Die Striche sind als schematische Skizze zu betrachten. Vorweggenommen sei damit nichts.
Aktuell ist die Frage nach dem „wohin mit neuen Gleisen“ völlig offen. In der zweiten Jahreshälfte soll eine umfassende Bürgerbeteiligung starten, bevor Trassen in die nähere Auswahl kommen.

http://www.bvwp-projekte.de