Platz für kreative Geschäftsideen aus dem Container bietet das Gründerzentrum Perfekt Futur. Ben Romberg schätzt die Community und die Möglichkeiten für sein Unternehmen, sich zu vergrößern.
Platz für kreative Geschäftsideen aus dem Container bietet das Gründerzentrum Perfekt Futur. Ben Romberg schätzt die Community und die Möglichkeiten für sein Unternehmen, sich zu vergrößern. | Foto: Jörg Donecker

Gründerzentrum Perfekt Futur

Zeitenwende im Containerdorf

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Es ist leer geworden zwischen und in den Containern des Gründerzentrums Perfekt Futur auf dem Schlachthofgelände: Seit einige der „älteren“ Mieter in das Mitte April neu eröffnete Wachstums- und Festigungszentrum „FUX“ umgezogen sind, stehen neue Flächen für die nächste Gründergeneration bereit.

Ganz allein sitzt ein junger Mann in einem der leeren Container auf einem von zwei Bürostühlen, dem einzigen Mobiliar im Raum. „Ich lese mir gerade das Willkommensschreiben durch“, erklärt Aygen Selcuk, der mit seinem Startup Etit Systems gerade einzieht.

Ein normales Büro wäre keine Option gewesen

Gemeinsam mit einem Partner und mittlerweile zwei Programmierern entwickelt die junge Firma Software für Kalkulations- und Einkaufsprozesse im Elektronik produzierenden Gewerbe, also für Firmen, die etwa Komponenten für Handys, Steuergeräte in Autos oder Medizintechnik herstellen.

„Ein normales Büro wäre für uns keine Option gewesen“, sagt der 29-jährige KIT-Student. „Was wir machen, ist sehr logikbehaftet und hat viel mit Künstlicher Intelligenz zu tun. Da ist es zum Ausgleich gut, wenn das Umfeld ein anderes ist.“

Nicht von Beginn an, doch immerhin schon seit vier Jahren hat Fabian Krüger sein Büro im Perfekt Futur. Eigentlich zum Maschinenbaustudium nach Karlsruhe gekommen, entwickelt der Brandenburger heute Lösungen, um „auf Knopfdruck abzuschalten“, wie er es beschreibt.

Besser Relaxen dank Perfekt Futur

Angefangen hat er mit bequemer Kleidung unter dem Label Get Lazy, inzwischen hat sich das Konzept weiterentwickelt. „Wir haben festgestellt: Stress und Abschalten bedeuten für jeden ’was Anderes“, sagt er. Gemeinsam sei aber, dass sich Menschen entspannen, wenn sie Freude empfinden.

Krüger hat nun ein System namens „Relaxaholic“ entwickelt, das Arbeitnehmern helfen soll, sich zu entspannen, mögliche Stressfaktoren im Arbeitsumfeld ausfindig zu machen und so bessere Arbeitsbedingungen im Unternehmen zu schaffen. „Unser Ziel ist, dass Arbeitnehmer nach 20 Jahren noch so fit und leistungsfähig sind wie am ersten Tag“, sagt Krüger.

Nach vier Jahren Perfekt Futur freut er sich auf die umzugsbedingte Veränderung. „Ich bin gespannt und froh, dass frischer Wind reinkommt.“ Gewisse informelle Strukturen, die sich in den Anfangsjahren gebildet hätten, würden nun wieder aufgebrochen und erneuert. „Und die Stadt hat wohl auch dazugelernt. Vorher hat sie viel Einfluss genommen, jetzt läuft es hier eher selbstverwaltet.“

Der Alte Schlachthof ist eine Visitenkarte

Was die Stadt den Gründern mit dem Zentrum aus Schiffscontainern biete, könne er nur begrüßen. „Wenn man zum Termin beim Kunden ist und erzählt, dass man im Alten Schlachthof sitzt, dann ist das eine Visitenkarte, die man noch extra mit auf den Tisch legen kann.“

Der größte Mehrwert für ihn: „Es ist so anders als alles, was man kennt, dass die Kreativität automatisch da ist.“ Mit dem insgesamt sechsköpfigen Team ist allerdings ein Ende der Residenz im Container absehbar. „Wir haben jetzt auf fünf Jahre verlängert, aber es wird schon langsam eng.“

Die „Alteingesessenen“ sind ausgezogen

In einem Container der oberen Etage teilen sich zwei Unternehmen die Bürofläche. „Wenn Sie Alteingesessene suchen – die sind alle drüben im FUX“, erklärt Ben Romberg zur Begrüßung. Seine Firma Code Fortynine bietet Erweiterungen für Standard-Softwareprogramme, die etwa im Projektmanagement häufig genutzt werden. Seit August 2018 ist er im Perfekt Futur.

Romberg war sieben Jahre lang angestellt, bevor er sich selbstständig machte. „Homeoffice war gar nichts für mich“, erzählt er, „ich brauche eine gewisse Arbeitsatmosphäre.“ Er habe es auch schon mit einem Coworking-Space versucht, doch jetzt mit Angestellten sei ein eigenes Büro besser. „Am Anfang ist es aber ganz wichtig, eine Community zu haben“, findet der Gründer.

Das Perfekt Futur sei mit den rund 160 Euro Miete inklusive Nebenkosten auch preislich sehr attraktiv. „Und es ist toll, dass man sich erweitern kann. Wir werden uns bald auf drei Container mit insgesamt 42 Quadratmetern vergrößern.“

Das Perfekt Futur ist „nur“ ein Anfang

Die begrenzte Fläche sei wohl auch für viele der Alteingesessenen ein Grund gewesen, nun ins neue FUX umzuziehen, schätzt Romberg, der auch Sprecher der Nutzerschaft im Perfekt Futur ist. Auch wer besonders hohe Ansprüche an Schallisolation und Helligkeit habe, werde sich wohl langfristig nach anderen Standorten umsehen.

Grundsätzlich dürfen Gründer zunächst für drei Jahre in einen der Container einziehen. Danach besteht die Möglichkeit, auf fünf Jahre zu verlängern. Wie lange Romberg noch bleibt, kann er nicht sagen. „Wir bleiben sicher noch ein Jahr. Ich bin gespannt, wie es dann aussehen wird. Wir könnten uns wohl bald auch ein normales Büro leisten, aber es gefällt uns hier.“