Woodstock
Woodstock schafft es auf die Fassade des Schlosses bei den Lichtspielen | Foto: ZKM

Fotos von Elliott Landy

Woodstock lebt im Sommer 2019 in Karlsruhe auf

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Jimi Hendrix, Janis Joplin oder The Who: Elliott Landy ist vor 50 Jahren der Fotograf des Woodstock Festivals gewesen. Er hat Künstler auf der Bühne abgelichtet und die Kamera auf das Publikum, auf die Szenerie gehalten.

In diesem Sommer sind seine Aufnahmen, die weltweit Kultstatus haben, in Karlsruhe zu sehen. Nicht in einem Museum, sondern in der Innenstadt – und allen voran im XXL-Format auf der Schlossfassade bei den allabendlichen Lichtspielen.

Woodstock auf der Schlossfassade

„Wunderschön“ findet Landy diese Aussicht, sagt er lächelnd an diesem Donnerstag im ZKM. Der 76-Jährige ist aus New York nach Karlsruhe gereist. Zusammen mit Michael Steffen von Octopus Entertainment – der selbst zehn Jahre in Woodstock lebte – präsentiert Landy in diesem Jahr seine Werke im neuen Bildband „Woodstock Vision“ sowie bei Schauen in einigen Städten Europas.

„Überall gilt: Die Örtlichkeit soll speziell sein“, erklärt Steffen. In Rom wählte man ein altes Kino beim Colosseum. In Nürnberg sind die Fotografien in einer entweihten Kirche zu sehen.

„Sommer der Liebe“

Dass auch Karlsruhe die Arbeiten zeigen wird, ist einer Freundschaft zwischen Steffen und Michael Brombacher von Megaforce geschuldet. Der Geschäftsführer des beim „Fest“ aktiven Spezialisten für Bühnenbau stellte den Kontakt zu Martin Wacker her.

Der ist verantwortlich für das Festival in der Günther-Klotz-Anlage und die Schlosslichtspiele, wo Woodstock nun erlebbar wird. Karlsruhe sieht somit einem „Sommer der Liebe“ entgegen.

Woodstock-Bühne für „Das Fest“

Der wird bereits beim „Fest“ – von manchen „badisches Woodstöckle“ genannt – aufleben. „In diesem Jahr bauen wir zusammen mit Megaforce die original Woodstock-Bühne in Miniatur nach“, berichtet Markus Wiersch vom Fest-Team. Stehen wird sie am Modellbootsee, wo sonst die DJ-Bühne ihren Platz hat.

Und an den Türmen sollen großformatige Arbeiten von Landy zu sehen sein. Oberbürgermeister Frank Mentrup steuert spontan noch eine Idee bei: Die „Fest“-Macher sollen die Musiker bitten, sich einen Woodstock-Song auszusuchen und in ihrer Variante zu präsentieren.

„Hate Comes Late  Love Comes First“

Bei den Schlosslichtspielen vom 8. August bis 15. September wird ein Beitrag unter der Überschrift „Hate Comes Late – Love Comes First“ stehen. Die Fotografien von Landy werden von der ungarischen Gruppe KD-Seville zu Bewegtbildern verarbeitet.

Bildband
Vorfreude auf Woodstock in Karlsruhe wecken Frank Mentrup, Elliott Landy, Anke Bünting-Walter, Peter Weibel und Michael Steffen (von links), die alle schon mal im neuen Bildband „Woodstock Vision“ blättern können. | Foto: KME

Landy verschaffte sich bei seinem Besuch in Karlsruhe schon mal einen Eindruck vom Schloss und ist begeistert. Übrigens auch vom Geist der Stadt, angefangen beim Privilegienbrief, der 1715 den Bürgern weit reichende Rechte zubilligte. Landy fühlt sich an Woodstock erinnert, an den Geist der Künstlerkolonie.

Ganze Innenstadt wird Open-Air-Galerie

Großformatige Woodstock-Fotos werden parallel zu den Schlosslichtspielen in Schaufenstern in der City zu sehen sein. „Die ganze Innenstadt wird eine Open-Air-Galerie“, verspricht Anke Bünting-Walter von der City Initiative.

Die Schlosslichtspiele seien der Magnet. Und so würden sie in die City ausstrahlen. Am 16./17. August kündigt der Handel zudem Kleinkunst und Walking Acts an, die die Besucher zurück in die „wilden 60er/70er Jahre“ versetzen sollen.

Kamera war Ticket in erste Reihe

1967/68 war Landy in Dänemark. Doch der Vietnamkrieg belastete den Amerikaner. „Ich wollte etwas tun.“ Die Idee, in Vietnam zu fotografieren, verwarf er. Zurück in den USA, arbeitete er für Zeitungen im Untergrund und fotografierte bei Konzerten. „Die Kamera war mein Ticket in die erste Reihe.“

Sein Weg führte ihn nach Woodstock. Landy erklärt: „Das war eine Lebenshaltung.“ Und er habe Hoffnung, dass eine neue Bewegung jetzt wieder die Welt ein wenig verändern kann. Darauf setzt auch ZKM-Chef Peter Weibel, Kurator der Schlosslichtspiele. „Wir erleben derzeit so viel Hass und Populismus. Kunst hat die Möglichkeit, das Gegenteil zu erreichen.“

Friedliche Atmosphäre

Die Schlosslichtspiele seien nicht nur ein Spektakel, sondern ein Beitrag zur Zeit. Das sieht auch OB Mentrup so. Es gehe nicht darum, über Neue Medien zu jammern. Vielmehr nutze man die technischen Möglichkeiten und schaffe ein Angebot, zusammenzukommen.

Es herrsche am Schloss eine friedliche, sehr soziale Atmosphäre. Und es sei sicher einmalig, dass die Landy-Werke jeden Abend so viele Menschen zusammen ansprechen können.